Sandwesten für Kinder mit ADHS-Symptomen an Hamburger Grundschulen - sonderbare Erziehungsmethode oder sinnvoll?

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18. Dezember 2017 - 16:46 Uhr

Durch die Weste können sich Schüler mit ADHS-Symptomen schneller beruhigen - so die Theorie

Es klingt bizarr, ist aber wahr: An mehreren Hamburger Grundschulen werden Kindern, die unter ADHS-Symptomen leiden, also Aufmerksamkeitsdefiziten und Zappeligkeit, mit Sand beschwerte Westen angezogen. Dadurch sollen sie zur Ruhe kommen und sich besser konzentrieren können. Was ist von der Methode zu halten?

Von Christiane Mitatselis

Es geht nicht darum, Zwangsjacken zu verteilen

Einige Hamburger Medien haben Anfang des Monats darüber berichtet, seitdem wird über dieses Thema landesweit diskutiert. An 13 Hamburger Schulen sind die Sandwesten als Hilfsmittel im Unterricht im Einsatz. Nur auf freiwilliger Basis, nur mit Einwilligung der Eltern. Und nur für etwa eine Stunde. Je nach Konstitution und Muskeltonus des Kindes wiegen die Westen zwei bis fünf Kilogramm.

Es gibt zwar bisher keine empirischen Studien über ihren Effekt, die Lehrer haben aber Positives zu berichten. Gerhild de Wall, Sonderpädagogin an einer der Hamburger Schulen, die die Westen einsetzen, sagt gegenüber 'Spiegel online': "Durch die Westen können sie (die Kinder) sich besser spüren und dadurch leichter konzentrieren, weil sie nicht ständig ihre Arme und Beine unter Kontrolle halten müssen." Es geht dabei also nicht darum, die Kinder in die Stühle zu drücken oder in Zwangsjacken zu packen, sondern ihnen ein gutes Körpergefühl zu vermitteln, damit sie dem Unterricht besser folgen können.

Die Sandwesten haben keine Nebenwirkungen

Derartige Westen werden schon seit langer Zeit auch bei Autismus oder Wahrnehmungsstörungen eingesetzt. Und sie sind auf jeden Fall frei von Nebenwirkungen - anders als das umstrittene Medikament Ritalin, das Kindern mit Konzentrationsstörungen oft verschrieben wird. Die einen halten es für harmlos, die anderen sehen in Ritalin eine Droge, mit der Kinder ruhiggestellt werden.

Die Behandlung von Kindern mit Konzentrationsstörungen und motorischer Unruhe ist ohnehin ein weites Feld, auf dem viel gestritten wird. Umweltgifte stehen im Verdacht, diese Störungen auszulösen, auch Bewegungsmangel und Fehlerernährung. Eine an der Universität Regensburg durchgeführte neue Studie hat gezeigt, dass Sport ein gutes Mittel gegen die ADHS-Symptome ist; am besten in Kombination mit einer Verhaltenstherapie, in der Kinder lernen, ihr Verhalten selbst zu kontrollieren.

Sandwesten, die helfen, das Köpergefühl spontan zu verbessern, können ein Bestandteil einer solchen Behandlung sein.