Jetzt steht sie vor Gericht

Mutter soll elfjährige Tochter mit Stromstößen aus Hundehalsband zum Essen gezwungen haben

Silvia M. vor Gericht in Bad Kreuznach
Silvia M. soll ihre heute elfjährige Tochter über Jahre gequält haben.
RTL

Silvia M. soll ihre elfjährige Tochter Lara gezwungen haben, Erbrochenes zu essen

Was Silvia M. aus Feilbingert ihrer erst elfjährigen Tochter Lara angetan haben soll, ist pure Folter. Mit Stromstößen aus einem Hundehalsband soll das Kind gequält worden sein, teilweise habe es auch Erbrochenes essen müssen. Das Mädchen selbst soll sich wegen der Misshandlungen sogar ihren eigenen Tod herbeigesehnt haben – mit nur elf Jahren. Ihre Mutter muss sich deshalb seit Kurzem wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach verantworten. Auch ihr Lebensgefährte ist dewegen angeklagt – er soll tatenlos bei den Misshandlungen von Silvia M. zugesehen haben.

Lara soll Tagebuch über die Misshandlungen geführt haben

Das Martyrium des Kindes soll sich laut einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ über Jahre hingezogen haben – erst die Schule schaltet das Jugendamt ein, als das Kind erste Andeutungen machte. Seitdem lebt das Mädchen in einer Pflegefamilie. Dort öffnet sie sich ihrer Pflegemutter: Ihre Mutter habe sie gezwungen, weiterzuessen, nachdem sie sich auf den Teller erbrochen habe. Um ihren Ekel noch zu steigern, soll die Mutter sie außerdem gezwungen haben, von einem Teller vom Rand der benutzten Toilette zu essen. Und regelmäßig soll sie ihrer Tochter ein Hundehalsband angezogen haben, um sie mit Stromstößen zu quälen. Auch mit dem Kochlöffel soll die Elfjährige geschlagen worden sein, so lange, bis er zerbracht. Das Kind führte offenbar sogar ein Tagebuch über die Misshandlungen.

Der Fall weckt auch Erinnerungen an Andrea K. aus Hannover, die ihre sechsjährige Tochter in eine Hundebox einsperrte und sie ebenfalls mit einem Stromhalsband quälte. Sie wurde Ende 2019 zu 2,5 Jahren Haft verurteilt.

Opa des Mädchens berichtet von schlimmen Zuständen zu Hause

Auch wenn er bei den grausamsten Misshandlungen offenbar nie dabei war, berichtet auch der Vater der Angeklagten von schlimmen Zuständen in der Familie seiner Tochter. Als sie noch zu Hause gewohnt habe, habe sie ganze Abende in der Spielothek verbracht, statt sich um sein Enkelkind zu kümmern. Dann hätte er auf das Kind aufgepasst. Nach dem Auszug seiner Tochter hätten sie das Kind dann aber nur noch selten gesehen. „Wenn wir sie mal abholen durften, sagte meine Enkelin: Opa, ich wollte ich wäre tot. Sie hat uns aber nie erzählt, was genau zu Hause passiert ist“, erzählt er.

Das Zimmer seiner Enkelin sei sehr karg gewesen. Nur ein Bett, ein Regal – aber kein Spielzeug, nichts Kindgerechtes. Das Stromhalsband habe er einmal auf der Fensterbank liegen sehen, sagt der Opa des Mädchens vor Gericht. Doch er ging laut eigener Aussage davon aus, dass es für den Hund gedacht ist.

Siliva M. ignoriert ihren Vater, während er aussagt. Sie rede nicht mehr mit ihm, weil er die Unterbringung in der Pflegefamilie befürworte. „Denn ich liebe auch Lara und ich bin froh, dass sie jetzt in der Pflegefamilie ist. Dort geht es ihr gut“, sagt er.

Gerichtsgebäude Bad Kreuznach
Prozess in Bad Kreuznach: Mutter soll Tochter jahrelang gequält haben
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Kann sich ein Kind diese Gräueltaten wirklich ausdenken?

Die Angeklagten selbst haben sich bislang vor Gericht nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie wollen sich laut ihrer Anwälte erst später dazu äußern. Die Verteidiger haben außerdem beantragt, die Glaubwürdigkeit des Kindes von einem Gutachter überprüfen zu lassen. Für vieles gibt es nämlich bislang keine Zeugen – aber kann sich ein Kind diese Gräueltaten wirklich ausdenken?

Das muss das Gericht jetzt prüfen. Am 26. Februar soll der Prozess fortgeführt werden. Sollten sie für schuldig befunden werden, drohen Silvia M. und ihrem Lebensgefährten Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.