65.000 Schulden wegen Betrüger - der kriegt 8 Monate auf Bewährung

Heiratsschwindler bricht Steffis Herz - Expertin: Liebeskummer kann tödlich sein

Heiko S. wurde verurteilt Heiratsschwindler Urteil
06:43 min
Heiratsschwindler Urteil
Heiko S. wurde verurteilt

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Denise Kylla & Frank Vacik

Als Steffi W. über den Betrug spricht, schießen ihr die Tränen in die Augen. Sie hat nicht nur sehr viel Geld verloren, sondern auch ihren Verlobten Heiko S. Ihr eigener Partner hat sie eiskalt ausgenutzt und um 65.000 Euro geprellt. Was blieb war ein Haufen Schulden – ihre große Liebe war weg. Im Interview mit RTL erklärt die psychologische Beraterin Silvia Fauck, wie schwerwiegend die emotionalen Auswirkungen eines solchen Betrugs sein können.

Expertin über Heiratsschwindel: Frauen suchen die Schuld meist bei sich selbst

Silvia Fauck ist Psychologische Beraterin.
Silvia Fauck ist Psychologische Beraterin.
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Fünf Jahre lang waren Steffi W. und Heiko S. ein Paar, sie wollten sogar heiraten. Genauso lang ist es jetzt her, dass die Masche ihres Liebsten aufflog. Der Mann unterzeichnete Verträge in ihrem Namen, häufte so einen Schuldenberg an, von dem Steffi erst mal gar nichts wusste. Manchmal habe sie ihm aber auch Geld überwiesen. „Für mich war immer alles glaubhaft. Er hat mir ja auch immer Belege vorgelegt, Kaufverträge“, erzählt sie. „Es tut manchmal immer noch sehr weh, die Liebe ist vorbei.“ Im Interview mit RTL-Reporter Frank Vacik spricht sie mit gebrochener Stimme, immer wieder stehen ihr Tränen in den Augen.

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Warum schmerzt die Trennung von einem Mann, von dem man betrogen wurde, trotzdem so sehr? Die Psychologische Beraterin Silvia Fauck erklärte im Interview mit RTL: „Zum einen ist das der Liebeskummer, der Entzug des Menschen. Zum anderen sind da die Schuld und die Opferrolle – die Frau fragt sich in diesem Fall ‘war er nur mit mir zusammen wegen des Geldes?’“ Es liege in der Natur des weiblichen Charakters, die Schuld bei sich selbst zu suchen. „Ein Mann hat die wunderbare Gabe, sein Gehirn einzuschalten“, sagt sie. Bei Frauen würden oft Bauchgefühl und Herz entscheiden. Im Zweifel würde sich ein Mann eher eine neue Frau zum Trost suchen.

Und tatsächlich: Als Frank Vacik den Heiratsschwindler konfrontiert, trägt er einen Ehering! Hat er tatsächlich eine Neue gefunden? Darüber und auch über das Urteil will er mit unserem Reporter nicht sprechen. Anders als seine Schwester Ulrike R. Sie habe schon 2014 mit ihrem dreizehn Jahre jüngeren Bruder gebrochen, seine Lügen hätten das Vertrauensverhältnis zerstört. In der Familie sei er dafür bekannt, nicht die Wahrheit zu sagen, erzählt sie.

RTL-Reporter Frank Vacik konfrontierte den mittlerweile verurteilen Betrüger Heiko S.
RTL-Reporter Frank Vacik konfrontierte den mittlerweile verurteilen Betrüger Heiko S.
RTL

Heiratsschwindler bricht Steffis Herz - so schlimm kann Liebeskummer sein

„Ich hatte mich in sein Bild damals gleich so ein bisschen verguckt, er sah sympathisch aus, es war ein tolles Bild für mich“, so Steffi. Er habe ihr sehr zurückhalten und liebevoll geschrieben, sei in ihren Augen von Anfang an vertrauenswürdig gewesen. Wenn die betrogene Frau von ihrem Ex-Verlobten spricht, wird ihre Stimme etwas zittrig. Keine Spur von Hass oder Groll.

Steffi W. wurde vom Schwindler Heiko S. betrogen.
Steffi W. wurde vom Schwindler Heiko S. betrogen.
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„Liebeskummer kann ein paar Monate anhalten. Ich hatte aber auch schon Menschen im Gespräch, die zehn Jahre gelitten haben“, ordnet Fauck den Schmerz ein. Sie rate dazu, nicht mit Freunden oder Familie über den Kummer zu sprechen. Man brauche jemanden, der einem die Situation ehrlich und mit einer wertfreien Meinung einordnen könne.

Neben psychischen Folgen wie Vertrauensverlust kann aus einer Situation wie sie Steffi W. erlebt hat aber noch viel Schlimmeres resultieren. „Liebeskummer kann Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben“, so die Expertin. „Das kann von Migräne bis hin zum ‘Broken Heart Syndrom’ führen.“ Das löse einen Herzinfarkt aus, der wiederum kann tödlich enden. Die Seele löse die Beschwerden durch den Kummer aus – „es gelangt kein Serotonin mehr ins Gehirn“. Man fühle dann keine Freude mehr. Während Männer dem mit Sport entgegenwirken könnten, sei das bei Frauen nur selten möglich.

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Ulrike R. ist Heikos Schwester. Sie findet, dass seine Strafe noch höher hätte ausfallen können.
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Auch das Amtsgericht Aue Bad-Schlema sah den Schmerz, den Heiko S. seiner Ex-Verlobten Steffi W. angetan hatte. Er wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, 80 Arbeitsstunden und 7.500 Euro Strafzahlung verurteilt.

Heikos Schwester, Ulrike R., findet das Urteil gerechtfertigt. Es sei zwar nicht schön zu hören, dass ein Strafbefehl gegen den eigenen Bruder erlassen worden sei, aber: „Ich bin der Meinung, dass es in Ordnung ist, dass er jetzt seine Strafe für das bekommt, was er getan hat.“ Sie halte die acht Monate sogar für zu wenig, „wenn man bedenke, wie sehr Steffi unter der ganzen Sache gelitten hat“. Für Steffi W. ist dieses Urteil vielleicht ein Schlussstrich und die Chance auf einen Neuanfang. Den Großteil der Schulden soll sie übrigens schon abbezahlt haben.