Tierische Gefahr aus dem Badesee

Wels, Barsch, Zander: Wie gefährlich sind Deutschlands Riesen-Raubfische für uns?

Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen e.V. hält einen Hecht in der Hand
Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen e.V. hält einen Hecht in der Hand
Matthias Emmrich, Anglerverband Niedersachsen e.V.

Fische, viel größer als Menschen

Der Sommer zeigt sich derzeit überwiegend von seiner allerbesten Seite – was gibt es da Schöneres, als bei Temperaturen um 30 Grad in den nächsten See zu springen? Dass wir dabei nicht allein sind, ist zwar nichts Neues, doch hätten Sie gewusst, was da so um Sie herum im Wasser schwimmt und welche wahrhaft monströsen Ausmaße Fische annehmen können?

Faustregel: Je größer der See, desto größer die Fische

Es ist wohl die absolute Horror-Vorstellung vieler Hobby-Schwimmer: Statt ungetrübter Wasser-Freude wird man im Badesee von Monster-Fischen und Schlingpflanzen attackiert. Alles Quatsch oder durchaus realistisch? Zumindest die Ausmaße einiger See-Bewohner dürften Grund zur Vorsicht geben. Hechte können 1,20 Meter und größer werden. Auch Zander sind normalerweise nur 40 bis 50 Zentimeter lang, können in seltenen Fällen aber auch mehr als einen Meter lang werden. Nochmals größer wird nur der Wels. „Das ist bei uns in Deutschland der größte Fisch, der überhaupt vorkommt, der wird so bis zwei Meter fünfzig“, erklärt Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen im RTL-Interview. „Man sagt generell, je größer und tiefer so ein Gewässer ist, desto größer sind auch die Fische“, so Emmrich weiter.

Ein großer Fang muss direkt wieder ins Wasser

Es mag paradox klingen – doch gerade wegen ihrer Größe sollen die Monster-Fische in Ruhe gelassen werden. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich große Fische besonders gut fortpflanzen. Die haben nicht nur besonders viele Eier, sondern die sind auch besonders widerstandsfähig, die haben ein eigenes Territorium. Und deswegen ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass es bei bestimmten Fischarten, vor allem Raubfischen, Sinn ergibt, diese großen Fische zu schonen“, weiß Florian Möllers vom Anglerverband Niedersachsen. Die Angler müssen sich an Entnahmeregelungen halten, die vorschreiben, welche Größenklassen geangelt werden dürfen. Ist ein Fang doch mal größer, muss er wieder zurück ins Wasser. So soll der Fortbestand der Art gesichert werden.

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Steckbrief eines Killerfischs

Einem europäischen Wels ins Maul geschaut
Einem europäischen Wels ins Maul geschaut.
Matthias Emmrich, Angelerverband Niedersachsen e.V.

In der Unterwasser-Tierwelt scheint ein gnadenloser Überlebenskampf zu herrschen: Wenn ein Hecht Hunger hat, schreckt er nicht davor zurück, kleinere Hechte zu fressen – auch der eigene Nachwuchs ist dann nicht mehr sicher.

Welse dagegen haben keine Zähne. Daher sind sie auf der Suche nach Futter, dass sie in einem Stück verschlingen können – wie Küken oder ausgewachsene Enten. Weil die Vögel merken, wenn ihre Artgenossen spurlos verschwinden, sind an solchen Gewässern oft auch weniger Vögel zu finden. Ein Hinweis also auch für Menschen, dass hier die Heimat von Raubfischen sein könnte.

Sea Wars, Episode 2: Angriff der Killerfische?

Sind wir in unseren heimischen Seen also nicht mehr sicher und können nur noch im Freibad bedenkenlos schwimmen gehen? Die Antwort: „Jein“. Von einem Riesenfisch überrascht zu werden, ist äußerst unwahrscheinlich – immerhin stehen wir nicht auf der Speisekarte von Hecht oder Zander. Matthias Emmrich und Florian Möllers hören zudem höchstens einmal im Jahr von einem Fisch-Angriff.

Das kann zum Beispiel am Verteidigungsmodus von männlichen Welsen liegen, die die Eier bewachen. „Dann kann es schon mal sein, dass die auch Badegäste attackieren. Die zwicken den dann in den Fuß oder in die Hand oder in den Arm, das kann durchaus vorkommen… Er will nicht fressen, er will nur sagen: ‚Pass auf, hier wache ich über meinen Nachwuchs, komm mir nicht zu nahe‘“, sagt Matthias Emmrich. Wenn man also aufpasst, dass man die Riesen-Raubfische nicht aus Versehen ärgert, steht dem ungetrübten Badespaß wohl doch nichts im Weg.