20. Mai 2019 - 6:22 Uhr

Postpartum-Thyreoiditis nach der Geburt

Nach der Geburt eines Kindes kann die Schilddrüse der Mutter aus dem Gleichgewicht geraten und sich entzünden. Wie genau diese sogenannte Postpartum-Thyreoiditis entsteht, ist bislang nicht ganz geklärt. Das Problem ist aber auch: Oft wird sie gar nicht erst erkannt.

Schilddrüse gerät aus der Balance

Für die Schilddrüse ist eine Schwangerschaft eine stressige Zeit: Sie muss nicht mehr nur den eigenen Körper ausreichend mit Hormonen versorgen, sondern auch das heranwachsende Baby. Während der Schwangerschaft fährt das Immunsystem der Mutter herunter. Daher bricht die Schilddrüsenentzündung in dieser Zeit nicht aus. Ist das Kind auf der Welt, arbeitet das Immunsystem wieder normal und bildet vermehrt Antikörper, die die Schilddrüse der Mutter angreifen.

Diese kann nicht mehr richtig arbeiten, gerät aus der Balance und entwickelt eine Über- oder Unterfunktion. Oft beginnt die Erkrankung mit einer Überfunktion (Hyperthyreose) und schlägt dann in eine Unterfunktion (Hypothyreose) um, bei der sich der Stoffwechsel verlangsamt.

Besondes gefährdet für derartige Schilddrüsenprobleme sind Frauen, wenn sie Autoimmunkrankheiten oder Diabetes Typ 1 haben oder wenn bereits Schilddrüsenerkrankungen wie etwa Hashimoto-Thyreoiditis in ihrer Familie vorgekommen sind.

Video: Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Was genau eine Schilddrüsenunterfunktion eigentlich bedeutet und welche Folgen sie für den Körper hat, erklären wir im Video.

Krankheit bleibt oft unerkannt

Die Schilddrüsenerkrankung nach der Geburt wird oft gar nicht erkannt. Beginnt sie mit einer Überfunktion, äußert sich das in Nervosität, Zittern, Schwitzen und Herzrasen. Bei einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone - die Mütter werden müde, antriebslos und weniger leistungsfähig, es kann zu einer Gewichtszunahme kommen.

Bei einer Überfunktion mit leicht ausgeprägten Symptomen ist oft keine Behandlung nötig. Tritt starkes Herzrasen auf, können vorübergehend niedrig dosierte Betablocker verschrieben werden. Meist darf dann trotzdem weiter gestillt werden. Hat sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt, kann diese mit Hormontabletten behandelt werden. Bei der Hälfte der Frauen verschwinden die Symptome von alleine und die Erkrankung heilt ab.

Schwangere und Mütter sollten Jodmangel vorbeugen

Am besten sollten Frauen mit Kinderwunsch ihre Schilddrüsenwerte schon vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft checken lassen. Besteht schon eine Fehlfunktion, kann man diese rechtzeitig behandeln. Schwangere und Stillende sollten darüber hinaus ausreichend Jod zu sich nehmen. Das braucht der Körper, um Schilddrüsenhormone zu bilden.

Besteht kein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung, ist es sinnvoll, während und nach der Schwangerschaft regelmäßig Jodtabletten einzunehmen - diese sollten aber vom Arzt verordnet werden.