Gefiederter Notfall in BremenVerletzter Kormoran klopft selbst an der Notaufnahme!

Der verletzte Kormoran wartet vor der Glasscheibe der Notaufnahme auf Hilfe.
Der verletzte Kormoran wartet vor der Glasscheibe der Notaufnahme auf Hilfe.
Feuerwehr Bremen

Diesen Patienten hatten die Ärzte garantiert nicht auf dem Schirm.
Am Sonntagnachmittag (15. Februar) pickt ein verletzter Kormoran verzweifelt gegen die Glastür der Notaufnahme des Klinikums Links der Weser in Bremen. Als wüsste er, dass bei ihm nur noch der Gang zum Arzt hilft. Und tatsächlich: Der Vogel bekommt Hilfe in letzter Sekunde.

Vogel klopft an die Notaufnahme

Es ist kurz nach 15 Uhr, als sich der ungewöhnliche Notfall vor der Klinik abspielt. Ein großer, schwarz glänzender Wasservogel steht vor der Eingangstür der Notaufnahme und pickt mit seinem Schnabel gegen das Glas. Der womögliche Grund für seinen verzweifelten Hilferuf: Ein dreifacher Angelhaken steckt tief in seinem Schnabel. „Ein Angelhaken im Vogelschnabel ist für das Tier extrem gefährlich – Infektionen, Schmerzen, sogar Verhungern wären möglich“, erklärt die Feuerwehr Bremen in einer Mitteilung.

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Dass der sonst scheue Vogel überhaupt so nah an Menschen herankommt, ist ein Alarmzeichen. „Wenn sich ein verletzter Kormoran tatsächlich in die Nähe von Menschen begibt, handelt es sich meist um ein Tier in extremer Not, das seine natürliche Scheu verloren hat“, so die Feuerwehr.

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„Das ist wirklich kurios”

Die Mitarbeiter der Notaufnahme reagieren sofort und alarmieren die Feuerwehr. „Für uns war das erstmal nach Alarmierung das Stichwort Kleintierrettung. Das sind Einsätze, die fahren wir circa 400 Mal im Jahr. Da retten wir Katzen, lösen festgefrorene Schwänze von der Eisfläche”, sagt Feuerwehrsprecher Michael Richartz im Interview mit RTL. Doch dieser Fall ist anders. „Aber dass jetzt ein Kormoran da vor einer Notaufnahme steht und einen Angelhaken im Mund hat und behandelt werden will, das ist wirklich kurios.”

Trotz seines gefährlichen Schnabels bleibt der Vogel ruhig. „Die picken auch gerne in Richtung Augen. Aber dieser Vogel war allen offensichtlich sehr wohlgesonnen. Die Feuerwehrleute konnten ihn mit Handschuhen ganz einfach aufnehmen“, erklärt Richartz.

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Feuerwehr und Ärzte kümmern sich um den ungewöhnlichen Patienten

Krankenpfleger Cihat Cirit holt Werkzeug. „Ich habe zwei Klemmen aus unserem chirurgischen Raum geholt und versucht, den Haken rauszunehmen. Das hat tatsächlich nicht so schnell geklappt, weil der Widerhaken hatte”, meint er im Gespräch mit RTL. Doch in einem „tollen Zusammenwirken zwischen Berufsfeuerwehr und medizinischem Personal der Notaufnahme“ wird der Haken vorsichtig entfernt und die Wunde versorgt.

In Millimeterarbeit entfernen Klinikpersonal und Feuerwehr den gefährlichen Dreifach-Haken aus dem Schnabel.
In Millimeterarbeit entfernen Klinikpersonal und Feuerwehr den gefährlichen Dreifach-Haken aus dem Schnabel.
Feuerwehr Bremen

Nach der Behandlung wird der gefiederte Patient entlassen. Der Kormoran wird in die Parkanlage des Klinikums gebracht und wieder freigelassen. „Er wusste genau, wo er Hilfe kriegt. Und hat sich dann hier bei uns gemeldet”, meint Cihat Cirit.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Feuerwehr Bremen