Ratenzahlung: Was muss ich wissen?

© dpa, A3508 Rolf Vennenbernd

03. März 2016 - 14:39 Uhr

Auf den ersten Blick verlockend

Wie schön wäre es doch, endlich Blue-Rays auf einem schicken LCD-Fernseher genießen zu können. Und die Couch müsste eigentlich auch dringend ausgewechselt werden. Aber wer soll das bezahlen? Egal ob Möbel, Elektro- oder Haushaltsgeräte: Anschaffungen größerer Art sind teuer und nicht jeder hat sofort die entsprechende Summe parat.

Händler möchten auch in Zeiten der Konjunkturkrise die Regale leer bekommen und bieten deshalb eine Methode an, die für viele auf den ersten Blick verlockend scheint: Ratenzahlungen. Die Ware kann sofort mitgenommen werden, die Raten sind schön klein und können je nach monatlichem Einkommen individuell angepasst werden. Und da nach dem Kauf kein riesiges Loch im Portemonnaie klafft, fällt auch eine größere Neuanschaffung finanziell nicht so sehr ins Gewicht.

Besonders Hartz-IV-Empfänger sind gefährdet

Doch was zunächst wie der optimale Ausweg aus der Zwickmühle scheint, kann sich auf den zweiten Blick als Kostenfalle entpuppen. Denn Ratenzahlungen bringen oft saftige Zinsen mit sich. Selbst wenn Sie also einen Artikel im Sonderangebot ergattern, kann sich die Ersparnis durch Ratenzahlung schnell wieder relativieren. Überlegen Sie also gut, bevor Sie bei einem vermeintlichen Schnäppchen zugreifen. Denn unter Umständen kann Sie ein unüberlegter Kauf richtig teuer zu stehen kommen.

Da die Raten monatlich abgestottert werden müssen, ist ein Aufschieben der Zahlung nicht drin. Dies kann für Sie unter Umständen schwerwiegende Folgen haben. Denn streiken einmal dringend benötigte Alltagsgegenstände wie Waschmaschine oder Auto, geht unter Umständen das für die Rate reservierte Geld für Reparaturkosten drauf. Kann die Rate in einem Monat nicht gezahlt werden, wird beim nächsten Zahlungstermin der doppelte Betrag fällig. Wer erst einmal in Verzug gerät, dem flattern schnell Mahnungen ins Haus, die mit saftigen Gebühren zu Buche schlagen.

Da das Einkommen bei einem Ratenzahlungsvertrag keine Rolle spielt, können auch Hartz-IV-Empfänger problemlos auf Pump kaufen. Doch gerade hier droht das Abrutschen in die Schuldenfalle. Denn bei Hartz IV ist das Geld so bemessen, dass für Ausgaben nur minimale Beträge einkalkuliert sind. Wer mit der Bezahlung nicht hinterherkommt, dem kann das Unternehmen die Ratenzahlung kündigen – dann wird die gesamte Summe auf einmal fällig. Deshalb sollte man sich dringend Gedanken darüber machen, ob die Belastungen auf lange Sicht tragbar sind.

Vorsicht bei Null-Prozent-Finanzierungen

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Auch bei Null-Prozent-Finanzierungen sollten Sie aufpassen. Denn hier können zusätzliche Vermittlungsgebühren fällig werden. Oft soll in diesem Zusammenhang auch eine sogenannte Restschuldversicherung abgeschlossen werden. Diese dient dazu, Sie und Ihre Angehörigen im Fall von Tod, Krankheit oder Arbeitslosigkeit abzusichern und dient dem Unternehmen als zusätzliche Kreditsicherheit.

Tatsächlich aber greift die Versicherung oft erst nach einer bestimmten Zeit und sichert Sie nicht von Anfang an ab. Obendrein kassiert der Kreditvermittler meistens eine hohe Provision und treibt Ihre Kosten durch die teure Versicherung weiter in die Höhe.

Worauf müssen Sie achten?

Wollen Sie unbedingt etwas auf Pump kaufen, erkundigen Sie sich zunächst, ob nicht ein Bankkredit günstigere Zinsen als die Ratenzahlung im Kaufhaus bietet. Bei Barzahlung können Sie obendrein häufig einen Rabatt herausschlagen.

Kalkulieren Sie auch einen finanziellen Puffer für unerwartet entstehende Kosten mit ein und nehmen Sie maximal drei Ratenkäufe auf einmal in Anspruch. Fragen Sie außerdem nach einer Null-Prozent-Finanzierung ohne Vermittlungsgebühren und Restschuldversicherung. Besonders Möbelhäuser bieten dies oft an.

Auch sollten Sie darauf achten, dass die Raten für Sie möglichst erschwinglich sind, gleichzeitig aber für eine möglichst kurze Dauer anfallen. Bei vermeintlichen Schnäppchen bitten Sie den Verkäufer, Ihnen die Gesamtsumme eines Ratenkaufes inklusive Zinsen auszurechnen. So können Sie feststellen, ob Sie tatsächlich etwas sparen.