Pflegedirektorin der Charité über die Belastungen im Dienst:

Judith Heepe: "Der ein oder andere stößt an seine Grenze und weint"

20. November 2020 - 13:04 Uhr

Material, Betten und Beatmungsgeräte gibt es ausreichend

Als Schwerpunkt-Klinikum steht die Charité Berlin an vorderster Front bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Material, Betten und Beatmungsgeräte gibt es ausreichend. Allerdings ist diese Ausrüstung völlig nutzlos, wenn es nicht genügend Personal gibt.

Judith Heepe leitet das Pflegepersonal an der Charité Berlin. Im Interview spricht Heepe mit RTL-Reporterin Katrin Neumann über physische und psychische Belastungen des Pflegeberufs während der Corona-Pandemie. Außerdem hat Judith Heepe klare Forderungen an die Politik. Denn Applaus ist gut und motivierend, aber er bietet keinen langfristigen Anreiz, um ausreichend Nachwuchs in der Pflegebranche zu gewinnen.

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"Applaus im Nachhinein eine schale Nachwirkung "

​Wir erinnern uns alle gut an den Anfang der Pandemie als den Pflegenden deutschlandweit applaudiert wurde und viel Aufmerksamkeit zukam. Auch Judith Heepe hat das damals sehr berührt: "Die Unterstützung, die einem durch Nachbarn und Menschen aus dem Umfeld zuteil wurde, war motivierend." Allerdings sei im Nachhinein nichts umgesetzt worden, von dem, was von Seiten der Politik versprochen wurde, "dass man ein bisschen mehr die Systemrelevanz, die mein Beruf unstrittig innehat, auf politischer Ebene zur Kenntnis nimmt." resümiert Heepe. So sei in Sachen Gehalt für Pflegende beispielsweise nichts passiert.

Der Pflegeberuf ist physisch und psychisch herausfordernd, besonders in der aktuellen Pandemie-Situation. "Da merkt man schon, dass der ein oder andere an seine Grenze stößt und weint und auch mal aus dem aktuellen Geschehen herausgenommen werden muss." erzählt Judith Heepe aus dem Pflegealltag.

Dafür wünscht sie sich "ein klareres Zugeständnis, was die Gehälter von Kollegen anbelangt, ich meine nicht nur die Intensivpflege, sondern gerade auch die Altenpflege." Gerade mit dem Blick auf die kommenden Wochen warnt Heepe: "Ich rechne damit, dass wir das, was wir an Erschöpfung jetzt schon erleben, zunehmen wird."

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