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Quälender Dauerschnupfen: Hilft eine Operation wirklich?

Jeder Zehnte leidet unter einer chronischer Entzündung der Nasennebenhöhlen

Quälender Dauerschnupfen: Hilft eine Operation wirklich?

Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist eine häufige Erkrankung
Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist eine häufige Erkrankung.
DSB, Dreams Studio Bali (Dreams Studio Bali (Photographer) - [None], iStock

Rund 10 Prozent der Deutschen betroffen

Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist eine häufige Erkrankung – rund jeder neunte bis zehnte Mensch in Deutschland ist von diesem mehr als nur lästigen Leiden betroffen, das in der Medizinersprache als chronische Rhinosinusitis (CRS) bezeichnet wird. Das teilt die Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC) in einer Pressemitteilung mit. Ein Dauerleiden mit drastischen Folgen: es führt zu einer großen individuellen und auch ökonomischen Krankheitslast. Die Patienten leiden meist unter Kopf-, Nacken- und Gesichtsschmerzen, unter einer Verschlechterung des Riechsinns , chronisch verstopfter Nase und auch Schlafproblemen . All diese Symptome vermindern die Lebensqualität der Betroffenen stark, sie führen zu einer hohen Zahl von Fehltagen am Arbeitsplatz und sind einer der häufigsten Gründe für die Verschreibung von Antibiotika , so die Experten des DGHNO-KHC.

Erst wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen

Als chronisch wird eine Nasennebenhöhlenentzündung bezeichnet, wenn die Beschwerden mindestens 12 Wochen lang andauern, so die Experten. Sie kann aus einer nicht ausreichend geheilten akuten Sinusitis hervorgehen, häufig sind auch anatomische Besonderheiten wie eine verkrümmte Nasenscheidewand, Allergien oder Nasenpolypen die Ursache dafür. In manchen Fällen können auch schwere Erkrankungen der auslösende Faktor sein. „Um die Entzündung zu lindern wird den Patienten in der Regel empfohlen, die Nase regelmäßig mit Kochsalzlösung zu spülen und ein cortisonhaltiges Nasenspray zu verwenden“, erklärt Dr. med. Tanja Hildenbrand, Oberärztin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Teilweise komme auch eine kurz- oder langfristige Therapie mit Antibiotika oder eine kurzfristige Therapie mit Kortikosteroiden in Betracht. „Erst wenn die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt oder Komplikationen drohen, kann eine Operation eine Behandlungsoption darstellen“, sagt die Ärztin.

Europäische Studie belegt Erfolge der operativen Behandlung

Für die Behandlungsqualität spielen laut DGHNO-KHC folgende Punkte eine wichtige Rolle: eine geeignete medikamentöse Vorbehandlung, die Auswahl der Patienten, denen ein chirurgischer Eingriff angeboten wird, sowie der Zeitpunkt, zu dem das geschieht. „Dabei gibt es Hinweise in Studien, dass der Operationserfolg umso größer sein kann, je früher der Eingriff vorgenommen wird“, sagt Hildenbrand.

Tatsächlich scheint ein chirurgischer Eingriff bei Patienten mit anhaltenden Beschwerden nach angemessener Medikamenten-Therapie Vorteile zu bringen. Als Beleg für den Operationserfolg nennt Oberärztin Hildenbrand „die Verbesserung der Produktivität“: Demnach sank einer europäischen Studie zufolge die Zahl der Fehltage am Arbeitsplatz von 8 bis 14 Tagen vor der Operation auf 1 bis 7 Tage nach dem Eingriff. Das reine Fortführen der medikamentösen Therapie dagegen, so die Pressemitteilung, hatte keinen Einfluss auf die Zahl der Krankheitstage.

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Ziel einer Operation bei chronischer Sinusitis

Der ungestörte Sekretfluss von den Nebenhöhlen in die Nase soll wieder hergestellt, ein Übergreifen von Entzündungen auf benachbarte Regionen oder die unteren Atemwege verhindert werden. Es können dabei höchst unterschiedliche Ursachen und Krankheitsgeschichten vorliegen. Vor der Wahl einer bestimmten Methode muss daher jeder Einzelfall individuell beurteilt werden.

Folgende operative Maßnahmen können je nach Krankheitsbild zur Linderung der Beschwerden beitragen:

  • Endoskopische OP: Hier benutzt der Chirurg ein Endoskop, mit dem er über die Nasenlöcher bis zum Problembereich vordringt. Dort beseitigt er Engstellen oder Störfaktoren wie Nasenpolypen, um Belüftung und Sekretfluss in den Nebenhöhlen wieder herzustellen. Die endoskopische OP ist gegenüber früheren Methoden schonend und fast schmerzfrei.
  • Ballondilatation (Sinuplastie): Es handelt sich um eine ambulante Operation, die bei einfachen Fällen angewendet wird. Durch ein Katheter wird ein Ballon in die Nase eingeführt, der am Eingang der Nasennebenhöhlen aufgeblasen wird. Verengte Öffnungen, die einen ungestörten Schleimabfluss verhindern, können so erweitert werden.
  • Lasertechnik: Mittels Lasertechnik wird die geschwollene Schleimhaut verkleinert so soll deren Schwellung im Infektionsfall verringert werden. Ziel ist gemilderter Verlauf bei Infektionsphasen, weil es nicht so schnell zu Verstopfungen im Bereich der Nasennebenhöhlen kommt.
  • Punktion und Verkleinerung der Nasenmuschel: Die Verkleinerung der Nasenmuschel wird heute nur noch selten vorgenommen. Auch die Punktion, bei der die entzündete Nasennebenhöhle angestochen wird, um eitriges Sekret auszuspülen, wurde von neueren Methoden fast vollständig verdrängt. Sie ist relativ schmerzhaft, behebt nicht die Ursache und entlastet die Patienten nur kurzfristig.

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.; HNO-Ärzte im Netz; chronische-sinusitis.com

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