Schon ein Teelöffel kann zu einer Salzvergiftung führen!

Wie viel Salz dürfen Kinder zu sich nehmen?

Babys und Kinder sollten nur ganz wenig Salz zu sich nehmen, sonst droht eine Salzvergiftung.
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22. Mai 2020 - 12:37 Uhr

Bei Kleinkindern ist die empfohlene Höchstmenge schnell erreicht

Eltern kennen den Warnhinweis, der auf Putzmitteln, Waschpulver und Co. steht: "Bitte außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren". Aber wussten Sie, dass dieser Warnhinweis eigentlich auch auf Salz stehen müsste? Darauf macht nun eine Mutter auf Twitter aufmerksam.

Verwechslungsgefahr von Zucker und Salz bei Kindern noch größer

Der dreijährige Sohn der Frau hat Salz mit Zucker verwechselt. Da die Mutter geistesgegenwärtig reagiert und sofort den Notarzt alarmiert hat, konnte dem Kind schnell geholfen werden. Wie leicht es zu solch einer für Kinder unter Umständen lebensbedrohlichen Verwechslung kommen kann, kann jeder nachvollziehen, der versehentlich schon einmal einen Kuchen mit Salz statt Zucker gebacken hat.

Und bei Kindern ist die Verwechslungsgefahr noch größer – erst recht, wenn beide Gewürze in ähnlichen Gläsern, Fächern oder gar den gleichen Streuern aufbewahrt werden. Für die Kleinen raschelt beides gleich schön und Zucker naschen ist einfach zu verführerisch.

Wie viel Salz ist zu viel?

Dass zu viel Salz ungesund ist, wissen die meisten. Doch welch geringe Menge Salz bereits zu einer Salzvergiftung führen kann, ahnen wohl die wenigsten: Schon 10 Gramm – das entspricht etwa einem gehäuften Teelöffel – können ausreichen, um bei einem Kleinkind zu einer Salzvergiftung zu führen.

So sind bereits 0,5 bis 1 Gramm Kochsalz pro Kilogramm Körpergewicht lebensgefährlich. Diese Angaben gelten sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Da Kinder – und vor allem Kleinkinder – jedoch ein wesentlich geringeres Köpergewicht als Erwachsene haben, kann bei ihnen bereits eine kleine Menge Salz zu Vergiftungserscheinungen führen. Folglich kann schon ein stark versalzenes Essen für Kinder lebensbedrohlich werden.

Symptome einer Salzvergiftung

Symptome einer Salzvergiftung sind unter anderem Erbrechen, Herzrasen, aber auch Schläfrigkeit. Wenn Kinder zu viel Salz zu sich nehmen, drohen laut Giftzentrale am Uniklinikum des Saarlandes in Homburg schlimmstenfalls Blutungen im Kopf und Schwellungen im Gehirn. Dies könne letztlich zum Tod führen. Wenn Kinder versehentlich viel Salz auf einmal konsumiert haben und Eltern eines dieser Symptome bei Ihrem Kind feststellen, sollten Sie sich sofort an die Giftnotrufzentrale wenden oder unter 112 den Notarzt alarmieren.

Darum ist zu viel Salz schlecht

Nicht nur um einer möglichen Salzvergiftung vorzubeugen sollten Eltern auf einen sparsamen Salzverzehr ihrer Kinder achten. Wenn Babys oder Kinder über einen längeren Zeitraum zu viel Salz konsumieren, können sie an Bluthochdruck erkranken. Zudem belastet ein hoher Salzkonsum die Nieren. Bei Erwachsenen wird ein Zuviel an Salz über die Nieren ausgeschieden, was mit einem erhöhten Flüssigkeitsverlust einhergeht. Bei Babys sind die Nieren jedoch noch nicht vollständig entwickelt. Deswegen können Sie große Mengen Salz nicht ausscheiden. Daher sollten Eltern auf eine salzarme Ernährung von Babys und Kleinkindern achten.

Um diese Vorgabe zu erfüllen, hilft ein Blick auf die Zutatenliste von Lebensmitteln: "Produkte, die mit über 0,6 Gramm Natrium oder über 1,5 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm gekennzeichnet sind, sollten Eltern meiden. Denn sie sind zu salzig", empfiehlt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Wie viel Salz pro Tag ist erlaubt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, den täglichen Verzehr von maximal 5 Gramm Salz nicht zu überschreiten, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erlaubt 6 Gramm Salz pro Tag. Dies entspricht etwa einem Teelöffel Salz täglich. In Situationen mit erhöhtem Verbrauch – beispielsweise bei einem hohen Salzverlust durchs Schwitzen beim Sport, bei hohem Fieber oder auch durchs Stillen – kann der Bedarf leicht erhöht sein.

Für Kinder gelten in Deutschland folgende Richtwerte:

Altersgruppe

Kinder unter einem Jahr: maximal 1 Gramm Salz pro Tag

Kinder 1 - 3 Jahre: maximal 2 Gramm Salz pro Tag

Grenzwerte für den maximalen Salzverzehr für (ältere) Kinder gibt es in Deutschland bislang nicht. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) benötigen jedoch auch ältere Kinder nicht viel mehr Salz als Kleinkinder: Demnach benötigt ein Kind im Alter zwischen sieben und zehn Jahren etwa 0,46 Gramm Natrium und 0,69 Gramm Chlorid pro Tag. Das entspricht etwa einer Messerspitze Salz oder etwa 1-2 Gramm Kochsalz (NaCl).

Tipps für den Alltag

Der Salzgehalt ausgewählter Lebensmittel im Überblick:

  • 1 Stück Laugengebäck (ohne sichtbares Hagelsalz obendrauf, ca. 50 g): 1-1,5 g Salz
  • Salzstangen oder –brezel: 3,3-5,5 g Salz pro 100 Gramm
  • 1 Vollkornbrötchen (ca. 60 g): 0,8 g Salz
  • 1 Scheibe Gouda (ca. 30 g): 0,6 g Salz
  • 30 g Salami: 1,2 g Salz
  • eine Tiefkühl-Pizza Salami: 4,6 g Salz

Grundsätzlich kommt es immer auf die Tagesbilanz an: Hat Ihr Kind schon ein Laugenbrötchen gegessen, sollten es zum Mittagessen nicht auch noch eine Pizza geben oder zum Abendessen ein Brötchen mit salzhaltigem Aufschnitt wie Salami oder auch Käse. Stattdessen könnten Sie Quark oder einen pflanzlichen Aufstrich wählen.

Sobald Kleinkinder an den normalen Familienmahlzeiten teilnehmen und mitessen, sollten Eltern möglichst salzarm kochen – das heißt, möglichst frisch mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Salz. Salzen Sie Ihre Essensportion stattdessen bei Bedarf am Tisch nach.

Gesunde und salzarme Knabberalternativen sind beispielsweise Kürbis- oder Sonnenblumenkerne, getrocknete Früchte, (selbstgemachtes) Popcorn, Apfelchips (am besten selbstgemacht), Quinoa-Flips, Pistazien oder Maischips.

Außerdem sollten Sie beim Einkauf zu natriumarmem Wasser greifen: Wasser gilt als natriumarm, wenn es weniger als 20 Milligramm Natrium (Na) pro Liter (mg/l) enthält. Auch das entlastet die Nieren und beugt einer zu hohen Salzaufnahme vor.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen, brauchen Sie sich um den Salzkonsum Ihres Kindes nicht zu sorgen.