Inflations-Wahnsinn geht weiter

Preise steigen im Oktober um 4,5 Prozent, Leben wird immer teurer

Auch Lebensmittel werden im Jahr 2021 deutlich teurer.
Auch Lebensmittel werden im Jahr 2021 deutlich teurer.
© iStockphoto, sefa ozel

29. Oktober 2021 - 8:27 Uhr

Energiepreise weiter sehr hoch

Das Statistische Bundesamt hat eine erste Schätzung zur Inflation im Monat Oktober veröffentlicht. Danach beträgt die aktuelle Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat 4,5 Prozent. Vor allem Energie treibt die Preise weiter hoch, aber auch in anderen Bereichen wird es für Verbraucher deutlich teurer.

73 Prozent der Deutschen sehen Inflationsentwicklung kritisch

Deutlich mehr als ein Jahr zuvor mussten Verbraucher und Verbraucherinnen für Energie zahlen. Heizöl kostete mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresmonat. Kraftstoffe verteuerten sich um fast 40 Prozent. Auch für Erdgas und Strom mussten die Menschen in Deutschland tiefer in die Tasche greifen als im Oktober 2020. Eine Teuerungsrate von 4,5 Prozent hatte die Wiesbadener Behörde zuletzt im Oktober 1993 gemessen. Im September hatte die Inflation mit 4,1 Prozent bereits die Vier-Prozent-Marke überschritten.

Grund für die Entwicklung sind bestimmte statistische Sondereffekte rund um die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im Corona-Jahr 2020 und vor allem die weltweit steigenden Preise für Energie und bestimmte Rohstoffe sowie Vorprodukte der Industrie. So klettern die Preise deutscher Hersteller von Rekord zu Rekord - zuletzt stiegen sie im September um 14,2 Prozent und damit so stark wie seit fast 47 Jahren nicht mehr. Auch die deutschen Importe haben sich wegen deutlich höherer Preise für Öl, Gas und einige Lebensmittel wie Kaffee mit 17,7 Prozent so stark verteuert wie seit über 40 Jahren nicht.

Diese Daten gelten als Vorläufer für die Verbraucherpreise und Experten erwarten, dass die Inflation von Waren und Dienstleistungen bis Jahresende noch in Richtung fünf Prozent steigen könnte. Rund 73 Prozent der Deutschen sehen die Inflationsentwicklung kritisch, wie aus einer Umfrage des Deutsche Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) hervorgeht.

Verbraucherpreisindex: Diese Waren und Dienstleistungen sind im September 2021 besonders teuer geworden

Waren und DienstleistungenVeränderungen gegenüber Vorjahreszeitraum
in Prozent
Leichtes Heizöl+ 76,5 %
Diesel+ 32,5 %
Superbenzin+ 27,0 %
Fotokameras+ 11,0 %
Glücksspiele+ 9,3 %
Gemüse+ 9,2 %
Fahrzeuge+ 6,4 %
Speisefette- und Speiseöle+ 6,4 %
Bustickets+ 6,0 %
Erdgas+ 5,7 %
Eier+ 5,5 %
Flugtickets+ 5,5 %
Brot + 4,9 %
Kaffee, Tee und Kakao+ 4,9 %
Alkoholfreie Getränke+ 4,8 %
Butter, Käse+ 4,6 %
Möbel und Leuchten+ 4,4 %
Körperpflege+ 4,3 %
Milch+ 4,2 %
Gläser, Geschirr+ 4,2 %

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Landesbank-Chef: "Es wird sehr viel gefährlicher, als wir wahrscheinlich im Moment denken"

Rainer Neske, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), glaubt zwar nicht, dass die Inflation durch die Decke gehen wird. "Aber es wird sehr viel gefährlicher, als wir wahrscheinlich im Moment denken", schätzt er.

Der LBBW-Chef warnt vor einer gefährlichen Preis-Spirale in Deutschland, die die Inflation noch weiter in die Höhe treiben würde. "Es ist akzeptiert, dass man deutlich höhere Lohnabschlüsse braucht, weil die Preise, nicht nur in der Energie, auch in der Miete, auch im täglichen Leben deutlich angezogen haben", sagte Neske am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Dies sei in den Branchen zu sehen, die derzeit in Verhandlungen stünden. Es sei eine große Gefahr, dass dieser Kreislauf anfängt zu laufen. "Wenn er einmal läuft, dann ist er sehr schwer zu bändigen," sagte Neske.

Europas Währungshüter halten trotz steigender Teuerungsraten an ihrem Kurs des billigen Geldes fest. Bei seiner Sitzung am Donnerstag beließ der EZB-Rat den Leitzins für den Währungsraum der 19 Staaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der Zins nunmehr seit März 2016. Geschäftsbanken müssen nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank in Frankfurt parken. Viele Sparkassen und Banken geben die Negativzinsen an ihre Kunden weiter. (dpa/reuters/aze)