Jeder 3. Deutsche schläft schlecht

Schlafprobleme: Was dahintersteckt und wie Sie dagegen vorgehen können

Schlafen Sie auch oft mit offenem Fenster? Das sollten Sie nochmal überdenken.
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18. Februar 2020 - 19:19 Uhr

Endlich mal wieder erholsam schlafen!

Nicht durchschlafen, schlecht einschlafen, tagsüber völlig übermüdet sein – mit Schlafproblemen kämpfen viele Deutsche. Jeder Dritte ist hierzulande betroffen. Wissenschaftler der Uni Mainz haben jetzt untersucht, woran das liegt und einen Zusammenhang zwischen Schlaf und psychischer und körperlicher Gesundheit herausgestellt.

Gründe für Schlaflosigkeit

Das Ergebnis der Studie: Wer Schlafprobleme hat, empfindet mehr seelischen und körperlichen Stress. Herzschmerzen, Magenverstimmungen und Atemschwierigkeiten können die Folge sein. Umgekehrt wirken sich psychische Belastungen und körperliche Beschwerden aber auch schlecht auf die Schlafqualität aus.

Das Fazit: Schlaf, sowie die psychische und körperliche Gesundheit beeinflussen sich gegenseitig. Ein Teufelskreis!

Wer ist am häufigsten von Schlafmangel betroffen?

Laut des Gesundheitsreports 2019 gibt es unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, bei denen Schlafprobleme häufig auftreten. Unter anderem leiden Frauen eher an Schlafmangel als Männer. Grund dafür ist meist die Versorgung von kleinen Kindern sowie das Schnarchen des Partners.

Ihr Partner schnarcht? Wir verraten Ihnen welche Schnarch-Arten es gibt und was Sie dagegen tun können.

Gefährdet sind außerdem Angestellte im Schichtdienst, Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Mitarbeiter im Sicherheitsdienst und in Call-Centern. Auch in den einzelnen Bundesländern schläft nicht jeder gleich. In Berlin, Bremen und dem Saarland wurden 2017 deutlich mehr Schlafstörungen diagnostiziert als beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Laut der Studie der Uni Mainz sind allerdings sozial und gesundheitlich Benachteiligte in Deutschland am häufigsten von schwerwiegenden Schlafstörungen betroffen, also Menschen mit einem geringen Bildungsstand und Ältere. Bei ihnen besteht das größte Risiko, an Schlafproblemen zu leiden.

Dauerhafte Schlafprobleme sind eine unterschätzte Gefahr

Sind die Betroffenen unausgeschlafen, fühlen sie sich meist erschöpft, sind weniger aufmerksam, unmotiviert und leiden unter Stimmungsschwankungen. Die Gefahr ist groß, psychisch aber auch körperlich zu erkranken. Das Problem bisher: Schlafstörungen werden von den meisten nicht ernst genommen. Zu viele nehmen ihre unzureichende Nachtruhe einfach hin oder versuchen, mit Schlafmitteln durch die Nacht zu kommen.

Dieses Unwissen hat weitreichende, wenn nicht sogar gefährliche Konsequenzen: Schlafmangel gilt als unterschätzter Auslöser für zahlreiche Krankheitsausfälle sowie für Unfälle im Straßenverkehr.

Der Mangel an Schlaf wird auch ärztlich nur äußerst selten als Ursache von psychologischen oder körperlichen Symptomen diagnostiziert. "Das ist aus der Perspektive der Betroffenen ein großes Problem. Auch für die gesundheitliche Versorgung stellt die Vernachlässigung der indirekten Konsequenzen durch schlechten Schlaf eine große Herausforderung dar", erläutert Professor Brähler der Uni Mainz.

Medizinische Hilfe gibt es kaum

Viele Betroffene greifen auf unseriöse und kommerzielle Einschlafhilfen zurück. "Das fällt auch leicht, weil es keine ausreichenden Gesundheitsangebote für Menschen mit Schlafstörungen gibt", bestätigt Hans-Günter Weeß vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

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