Prozessauftakt in Leipzig

Verurteilter Kinderschänder gibt sich als Mädchen aus und erschleicht sich Nacktaufnahmen - von seiner eigenen Tochter

Daniel P. werden zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch vorgeworfen.
Daniel P. werden zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch vorgeworfen.
RTL

Als der verurteilte Sexualstraftäter Daniel P. 2019 aus der Haft entlassen wird, nimmt er sofort wieder Kontakt zu jungen Mädchen auf. Der heute 37-Jährige gibt sich als Melanie aus, schreibt unter anderem seine kleine Tochter an und erhält Nacktbilder und Videos. Kaum zu glauben: P. leitet die Aufnahmen seines eigenen Kindes an andere Pädophile weiter. In Leipzig geht der Prozess gegen den Angeklagten los. RTL ist mit dabei.

Leipzig: Staatsanwaltschaft wirft Daniel P. 44 Straftaten vor

„Der Angeklagte selbst hat starr vor sich hingeschaut, hat keine Regung gezeigt und wirkte eher verschämt“, berichtet RTL-Reporter Frank Vacik vom Prozessauftakt gegen den Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen ganze 44 Straftaten vor, darunter sexueller Missbrauch von Kindern sowie Verbreitung und Erwerb von Kinderpornografie.

P. soll sich laut der Anklage bei drei Mädchen im Alter von zehn bis elf Jahren als gleichaltrige Melanie ausgegeben und ihnen eine mögliche Freundschaft oder sogar Liebesbeziehung in Aussicht gestellt haben. Eines der drei Mädchen: Seine eigene Tochter.

Angeklagter leitete offenbar Nacktaufnahmen an andere Pädophile weiter

In Leipzig begann am Dienstag der Prozess gegen den Angeklagten.
In Leipzig begann am Dienstag der Prozess gegen den Angeklagten.
RTL

Der Angeklagt sendete wohl allen Mädchen pornografische Inhalte zu und forderte sie auf, ähnliche Bilder und Videos an ihn zurückzusenden – mit Erfolg. Das Bildmaterial leitete P. offenbar teilweise an ihn bekannte andere Pädophile weiter.

Immerhin: Zu persönlichen Treffen mit den kleinen Kindern kam es – glücklicherweise – nicht.

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Leipzig: Angeklagter wurde mehrfach wegen Sexualverbrechen verurteilt

Für die Behörden ist P. alles andere als ein Unbekannter. Immer wieder wurde der Angeklagte wegen Sexualverbrechen verurteilt. Nach Verbüßung einer Haftstrafe wurde er 2019 unter Führungsaufsicht gestellt, P. war es somit verboten, Kontakt zu Kindern aufzunehmen.

Doch dieses Verbot wurde offensichtlich nicht ausreichend kontrolliert. Denn P. nahm nicht nur per Chat Kontakt mit mehreren Mädchen auf: Wegen einer weiteren Sexualstraftat im Jahr 2020 wurde er bereits verurteilt und sitzt gegenwärtig somit bereits in Haft.

Opfer müssen offenbar nicht vor Gericht aussagen

Frank Vacik berichtet für RTL aus Leipzig.
Frank Vacik berichtet für RTL aus Leipzig.
RTL

Sein Gesicht verbarg der Angeklagte vor Gericht mithilfe eines Aktenordners. Der Versuch von Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht, vorab einen Kompromiss im Strafmaß zu finden, scheiterte.

Der Albtraum einer Aussage vor Gericht wird den jungen Mädchen, die P. zum Opfer fielen, aller Voraussicht nach trotz allem erspart bleiben. Die Chatverläufe, die dem Gericht vorliegen, sind so eindeutig, dass die Kinder sehr wahrscheinlich nicht aussagen müssen werden. (jda)