Ungleiche Regeln

Prostituierte können wieder arbeiten - allerdings nicht überall

Ungleiche Regeln für Prostituierte in Deutschland.
Ungleiche Regeln für Prostituierte in Deutschland.
© deutsche presse agentur

31. Mai 2021 - 15:32 Uhr

Schleswig-Holstein und Sachsen erlauben Sexarbeit - Berlin in der Warteschleife

Prostituierte in Schleswig-Holstein und Sachsen dürfen wieder arbeiten. Auch die Berliner Kolleginnen und Kollegen können auf einen baldigen Start hoffen – doch in den anderen Bundesländern stehen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter immer noch vor einer ungewissen Zukunft.

Gemischte Gefühle beim Berufsverband

"Zum einen ist es natürlich gut, dass es in einigen Ländern sehr unkompliziert zu einer Wiedereröffnung gekommen ist, also auch gleichberechtigt zu anderen körpernahen Dienstleistungen", so Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen gegenüber RTL. Jedoch sei negativ, dass es auch Bundesländer gebe, "die wirklich genau das gleiche Spiel spielen wie beim letzten Mal, dass wir ganz hinten angestellt oder gar nicht berücksichtigt werden und wahrscheinlich klagen müssen", so Weber weiter.

Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wollen Gleichberechtigung

Dass Bordelle bei einer hohen Sieben-Tage-Inzidenz an Corona-Infektionen nicht geöffnet werden, sei logisch. Doch spätestens, wenn andere körpernahe Dienstleistungen in den Bundesländern wieder erlaubt werden, müsse sich auch für Prostituierte etwas ändern: "Es muss passieren, dass wir in allen Bundesländern, die wegen eines niedrigen Infektionsgeschehens wieder öffnen dürfen, gleichberechtigt mit den anderen körpernahen Dienstleistungen behandelt werden. Das, was in Schleswig-Holstein geht, muss woanders auch gehen", fordert Weber.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Keine großen Ausbrüche bei der letzten Öffnung

Die Branche ist wie viele andere auch seit November im Lockdown. In Mecklenburg-Vorpommern und Hessen müssen Bordelle seit März 2020 geschlossen bleiben. Doch Prostitution sei vergleichsweise sicher, findet Johanna Weber: "Bei der letzten Öffnung hat es keine Vorkommnisse gegeben, es hat kein Großausbruch in Bordellen stattgefunden. Auch die Kontaktverfolgung hat in den Bordellen geklappt – also es gibt gar keinen Grund, warum wir so hinten angestellt werden". Alle Etablissements arbeiteten mit Hygienekonzepten. In der Regel sei das Geschäft aber auch keine Massenveranstaltung, manchmal habe man nur ein bis zwei Kunden pro Tag, schildert Weber.

Hamburgs Reeperbahn bleibt vorerst "still"

Die Prostituierten von der Hamburger Reeperbahn warten indes noch auf eine klare Öffnungsansage von den Behörden. "Wir wissen immer noch nicht, wann wir wieder arbeiten dürfen", sagte Hanna von der Gruppierung Sexy Aufstand Reeperbahn. "Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir uns 2020 mit einem guten Konzept bewiesen hatten. Aber im Moment sieht es so aus, also ob es wieder einer der letzten Öffnungsschritte wird. Da sind wir sehr enttäuscht von der Politik. Wo bleibt denn da die Weltoffenheit für Hamburg?" Massage-, Tattoo- und Kosmetikstudios dürften in der Hansestadt bereits wieder öffnen. "Wir sind da nicht gleich gestellt." Rund 2000 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter arbeiten den Angaben zufolge in Hamburg. Bei einer Öffnung gelten für die Bordelle und Prostituierten meist die gleichen Hygiene- und Corona-Schutzregeln wie für andere Unternehmen mit körpernahen Dienstleistungen - also ein negativer Corona-Test, ein Schutzkonzept und die Erfassung der Kontaktdaten. (dpa/kbü)