Fünf tote Kinder in Wohnung gefunden

Psychologe zu Solingen: Mutter muss sich in psychischer Ausnahmesituation befunden haben

Christiane K. aus Solingen soll fünf ihrer Kinder getötet haben (Symbolbild).
Christiane K. aus Solingen soll fünf ihrer Kinder getötet haben (Symbolbild).
© AP, Martin Meissner, mm

08. September 2020 - 11:04 Uhr

Psychologe schätzt Kindstötungen von Solingen ein

Christiane K. aus Solingen soll fünf ihrer Kinder getötet haben. Nach RTL-Informationen soll die 27-Jährige ihre drei Töchter und zwei Söhne mit Tabletten vergiftet haben. Nur ihren elfjährigen Sohn ließ sie am Leben. Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Wir haben den Psychologen Dr. Dirk Baumeier nach seiner Einschätzung gefragt, wie es so weit kommen konnte – und warum der älteste Sohn am Leben bleiben durfte.

Psychologe Dr. Dirk Baumeier
Der Psychologe Dr. Dirk Baumeier hat die Geschehnisse in Solingen eingeordnet.
© RTL

War Christiane K. überfordert?

"Wir können davon ausgehen, dass die Mutter sich in einer psychischen Ausnahmesituation befand und sicher auch noch befindet", sagt Dr. Baumeier. Man müsse sich die Lebensumstände der Familie vor Augen führen: eine sehr junge Mutter mit sehr vielen Kindern, mit einem vergleichsweise geringen Altersabstand. Wahrscheinlich sei Christiane K. auch vollkommen überfordert gewesen mit dieser Situation, so Baumeier im RTL-Interview.

Warum sich viele junge Mütter keine Hilfe holen, können Sie hier nachlesen.

Warum verschonte die Mutter ihren elfjährigen Sohn?

Seit der Antike gebe es bereits Berichte über Kindstötungen durch die eigene Mutter, so der Psychologe. Tötung durch Gift spiele dabei häufig eine Rolle – auch Christiane K. soll ihre Kinder vergiftet haben. Mit der Wahl dieser Methode habe sie wahrscheinlich sichergehen wollen, dass ihre Kinder auch wirklich sterben, schätzt der Psychologe. So habe sie auch mehrere Kinder parallel töten können, ohne, dass ihre Kinder das merkten.

Dass der elfjährige Sohn verschont geblieben ist, sei aus psychologischer Sicht ebenfalls interessant – auch das habe man in den vergangenen Jahrzehnten häufiger beobachten können. In späteren Befragungen der Täter habe sich herausgestellt, dass Betroffene häufig gewollt hätten, dass jemand übrig bleibe – um jemanden zurückzulassen, der die Betroffenen später entlasten kann.

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Welche Folgen hat die Tat für das überlebende Kind?

Für den überlebenden Sohn sei die mutmaßliche Tat besonders schlimm. "Man muss fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Junge eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt", so Baumann. Für ein Kind sei die Tat an sich hochgradig verstörend, es werde durch das Erlebte in seiner psychischen Gesundheit nachhaltig angegriffen. Um das zu verarbeiten, brauche es wahrscheinlich Jahre oder Jahrzehnte mit psychologischer Unterstützung.

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