Widerrechtliche Vertragsverlängerung

Fitnessstudios ignorieren Kündigung wegen Corona

Wegen Corona haben Fitnessstudios seit November geschlossen.
© Lajos RÄp‡si

07. Januar 2021 - 8:04 Uhr

Was tun bei widerrechtlicher Vertragsverlängerung?

Seit November sind die Fitnessstudios in Deutschland wieder dauerhaft geschlossen. Wann diese wieder öffnen dürfen, ist noch unklar. Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr, mussten Hobbysportler auf die heimische Yoga-Matte ausweichen. Viele haben den Vertrag daraufhin gekündigt. Aber auch wer noch vor Corona gekündigt hat, bekam in einigen Fällen Post von seinem Fitnessstudio: Aufgrund des Lockdowns wurde das zuvor bestätigte Vertragsende zurückgenommen und der Vertrag um die Dauer des Lockdowns einfach verlängert. Kostenpflichtige Beiträge inklusive. Wir erklären, was Sie dagegen tun können.

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Verlängerung trotz Kündigung ist unzulässig

Immer wieder melden sich Freizeit-Sportler bei den Verbraucherzentralen, weil sie Ärger mit ihrem Fitnessstudio haben. In mehreren Fällen während der Corona-Pandemie hatten die Mitglieder ihre laufenden Verträge fristgerecht zum jeweiligen Vertragsende gekündigt. Doch die Fitnessstudios verlängerten die Laufzeit eigenmächtig – so lange wie die Studios wegen Corona geschlossen waren. Auch bei RTL haben sich Leser gemeldet und ihre Probleme geschildert. Stillschweigend wurden Verträge, trotz Kündigung, verlängert und der Mitgliedsbeitrag weiter abgebucht. Telefonisch waren die Verantwortlichen nicht zu erreichen, nur per Mail kam auf Nachfrage eine Antwort, dass die eigentliche Bestätigung der Kündigung nicht mehr gelte.

Ein Unding, findet die Verbraucherzentrale. Auch Rechtsanwältin Nicole Mutschke bestätigt gegenüber RTL, dass diese Methode unzulässig ist. "Grundsätzlich ändert Corona nichts daran, dass ich meine Verträge fristgerecht kündigen kann und darf. Diese ist dann wirksam. Da können es Verbraucher in solchen Fällen auf einen Rechtsstreit ankommen lassen."

Zahlungen an das Fitnessstudio einstellen

Die Experten raten daher:

  • Wichtig ist der Nachweis, dass die fristgerechte Kündigung beim Empfänger angekommen ist. Entweder wird diese per Einschreiben mit der Post verschickt oder per Fax mit qualifiziertem Sendebericht. Dann haben Sie etwas in der Hand.
  • Im zweiten Schritt können Sie dann die Zahlung an das Studio einstellen – und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem die fristgerechte Kündigung gilt. Wer selbst einen Dauerauftrag bei seiner Bank eingerichtet hat, kann diesen einfach stoppen. Wer per Lastschrift zahlt, kann gegenüber dem Fitnessstudio nicht nur die Kündigung erklären, sondern auch schriftlich die Einzugsermächtigung widerrufen. Sollte das Fitnessstudio trotzdem weiterhin unrechtmäßig Beträge abbuchen, können Sie diese über die eigene Bank zurückholen.

Zusätzlich können Sie von Ihrem Fitnessstudio eine Auskunft darüber verlangen, auf welcher Rechtsgrundlage die Vertragsverlängerung beruht. Dann wissen die Betreiber auch, dass Sie dieses unzulässige Handeln zur Kenntnis genommen haben.