Mario S. drohte, seiner Ex die Kehle durchzuschneiden

Stalker machte Doreen K. das Leben zur Hölle - Opfer empört über geringe Strafe

Doreen K. wurde wochenlang von ihrem Ex-Freund Mario S. gestalkt. Für sie war die Zeit der Horror, erzählt sie RTL.
Doreen K. wurde wochenlang von ihrem Ex-Freund Mario S. gestalkt. Für sie war die Zeit der Horror, erzählt sie RTL.
© RTL

25. Juni 2021 - 20:39 Uhr

Stalking-Opfer Doreen findet das Urteil ungerecht

Dieses Urteil ist für Doreen K. ein Schock: 910 Euro muss ihr Ex-Freund Mario S. als Strafe zahlen, weil er sie wochenlang gestalkt und bedroht hat. Für Doreen K. ein ungerechtes Urteil, denn: sie habe einen weit höheren Preis gezahlt. Mit RTL-Reporter Frank Vacik spricht sie nach dem Prozess über die Horror-Wochen.

Polizei rät Doreen K., ihren Freund aus ihrer Wohnung zu werfen

Das Gericht verurteilte den vorbestraften Mario S. (49) heute zu einer Geldstrafe von 910 Euro.
Das Gericht verurteilte den vorbestraften Mario S. (49) heute zu einer Geldstrafe von 910 Euro. Er hatte seine Ex Doreen K. gestalkt.
© RTL

Begonnen hatte alles ganz unverdächtig: Im September 2018 lernten sich Doreen K. und Mario S. über ein Internetportal kennen, treffen sich in einem Café. Relativ schnell entwickelt sich mehr zwischen den beiden. Mario S. wirkt nicht auffällig auf Doreen K., sie führen eine ganz normale Beziehung: "Spaziergänge, Eis essen, was man nun so macht", erzählt sie im RTL-Interview. Das Stalking-Opfer konnte sich damals nicht vorstellen, wie Mario S. mal zu ihr sein würde: "Er war ganz normal. Lieb, herzlich, hilfsbereit, also ein ganz normaler Typ eben."

Bis zum 20. Mai 2019: Auf einmal steht die Polizei vor ihrer Tür. Die Beamten sind auf der Suche nach Mario S., der zu dem Zeitpunkt nicht da ist: "Ich bin aus allen Wolken gefallen. Er war da irgendwo unterwegs und ich sollte ihn dann zu mir in die Wohnung bestellen." Doreen K. erfährt von der Polizei nicht, was Mario S. vorgeworfen wird, doch sie geben ihr einen deutlichen Hinweis: "Die Polizei hat mir gesagt, ich soll ihn aus der Wohnung verweisen. Das müsste ich selber tun, das könnten sie nicht."

Mario S. hat 19 geführte Straftaten im Bundeszentralregister

Doreen K. wirft ihren Freund raus und die Polizei nimmt Mario S. mit. Sie beendet anschließend die Beziehung: "Ich wollte mit so jemandem nichts zu tun haben und deswegen hab ich das dann beendet. Ich war wirklich geschockt, dass die Polizei vor der Tür steht."

Was Doreen K. bis dahin nicht weiß: Sie führte eine Beziehung mit einem mehrmals verurteilten Straftäter. 19 Eintragungen weist Mario S. Strafakte im Bundeszentralregister auf. Die Taten sind vielfältig: Körperverletzung, Diebstahl, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und weitere. Seine damalige Freundin ahnt davon nichts, wie sie im RTL-Interview schildert: "Gar nicht. Man denkt über sowas überhaupt nicht nach und man fragt ja auch nicht, hast du eine Strafakte. Da wäre ich nie auf den Gedanken gekommen. Nie."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Mario S. droht Doreen K. mit der "Ich schneide dir die Kehle durch"-Geste

Doch nach der Trennung beginnt für Doreen K. der Alptraum: "Es ging sofort los mit Anrufen, da war er noch gar nicht um die Ecke." Mario S. terrorisiert seine Ex mit bis zu 17 Anrufen pro Tag und vielen SMS-Nachrichten. Er lauert ihr sogar auf: "Stündlich hat er angerufen, nachts hat er geklingelt und sich vor der Wohnung bei den Mülleimern versteckt. Es war der Horror." Sogar bei ihrer Arbeit kommt Mario S. vorbei, wartet auf dem Parkplatz auf sie. Doreen K. bekommt Angst, traut sich nicht mehr alleine raus. Auf dem kurzen Weg von der Arbeit zum Auto müssen Kollegen sie begleiten und beschützen.

Der Horror gipfelt am 13. Juni: Mario S. sucht Doreen K. erneut bei ihrer Wohnung auf, sie ist gerade auf dem Balkon. Mario S. brüllt zu ihr hoch "Ich kriege dich noch" und zeigt die "Ich schneide dir die Kehle durch"-Geste: "Ich hatte Angst und habe gedacht, Hilfe, hinter der nächsten Ecke steht der mit einem Messer", erzählt die verängstigte Frau. "Ich wusste nicht wie der tickt, ob er ausflippt oder nicht. Das konnte ich gar nicht einschätzen. Ich hatte einfach nur Angst und mir war mulmig, es war ganz schlimm."

Mario S. muss weniger als 1.000 Euro Strafe zahlen

Doreen K. holt wieder die Polizei, die Anzeige gegen Mario S. wegen Stalkings läuft da bereits. Der psychische Terror ist für sie am schlimmsten: "Ich war dann gar nicht mehr in meiner eigenen Wohnung, weil ich Angst hatte", erzählt sie. "Ich konnte nicht mehr Einkaufen gehen, auf der Arbeit habe ich mich unwohl gefühlt. Ich war eigentlich nur noch ein Wrack." Erst als sie einen neuen Partner kennenlernt, ihre Telefonnummer wechselt und umzieht, hört der Terror langsam auf.

Zwei Jahre später fällt am Donnerstag (24. Juni) das Urteil. Das Gericht lässt den mehrfach vorbestraften Mario S. mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen á 13 Euro davonkommen: Insgesamt 910 Euro! Doreen K. findet das ungerecht und unfair. Denn wie sie gehört hat und auch die Anklageschrift der Staatsanwalt zeigen: Der ausgebildete Maurer hat derzeit keine Arbeit und bezieht wohl Arbeitslosengeld: "Der hat eh kein Geld, das bezahlt also der Staat."

Urteil ist für das Opfer ein Schlag ins Gesicht

Doch noch schlimmer findet sie das Signal an andere Stalking-Opfer, das dieses Urteil ihrer Meinung nach sendet: "Da brauchen wir uns nicht wundern, warum keiner sowas anzeigt und warum Frauen denken, es passiert eh nichts. Eigentlich ist dieses Urteil ein Schlag ins Gesicht. Und er lacht sich tot." (nfi)