Whirlpool steht in der "Africa Logde"

Rassismus-Aufregung um vermeintlichen "Kannibalen-Topf" in Schweizer Hotel

Whirlpool in der "Africa Logde" des Hotels in Thun (Foto:  Deltapark AG, Friederike Hegner)
Whirlpool in der "Africa Logde" des Hotels in Thun (Foto: Deltapark AG, Friederike Hegner)

04. Juni 2021 - 20:31 Uhr

Hotel lädt Kritiker zum Gespräch ein

Dieser Kessel erhitzt die Gemüter! Es geht um den einem Kochtopf auf offener Flamme nachempfundenen Whirlpool eines Schweizer Hotels. Der steht ausgerechnet in der "Africa Lodge" des "Delta Park" in Thun, weswegen es Menschen gibt, die dem Hotel Rassismus unterstellen. Es handele sich um "Kannibalen-Optik". Hotelier Mirco Plozza kann das nicht verstehen, nimmt die Vorwürfe jedoch ernst. Deswegen hat er den Mann, der die Debatte entfachte, zu einem Gespräch eingeladen, sagte er auf RTL-Nachfrage.

"Hätte auffallen müssen, dass das rassistische Klischees bedient"

"Africa Logde" (Foto:  Deltapark AG, Friederike Hegner)
Die "Africa Logde" ist den Betreibern zufolge das beliebteste der drei Spas des Hotels in Thun (Foto: Deltapark AG, Friederike Hegner)

Das Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten" berichtet, dass ein ihm bekannter Mann, anonymisiert J.L. genannt, sich über den Topf beschwert habe. "Was hat man sich dabei nur gedacht?", wird der Mann zitiert. J.L. finde: "Das hätte doch jemandem auffallen müssen, dass das rassistische Klischees bedient."

Der Mann, der diese Kritik befeuert, sei für das Thema sensibilisiert, weil er lange in Nairobi gelebt habe und mit einer Kenianerin verheiratet sei, heißt es weiter. Grundsätzlich fände er die "Africa Lodge" fein, sie sei "abgesehen von dem Topf ja auch sehr stilvoll gemacht und eingerichtet." Dem Hotel mache er keinen Vorwurf, "man hat sich das wahrscheinlich schlicht nicht überlegt", vermutet er.

Ob er mit dieser Vermutung richtig liegt, kann L. in Kürze persönlich klären. "Er wird am 12. Juni auf einen Kaffee zu uns in den Deltapark kommen. Ich begrüße den Austausch mit ihm außerordentlich", sagt Hoteldirektor Mirco Plozza. Seine "Africa Lodge" sei seit fünf Jahren in Betrieb, noch nie habe jemand Anstoß an der Ausstattung genommen. Im Gegenteil, sie sei die beliebteste der drei Spas in der Anlange in Thun. Trotzdem will er nicht ausschließen, den Bereich jetzt vielleicht umzubenennen.

Afrikaner findet: "Der Westen sollte manchmal aufhören, für die Afrikaner zu sprechen"

Emmanuel
Mark Bamidele-Emmanuel

Ein von "20 Minuten" befragter Experte betrachtet den Whirlpool völlig entspannt. "In den meisten afrikanischen Dörfern kochen wir mit drei Steinen und Holz, und das ist das Beste, was man essen kann", sagt Mark Bamidele-Emmanuel. Er ist Chef des Online-Senders "Diaspora TV" und stammt aus Nigeria. Er glaube, "dass kein Afrikaner das anstößig finden wird."

Bamidele-Emmanuel findet: "Der Westen sollte manchmal aufhören, für die Afrikaner zu sprechen. Mir ist aufgefallen, dass sich in den meisten Fällen nicht einmal die Afrikaner beschweren, sondern einige NGOs, die Medienpräsenz gewinnen wollen." (uvo)