Pferdefleisch-Skandal: Erster Verdacht in Deutschland

10. Februar 2016 - 21:03 Uhr

Sechs deutsche Lebensmittelketten auf der Prüfliste

Offenbar könnte falsch deklariertes Pferdefleisch auch in deutsche Küchen gelangt sein. Laut dem Bundesverbraucherministerium besteht der Verdacht, dass als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch auch hierzulande in den Handel gekommen ist. Dabei handelt es sich um eine "verarbeitete Lasagne, die an mindestens einen Händler in Nordrhein-Westfalen geliefert wurde", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Händler oder Produkte betroffen seien.

Pferdefleisch Skandal Deutschland Rindfleisch
Auch in Großbritannien tauchte das Pferdefleisch in einer Fertig-Lasagne auf.
© REUTERS, CHRIS HELGREN

"Die Lieferungen betreffen nicht nur Discounter und Lebensmittelketten, sondern auch andere Lebensmittelunternehmen", teilte das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium mit. Im Moment stehen sechs Unternehmen mit teils bundesweiter Verbreitung auf der Prüfliste. Die Behörden gehen bislang nicht von einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung aus. Normalerweise sei Pferdefleisch nicht gesundheitsschädlich, sagte ein Ministeriumssprecher. "Es kommt darauf an, was drin ist und das wissen wir noch nicht."

Das Landesumweltamt (LANUV) wurde vom Ministerium angewiesen, zusammen mit den kommunalen Ordnungsbehörden die Lieferwege nach NRW nachzuverfolgen und noch vorhandene Proben für Laboruntersuchungen sicherzustellen.

Das Tiefkühl-Unternehmen Eismann bestätigte, dass Lebensmittelkontrolleure im Haus seien, um Proben zu nehmen. Die Tiefkühl-Firma habe in der vergangenen Woche zwei ihrer Lasagne-Produkte aus dem Sortiment genommen, sagte ein Sprecher dem Westdeutschen Rundfunk. Auch die Metro-Tochter Real hatte bereits mitgeteilt, vorsorglich zwei Fleisch-Fertigprodukte aus den Regalen entfernt zu haben. Und auch der größte deutsche Lebensmittelhändler in Deutschland, Edeka, lässt alle relevanten Eigenmarktprodukte prüfen.

Aigner: "Wenn Rindfleisch draufsteht, muss auch Rindfleisch drin sein"

Die Kaiser's Tengelmann GmbH hatte bereits vergangene Woche "im Sinne des vorsorglichen Verbraucherschutzes" Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke "A&P" aus dem Verkauf genommen. Es bestehe der Verdacht, dass das Produkt "Spuren von Pferdefleisch" enthalte. Derzeit fänden Analysen statt. Verbraucher, die die A&P-Lasagne gekauft und noch nicht verzehrt haben, könnten diese zurückgeben.

Das Landesministerium für Verbraucherschutz hatte am Dienstagabend erstmals eine Lieferliste zum Pferdefleisch-Skandal erhalten. "Nach der Auswertung der Unterlagen ergibt sich, dass über einen Zwischenhändler in Luxemburg Produkte in größerem Umfang nach Deutschland und NRW geliefert wurden, die im Verdacht des Kennzeichnungsverstoßes mit Pferdefleisch stehen", teilte ein Sprecher mit. Die Lieferungen seien nach bisheriger Kenntnis zwischen November 2012 und Januar 2013 erfolgt.

In den vergangenen Wochen waren in zahlreichen Ländern der EU Fertiggerichte entdeckt worden, in denen statt des angegebenen Rindfleischs auch Pferdefleisch verarbeitet worden war. Britische Behörden versprachen nach dem Fund von Pferdefleisch bei zwei Verarbeitungsbetrieben in England und Wales die restlose Aufklärung des Fleischskandals.

Wegen des Verdachtsfalls sollte Deutschland an einem EU-Informationstreffen in Brüssel zu dem Skandal teilnehmen. Die EU-Kommission fordert von den Mitgliedstaaten zusätzliche Tests. Damit solle ermittelt werden, in welchem Ausmaß der Fund von nicht deklariertem Pferdefleisch in Lebensmitteln auf Betrug zurückzuführen sei, erklärte der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg. Die EU-Regierungen sollen am Freitag über die Vorschläge abstimmen. Außerdem empfiehlt die Kommission Untersuchungen bei europäischen Firmen, die Pferdefleisch verarbeiten. Geprüft werden soll, ob sich Tiermedizin-Rückstände in dem Fleisch befinden, die ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Affäre. Sie nannte den Skandal einen "krassen und schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung". "Es muss gekennzeichnet sein, welche Zutaten in jedem Produkt vorhanden sind. Und wenn Rindfleisch draufsteht, muss auch Rindfleisch drin sein", sagte Aigner weiter.