Verschwörungstheorien raubten ihm den Verstand

Familienvater bringt seine Kinder um, weil er die Welt vor "Monstern" beschützen will

13. August 2021 - 14:06 Uhr

Landarbeiter findet tote Kinder in Mexiko

Im Netz präsentierte sich Matthew C. als liebevoller Familienvater. Doch der Surflehrer aus Kalifornien steht vor Gericht, weil er seinen Sohn Kaleo (3) und seine Tochter Roxy (10 Monate) nach Mexiko entführt und dort umgebracht haben soll. Offenbar war der 40-Jährige der QAnon-Bewegung verfallen und glaubte, seine Kinder würden zu Monstern heranwachsen.

C. brachte Kinder mit Speerfischerpistole um

Die letzten Bilder, auf denen Kaleo und Roxy lebend zu sehen sind, stammen von der Überwachungskamera des City Express Hotel im mexikanischen Ort Rosarito. Sie zeigen, wie C. mit seinen beiden Kindern das Gebäude in den frühen Morgenstunden des 9. August verlässt. Wenige Stunden später sind sie tot. Die Seite "Heavy" veröffentlichte die Strafanzeige, laut der der Familienvater gestand, die Kinder in der Nähe des Hotels mit einer Speerfischerpistole durch Stiche ins Herz getötet zu haben.

Der 40-Jährige soll dem FBI gesagt haben, dass er die Leichen in Büschen abgelegt und die Mordwaffe ein paar Kilometer entfernt in der Nähe eines Baches entsorgt habe. Die blutverschmierte Kleidung warf er den Angaben zufolge in einen Mülleimer am Straßenrand im mexikanischen Tijuana. Am 10. August wurde er bei einer Kontrolle an der mexikanisch-amerikanischen Grenze festgenommen.

Surflehrer aus Kalifornien im QAnon-Wahn

Dieser Landarbeiter fand die Leichen der beiden Kinder in Mexiko.
Dieser Landarbeiter fand die Leichen der beiden Kinder in Mexiko.
© Reuters

Ein mexikanischer Landarbeiter hatte die Leichen gefunden, die große Stichwunden in der Brusthöhle aufwiesen. Eines der Kinder habe noch Windeln getragen. "Ich bin in Tränen ausgebrochen", zitiert "Border Report" den Mann. "Ich war verängstigt und traurig. Das sind kleine unbedarfte Kinder." Er habe seinen Vorgesetzten informiert, der die Polizei rief. Zu diesem Zeitpunkt hatte C.s Frau Abby ihren Mann und ihre beiden Kinder bereits als vermisst gemeldet, weil ihr Mann nicht auf Textnachrichten reagiere. Laut "Heavy" sagte die Frau, sie glaube nicht, dass die Kinder in Gefahr seien und ihr Mann ihnen schaden würde. Es gäbe keine Beziehungsprobleme und das Paar hätte keinen Streit gehabt, bevor er ging.

Die Familie lebte im kalifornischen Santa Barbara und betrieb dort eine Surfschule. Noch vor drei Wochen postete C. in sozialen Medien ein Video, das zeigt, wie er mit Kaleo auf einem Surfbrett eine Welle reitet. Doch der Mann, der sich als liebevoller Vater und Familienmensch präsentiert, ist offenbar abgedriftet in eine krude Welt des Wahns und der Verschwörungen. Laut der Strafanzeige sagte er, "er glaubte, dass seine Kinder zu Monstern werden würden, also musste er sie töten." Er gab an, "durch die Verschwörungstheorien von QAnon und Illuminati erleuchtet" worden zu sein und habe Visionen und Zeichen gesehen, die "enthüllten, dass seine Frau (…) Schlangen-DNA besaß und sie an seine Kinder weitergegeben hatte". Den Ermittlern sagte C., die Welt "vor Monstern" zu retten. Der Surflehrer habe zwar gewusst, dass das, was er tat, falsch war. Er sei aber überzeugt, dass es die einzige Möglichkeit gewesen sei, die Welt zu retten.

Der Angeklagte befindet sich in den Vereinigten Staaten in Gewahrsam und könnte laut der Nachrichtenagentur AP in Mexiko wegen schweren Mordes angeklagt werden. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm 60 bis 120 Jahre Gefängnis.

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QAnon ist ein im Internet geborener Verschwörungsglauben: Er besagt, dass eine Mischung aus Hollywoodschauspielern, Politikern und jüdischen Bankiers heimlich die Welt beherrscht. Außerdem sollen sie Kinder entführen, um ihnen einen Stoff namens Adrenochrom abzupressen, eine Art Lebenselixier.