Hohe SAR-Werte bei iPhones und Samsung-Modellen gemessen

Diese Smartphones sollen zu stark strahlen

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23. August 2019 - 11:57 Uhr

Strahlungsgrenzwerte bei vielen Smartphones überschritten

Immer wieder gibt es Meldungen, dass Handystrahlung ungesund und möglicherweise krebserregend ist. Deswegen gibt es gesetzlich vorgeschriebene Strahlungsgrenzwerte, die Hersteller einhalten müssen. Die US-Zeitung "Chicago Tribune" hat die Strahlungswerte von populären Smartphone-Modellen jetzt im Labor testen lassen - mit teils alarmierenden Ergebnissen.

Bekannte und weit verbreitete Smartphones wie Apples iPhone 7 oder das Galaxy S8 von Samsung überschritten den in den USA geltenden Grenzwert zum Teil deutlich. Die US-Rundfunkbehörde Federal Communications Commission (FCC) hat daher angekündigt, die betroffenen Geräte erneut testen zu lassen.

Was ist SAR-Strahlung überhaupt?

Beim SAR-Wert handelt es sich um die sogenannte spezifische Absorptionsrate. Dieser Wert beschreibt, wie viel Energie der Körper aufnimmt, wenn er einem hochfrequenten elektromagnetischen Feld ausgesetzt wird, man also zum Beispiel mit dem Smartphone telefoniert oder es am Körper trägt. Je höher der SAR-Wert, desto stärker wird das Gewebe durch die Strahlung erwärmt.

In den USA liegt der Grenzwert bei einem SAR-Wert von 1,6 Watt pro Kilogramm. In der EU ist er etwas höher: Hier liegt die oberste Grenze bei 2 Watt pro Kilogramm. Das ist auch der Wert, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grenze empfiehlt.

iPhone 7 und Samsung Galaxy S8 deutlich über dem Wert

In den Tests des "Chicago Tribune" lagen das iPhone 7 und das Samsung Galaxy S8 um ein Vielfaches über diesen Werten: Beim iPhone 7 wurde ein SAR-Wert von bis zu 7,15 Watt, beim Galaxy S8 ein Wert von bis zu 8,22 Watt pro Kilogramm gemessen. Auch das iPhone 8 überschritt die Grenze (SAR-Wert 5,37 Watt/kg), ebenso das Galaxy J3 (6,5 Watt/kg) und das Galaxy S9 (SAR-Wert 3,8 Watt/kg).

Das Motorola Moto E5 Play und Moto E5 überschritten die Grenzwerte ebenfalls, das Moto G6 Play und BLU Vivo 5 Mini blieben unterhalb der Grenzwerte.

Der "Chicago Tribune" hat die Strahlung im Test allerdings aus einer Entfernung von nur zwei Millimeter gemessen - normalerweise gilt bei der Messung von SAR-Werten ein Abstand von fünf Millimetern zum Körper, auch in der EU. Das Argument der Zeitung: Mittlerweile tragen die meisten Smartphone-Nutzer ihr Gerät eng am Körper, etwa in der Hosen- oder Jackentasche statt in der Handtasche oder an einem Gürtelclip.

Apple hat Ergebnisse angezweifelt

Apple hält den in den USA geltenden Grenzwert nach eigenen Angaben ein und zweifelte die Testergebnisse an: Bei den Tests habe man nicht die entsprechenden Sensoren eingeschaltet, die die Strahlung verringern, wenn man das Gerät ans Ohr oder Gesicht hält.

Deshalb unterzog der "Chicago Tribune" die geprüften iPhone-Modelle einem erneuten Test, bei denen die Sensoren aktiviert waren. Doch auch bei diesem wurden Werte gemessen, die über den vorgegebenen lagen.

Das iPhone X lag mit 2,19 Watt pro Kilogramm auch beim modifizierten Test knapp über dem Grenzwert, ebenso das iPhone 8 (2,64 Watt/ kg). Das iPhone 8 Plus von 2017 lag darunter, das iPhones XS von 2018 wurde nicht getestet.

FCC erteilt Smartphone-Herstellern die Zertifikate

Die FCC übernimmt in den USA den Zertifizierungsprozess vor der Zulassung neuer Smartphones und soll dabei sicherstellen, dass die festgelegten Strahlungsgrenzwerte nicht überschritten werden. Die Behörde testet die Geräte und erteilt den Herstellern anschließend Zertifikate, damit die Geräte in den Verkauf gehen dürfen.

Für die Tests können die Hersteller das Labor, in dem getestet wird, allerdings selbst wählen - und auch nur ein einziges Gerät muss den Test bestehen, damit es die Freigabe erhält und im ganzen Land vertrieben werden darf.

Wie Sie die Strahlenbelastung Ihres Smartphones senken können, zeigen wir Ihnen hier.