Prozessbeginn: "Heimu" verabredete sich im Chat mit Frau (23), um sie zu töten - RTL-Reporter griffen ein

Es war nicht sein erster geplanter 'Chat-Mord'

Ein 57-Jähriger soll die 23-jährige Katharina in den Tod getrieben haben. Die junge Frau war suizidgefährdet und suchte fatalerweise Hilfe in einem Chat. Dort traf sie auf einen Mann, der sich im Chat "Heimu" nannte und sie vom Freitod überzeugt haben soll. Mehr noch: Er soll sie über den gemeinsamen Chat live angeleitet haben. Weil laut Staatsanwaltschaft Beihilfe zum Selbstmord jedoch nicht strafbar sei, konnte der Mann nicht dafür belangt werden. Kurz darauf wollte dieser seine Tat allerdings mit einem weiteren Opfer wiederholen. RTL-Reporter konnten den Mann schließlich aufhalten. Nun beginnt der Prozess gegen "Heimu". Ihm wird Vorbereitung eines Verbrechens vorgeworfen.

Katharinas Eltern sind beim Prozessauftakt anwesend. Nur wenige Meter sitzen sie von dem Mann entfernt, der ihre Tochter in den Tod getrieben haben soll. Und sie sind erleichtert, weil sie ihn endlich auf der Anklagebank sehen. Fragen wollen sie ihm nicht stellen, denn die könnte ihnen der 57-Jährige ohnehin nicht beantworten, ist sich Katharinas Mutter sicher. "Der ist wirklich krank. Der gehört weggesperrt", sagt sie.

Verbrechensvorbereitung auf einen Mord - so lautet die Anklage gegen den Mann aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren und maximal 15 Jahren vor, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Hauburger.

Im Frühjahr 2016 wollte das Team rund um RTL-Undercover-Reporter Wolfram Kuhnigk eigentlich über den tragischen Tod von Katharina berichten. Während ihrer Recherchen trafen die Journalisten im Internet jedoch auf den Mann, der am Tod der jungen Altenpflegerin beteiligt war und immer noch sein Unwesen im Netz trieb. "Heimu", wie er sich im Internet nennt, hatte in einem Online-Forum einer Selbsthilfegruppe bereits sein nächstes Opfer gefunden: Birgit R. aus Leipzig. Auch sie war psychisch labil.

Der 57-Jährige wusste, in welcher Verfassung sich Birgit befand und soll ihr vorgeschlagen haben, sich von ihm töten zu lassen. Offenbar willigte die psychisch instabile Frau ein. Im Internet machten die beiden einen Termin aus, an dem sie sich treffen wollten - eine Verabredung, die zum Tod führen sollte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann den labilen Zustand der Frau ausnutzen wollte, um seine "sexuell motivierten Tötungsabsichten auszuleben".

Im Auto des Verdächtigen entdeckten Beamte Kabelbinder. "Damit sollte die Frau offenbar gefesselt werden", sagt Hauburger. Zum geplanten Mord kam es jedoch nicht. Der beste Freund von Birgit alarmierte die Undercover-Reporter von RTL und bat sie um Hilfe. "Ich bin dann sofort zu der jungen Frau gefahren und habe sie davon überzeugen können, sich auf keinen Fall mit diesem Mann zu treffen", so Kuhnigk damals. Er alarmierte die Polizei, die den Mann später in Gewahrsam nehmen konnte, wo er vor laufender Kamera gestand.

Jetzt muss der 57-Jährige sich vor dem Landgericht in Gießen verantworten. Es sind mehrere Prozesstage angesetzt. Das Urteil wird im Dezember erwartet. "Ich werde später in dem Verfahren noch als Zeuge gehört und darf deswegen noch nichts sagen. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich total froh bin, dass Birgit noch lebt", erzählt Kuhnigk.

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.