Via Tracking Tools

Google und Facebook schauen Porno-Guckern zu

© imago images / Christian Ohde, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

19. Juli 2019 - 19:41 Uhr

Forscher haben 22.000 Pornoseiten untersucht

Jalousien runter, Licht aus, Privatmodus on - und dann Pornos gucken, so dass es keiner mitbekommt? Das ist schier unmöglich, haben Datenschützer der Universitäten von Pennsylvania und Carnegie Mellon sowie Microsoft jetzt herausgefunden. Denn auf den meisten Pornoseiten befinden sich Tracking Tools, die unsere IP-Adressen ausspionieren - alles zu Werbezwecken. Und jetzt kommt's: Google und sogar Facebook sind dabei! Aber was genau haben sie davon?

Neun von zehn Pornoseiten geben Daten weiter

Nacktbilder, sogar Fotos von stillenden Müttern, sind bei Facebook verboten. Warum platziert das Unternehmen dann - ohne dass wir es wissen - Tracking Tools auf neun von zehn Pornoseiten? Vermutlich, um Konsumprofile von uns zu erstellen. Das mag verwundern, denn Werbung für Sex-Toys und alles, was sonst noch mit dem Thema Sexualität verbunden ist, ist auf Facebook verboten. Auf Anfrage der Forscher sagte Facebook, dass mit den auf Pornoseiten gewonnenen Daten rein gar nichts passiere. 

Die meisten Pornoseiten sind unverschlüsselt

Perfide an der Vorgehensweise ist vor allem, dass die Daten trotz Privatmodus weitergegeben werden. Immer dann, wenn Sie sich sicher und unbeobachtet fühlen, werden Sie ausspioniert. Bedenklich ist auch die Situation auf Pornoseiten selbst. Nur 17 Prozent der kontrollierten Seiten sind verschlüsselt, die meisten haben gar keine Datenschutzerklärung, so die Wissenschafler. Und wenn, dann war sie so komplex formuliert, dass Ottonormalverbraucher sie kaum verstehen.

Pornos lieber auf Apple-Geräten?

​Was die Unternehmen mit den Daten anstellen, weiß man also nicht. Fest steht jedoch, dass die Tools solchen aus dem Onlinehandel ähneln. Was Sie dagegen tun können? Leider nicht viel. Außer vielleicht, keine Pornoseiten zu besuchen. Netzaktivistin Katharina Nocun weist im Interview mit Stern.de darauf hin, dass Apple in Sachen Datenschutz eine sicherere Nummer ist: "Apple hat ein Geschäftsmodell, das nicht auf personalisierter Werbung beruht, sondern auf dem Verkauf von Geräten. Dementsprechend führt das Unternehmen Datenschutz mittlerweile als eines der Haupt-Verkaufsargumente an - und das finde ich auch glaubwürdig."