Tokio-Auftritt hat juristisches Nachspiel

Nach Olympia-Eklat: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fünfkämpferin wegen Tierquälerei

Gegen Annika Schleu wird ermittelt.
Gegen Annika Schleu wird ermittelt.
© REUTERS, IVAN ALVARADO, SAC

04. Oktober 2021 - 18:51 Uhr

Für Schleu und Raisner drohen Konsequenzen

Das Drama von Tokio könnte für sie böse Folgen haben: Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer Anzeige des Tierschutzbundes wegen Tierquälerei gegen die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner. "Wir haben nach Feststellung eines Anfangsverdachts Ermittlungen gegen beide aufgenommen", bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Sebastian Thiele, am Montag auf Anfrage. Die Ermittlungen würden wegen des Wohnorts der Beschuldigten in der Potsdamer Behörde geführt.

Tierschutzbund bemängelt fehlende Einsicht der Reiterin

Der Deutsche Tierschutzbund hatte nach Vorkommnissen bei den Olympischen Spielen Strafanzeige gegen die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner gestellt. Wie die Organisation mitteilte, wirft sie Schleu aufgrund der Ereignisse beim Reitwettbewerb Tierquälerei vor und Raisner Beihilfe zur Tierquälerei.

Das Schleu zugeloste Pferd hatte im Parcours in Tokio verweigert, Raisner hatte die weinende Berlinerin mit den Worten "Hau mal richtig drauf!" zum Einsatz der Gerte aufgefordert. Schleu habe in anschließenden Interviews Einsicht vermissen lassen, kritisierte der Tierschutzbund. Stattessen hatte sie sich verteidigt: "Ich war kurz davor, abzugrüßen, bevor es losging, weil ich gemerkt habe, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt", berichtete Schleu damals. Eigentlich würden die deutschen Fünfkämpfer "als sehr einfühlsame Reiterin" gelten. "Es bricht uns das Herz, dass wir es nicht zeigen können. Ich denke, die Leute können es einfach nicht richtig einschätzen", so Schleu weiter.

Schleu: "Habe Pferd nicht extrem behandelt"

Auch in einem späteren Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" hatte sich Schleu erneut gegen den Vorwurf gewehrt, ihr Pferd im Wettkampf gequält zu haben.

"Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst", erklärte die 31-Jährige.

Von der Fünfkämpferin gab es in den sozialen Netzwerken bisher noch keine Reaktion auf die Einleitung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft, denn: Ihre Konten hatte sie nach dem Tokio-Drama deaktiviert, weil sie dort viel Hass und Kritik für ihr Verhalten bekam. (ana/dpa)