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Prozess um gefälschte Windparkprojekte beginnt am Landgericht Osnabrück

Schadenssumme: etwa 10 Millionen Euro!

Betrüger vermarkten Windparks, die es gar nicht gibt

Der Hauptangeklagte im Gerichtssaal
Der Hauptangeklagte im Gerichtssaal
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Betrugsprozess in Osnabrück

550 Seiten ist die Anklageschrift dick, allein sie vorzulesen dauert drei Stunden: Am Landgericht Osnabrück ist der Prozess gegen fünf Angeklagte gestartet, die nicht existente Windparkprojekte vermarktet haben sollen. Auf diese Weise haben sie unter anderem drei große Energiegesellschaften zu Zahlungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro bewegt.

Ca. 350 Dokumente wurden gefälscht

Hauptangeklagter ist ein 31-jähriger Unternehmer aus dem Emsland. Daneben sind drei Mitglieder seiner Familie und ein Geschäftspartner angeklagt. Wer welche Aufgabe in dem großangelegten Betrug hat, war ganz klar geregelt: Zwei der Angeklagten sollen dabei die eigene Firmengruppe primär nach außen vertreten und Vertragsverhandlungen mit Investoren geführt haben. Die drei weiteren Angeklagten sollen u.a. dafür zuständig gewesen sein, die maßgeblichen Unterlagen zu fälschen. Im Zentrum dabei stehen laut Anklage vor allem entsprechende Flächennutzungsverträge. „Die Holding SA besaß zu keinem Zeitpunkt das Recht an den Flächen“, auf denen die angeblichen Windparks stehen sollten. Sie „beabsichtigten die Zahlungen für eigene Zwecke zu nutzen und wollten sich an den Einnahmen aus der Holding bereichern“, so die Staatsanwaltschaft.

Acht Betrugsfälle in knapp sechs Jahren

Den fünf Angeklagten werden von der Staatsanwaltschaft unter anderem acht Fälle banden- und gewerbsmäßigen Betruges im Tatzeitraum zwischen Mitte 2015 und Februar 2021 vorgeworfen. Geschädigt wurden dabei auch Energieunternehmen aus Tschechien, Italien und Schottland. Die Beschuldigten fälschten in dieser Zeit wohl hunderte Dokumente. Im vergangenen Jahr wurde dann der Hauptangeklagte im Berliner Nobelhotel Adlon festgenommen.

Bis zu zehn Jahre Haft

Neben der Hauptanklage des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs geht es auch um Einzeldelikte von schwerem Betrug und schwerer Geldwäsche. Das Gesetz sieht im Fall eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vor. Das Landgericht Osnabrück hat 52 Verhandlungstage bis in den Januar 2022 angesetzt. (dpa/mup)