Linnemann und Schulze im Frühstart

Der Druck auf Armin Laschet war „brutal“

Druck auf Laschet "menschlich nicht mehr auszuhalten" Doppel-Frühstart
10:28 min
Doppel-Frühstart
Druck auf Laschet "menschlich nicht mehr auszuhalten"

Doppel-Frühstart mit Svenja Schulze und Carsten Linnemann

Der Vize-Chef der Unionsfraktion, Carsten Linnemann, findet Armin Laschets Bereitschaft zum Rücktritt richtig. Jamaika will er aber trotzdem nicht beerdigen – obwohl die Ampel-Sondierungen so gut laufen, dass die Umweltministerin von der SPD schon von einem „neuen Regierungsstil“ spricht.

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Druck auf Laschet: "Menschlich nicht mehr auszuhalten"

Der Vize-Chef der Unions-Fraktion Carsten Linnemann befürwortet die Bereitschaft seines Parteivorsitzenden, Armin Laschet, vom CDU-Parteivorsitz zurückzutreten. „Das war ja auch brutal – auch menschlich gar nicht mehr auszuhalten, welchen Druck es da gab“, sagte er im „Frühstart“-Doppelinterview mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Jetzt sei der Weg frei für eine Neuaufstellung innerhalb der CDU, so Linnemann.

"Wer das glaubt, ist naiv oder hat nicht alle Tassen im Schrank."

Bei der Suche nach einem Nachfolger will Linnemann die Parteimitglieder einbinden. Einen Mitgliederentscheid hält er aber für nicht umsetzbar. „Für eine Befragung bin ich offen, würde sie sogar befürworten“, sagte Linnemann, „einen Entscheid gibt es nicht, weil am Ende die Delegierten entscheiden müssen.“ Wer Laschets Nachfolger werden könnte und ob er gar selbst zur Verfügung steht, wollte er nicht kommentieren.

Man müsse jetzt eine tiefe Wahlanalyse machen. „Das wird keine Tage dauern, keine Wochen, Monate – vielleicht sogar noch mehr“, so Linnemann. Es reiche nicht aus, eine Person zu wählen und dann zu hoffen, alles werde wieder gut: „Wer das glaubt, ist entweder naiv oder hat nicht alle Tassen im Schrank.“

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Linnemann: Ampel sehr wahrscheinlich

Trotz der Querelen an der CDU-Spitze will, Linnemann Jamaika noch nicht begraben. Wenn es dazu käme, sei die Union handlungsfähig. „Ich halte Jamaika persönlich für eine Konstellation, wo es Aufbruch und Erneuerung geben kann“, sagte er. Allerdings sieht der die Wahrscheinlichkeit einer Jamaika-Koalition schwinden. Die Union habe die Wahl verloren. Das sei Fakt. „Der Ball liegt bei der SPD“, so Linnemann, „die Ampel hat eine sehr große Wahrscheinlichkeit“.

Ampel-Sondierungen: Da entsteht „neuer Regierungsstil“.

Die Gespräche zwischen SPD, Grünen und FDP gehen in der nächsten Woche weiter. Bundesumweltministerin Svenja Schulze beschreibt die Atmosphäre in den Ampel-Sondierungen als vertrauensvoll und ernst.

„Ich bin froh, dass das im Moment so gelingt und dass da ein neuer Regierungsstil entsteht“, sagte die SPD-Politikerin. Auch sie als Spitzenpolitikerin wisse nicht im Detail, was in den Gesprächen Thema sei. „Das muss auch gar nicht in der Partei breit diskutiert werden, sondern ich habe Vertrauen, in die, die für uns da verhandeln“, sagte Schulze.

Große Herausforderung: Klimaschutz

Die SPD habe zwar gewonnen, aber sie habe nicht die alleinige Mehrheit. Insofern wüssten alle, dass nicht jeder Punkt aus dem Wahlprogramm durchgesetzt werden könne. Aber die großen Herausforderungen seien allen klar – eine davon sei der Klimaschutz. „Jetzt sind wir in großer Einigkeit, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien zum Beispiel vorangehen muss und das ist etwas, was mich als Umweltministerin sehr beruhigt“, sagte Schulze.

Ob es einen Mitgliederentscheid über einen möglichen Koalitionsvertrag gebe, müsse man noch miteinander entscheiden. Sie glaube, der Parteitag im Dezember könne ein gutes Datum sein, um diese Entscheidung zu treffen.