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Rom: Frau gegen ihren Willen weggesperrt - "Mein Ehemann hat mich in die Psychiatrie gesteckt"

Kerngesunde Frau 30 Jahre ihres Lebens gegen ihren Willen weggesperrt

"Mein Ehemann wollte mich loswerden und hat mich in die Psychiatrie gesteckt"

Ehemann will Frau los werden und bringt sie in Irrenanstalt.
Frau wird 30 Jahre ihres Lebens in Psychiatrie weggesperrt.
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Die Geschichte von Rossana Falciatori klingt wie das Drehbuch eines Psychothrillers. Doch für die damals 22-Jährige wurde dieses Horrorszenario zur bitteren Realität. Im Interview erzählt die heute 80-Jährige: „Mein Ehemann wollte mich loswerden und hat mich in die Psychiatrie einweisen lassen“. Und das wohl ohne Diagnose! In der Einrichtung sei die Frau gequält worden. Pfleger hätten sie gefesselt, erzählt sie, sie sei mit Medikamenten vollgepumpt worden und Rossana Falciatori bekam, wie auch andere Bewohner, sogar unfassbar schmerzhafte Elektroschocks.

Rossana Falciatori berichtet von grausamen Methoden in der Psychiatrie

Ihre Geschichte heute zu erzählen fällt Rossana Falciatori nicht leicht. Es sind Erinnerungen an eine lange Zeit, die sie am liebsten verdrängen würde. Dem italienischen Magazin „Fanpage“ sagt sie: „Mir wurden 30 Jahre meines Lebens geklaut“. Und sie habe sich nicht dagegen wehren können.

Als ihr Mann die damals 22-Jährige in die psychiatrische Klinik „Santa Maria della Pietá“ in Rom brachte, soll der behauptet haben, dass seine Frau krank sei. Dass allein habe wohl für ihre Aufnahme in dem Krankenhaus ausgereicht. Und ab diesem Zeitpunkt sei die junge Mutter aus dem „Psycho-Knast“ – so beschreibt die heute 80-Jährige den Ort – nicht mehr rausgekommen. Die Nervenklinik beherbergte insgesamt 1.700 Patienten und gehörte damals zu einer der größten psychiatrischen Anstalten Europas. Welch grausamen Methoden manche Mitarbeiter anwendeten, kam erst Jahrzehnte später ans Licht.

Auch der Sohn von Rossana Falciatori erinnere sich bis heute noch ganz genau daran, was er mit ansehen musste, wenn das Kind seine Mutter in der Nervenheilanstalt besuchte: „Sie gaben ihr Medikamente. Aber meine Mama war nicht verrückt. Sie war auch nicht krank“, so Roberto in dem „Fanpage“-Interview.

Ehemann redete 22-Jähriger ein, sie sei krank und ließ sie ohne Diagnose in Psychiatrie einweisen

Rossana Falciatori erzählt dem italienischen Magazin weiter, dass sie jeden Tag gezwungen worden sei, Medikamenten einzunehmen. Wenn sie mal Widerstand leistete, sei sie ans Bett gefesselt worden. Die Substanzen seien ihr dann meist gespritzt worden.

Und all diese Qualen habe sie wegen ihres Mannes durchmachen müssen: „Er wollte mich los werden“. Sie berichtet, dass ihr Sohn damals erst fünf Jahre alt war. Die 80-Jährige kann sich nicht erinnern, ihrem Ehemann etwas angetan zu haben. „Mein Mann sagte immer und immer wieder: ‘Du bist krank, dir geht es nicht gut’. Und ich antwortete darauf immer: ‘Mir geht es gut. Ich bin gesund’.“ Doch ihren Mann habe das nicht abgehalten, Rossana Falciatori an den Ort zu bringen, der weit entfernt von einem schönen, freien Leben war.

Auch ein ehemaliger Pfleger der Psychiatrie erinnert sich an die Zeit, als er im „Santa Maria della Pietá“ in Rom arbeitete. Giancarlo Tissi habe keine guten Erinnerungen an die Einrichtung erzählt dieser im Interview: „Ich habe mich sehr oft gefragt, wieso wird Patient xy hier eingeliefert? Der oder die ist doch völlig normal.“ Aber sie landeten trotzdem dort und kamen auch nicht mehr so einfach wieder raus.

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Frau in Nervenklinik gesperrt: „Die Elektroschocks waren mit das Schlimmste"

Der Pfleger erzählt dem italienischen Magazin außerdem: „Ich musste die Patienten meist den ganzen Tag lang beobachten. Ich selbst habe mich auch als Mitarbeiter eingesperrt gefühlt. Die Menschen wurden gehalten, wie wilde Tiere in einem Käfig.“

Rossana Falciatori erinnert sich: „Es gab gute, es gab aber auch böse Pfleger.“ Was die Frau dort erlebt hat, habe sich tief in ihrem Kopf eingebrannt. Alles wolle sie auch nicht erzählen, es sei zu schlimm, so die 80-Jährige. „Die Elektroschocks waren mit das Schlimmste. Die waren nicht zu ertragen. So etwas darf man nicht einmal Bestien antun. Viele Patienten sind dabei gestorben.“

Auch ihr Sohn Roberto habe schlimme Bilder vor Augen: „Sie steckten sie vor meinen Augen in eine Zwangsjacke, sie bekam Spritzen. Ich kann das bis heute nicht vergessen.“ Erst, als die Anstalt im Jahr 1999 geschlossen wurde, habe Rossana Falciatori endlich ihre Freiheit wieder erlangt. Doch da waren bereits 30 Jahre vergangen, die sie gezwungen war, in der Hölle auf Erden zu verbringen. Ob sie ihren Ehemann je wieder sah, darauf gab die Italienerin keine Antwort. Jetzt jedenfalls wolle sie ihr restliches Leben noch genießen. Ihr Sohn begleite sie dabei. (mca)