Sexuelle Belästigung auf Instagram & Co.

Penis-Bilder? Nein danke! Wie wehre ich mich dagegen?

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26. August 2019 - 20:23 Uhr

Wildfremde schicken Fotos ihrer Genitalien durchs Netz

Das Nachrichtensymbol blinkt auf – ein Foto von einem unbekannten Absender. Wer es sich anzeigen lässt, bereut es oft sofort: Dass ungefragt Fotos von Geschlechtsteilen wildfremder Menschen auf dem Display aufploppen, ist heutzutage scheinbar eher die Regel als die Ausnahme. Auch Dschungelkönigin Evelyn Burdecki bekommt nach eigener Aussage bis zu 500 solcher Nachrichten – täglich. Was viele nicht wissen: Dabei handelt es sich um eine Straftat! Wir haben mit Rechtsanwalt Christian Solmecke darüber gesprochen, wie man gegen diese Belästigungen vorgehen kann.

Von Rachel Kapuja

Wenn mir jemand solche Bilder ungefragt zuschickt, handelt es sich dann um eine Straftat?

Christian Solmecke: "Ja, wer solche Bilder versendet, macht sich strafbar. Gemäß § 184 des Strafgesetzbuches (StGB, Verbreitung pornografischer Schriften) wird derjenige mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, der zum Beispiel pornografische Fotos an einen anderen gelangen lässt, ohne von diesem hierzu aufgefordert zu sein. Entscheidend ist, dass die Empfängerin, hier Frau Burdecki, dem Versender vor dem Versenden nicht ihr Einverständnis gegeben hat, wovon in diesen Fällen aber zweifelsfrei nicht auszugehen ist.

Hier kann man nur an alle (wohl zumeist Männer) dringend appellieren, das Versenden solcher Fotos zu unterlassen. Wer ernsthaft denkt, dass sich eine wildfremde Frau über ein Foto seines Penis freut, der muss dann auch mit den strafrechtlichen Konsequenzen leben. Wird jemand für das Versenden solcher Bilder verurteilt, kann es dafür übrigens je nach Strafe auch einen Eintrag in das polizeiliche Führungszeugnis geben. Das kann besonders dann unangenehm werden, wenn der künftige Arbeitgeber ein solches verlangt."

Wie kann ich dagegen vorgehen? Schließlich habe ich oft nur den Usernamen, nicht den echten.

Christian Solmecke: "Hier ist mehrgleisig zu verfahren. Um sich gegen weitere Belästigungen zu schützen, sollten Betroffene den jeweiligen Nutzer blockieren und diesen bei der jeweiligen Plattform melden.

Sofern man strafrechtlich dagegen vergehen möchte, ist es ferner wichtig, Beweise zu sichern. Deshalb sollte man vorm Löschen der Nachricht oder vor dem Blockieren einen Screenshot von dem Bild und dem Chatverlauf machen. Das erleichtert den Nachweis, dass das Bild tatsächlich unerwünscht zugeschickt wurde. Im Einzelfall kann es auch hilfreich sein, das Bild herunterzuladen, da die Datei eventuell Rückschlüsse auf die verwendete Kamera gibt."

Muss ich für eine Anzeige persönlich zur Polizei gehen oder geht das auch online?

Christian Solmecke: "In der Tat gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, Anzeigen online zu erstatten. Die Bundesländer haben dafür jeweils 'Online-Wachen' eingerichtet. Dort müssen Betroffene dann Angaben zum Tatgeschehen und zum Beschuldigten machen. Auch das Hochladen von Dokumenten ist dort möglich. Weiterhin ist natürlich auch die Anzeigenerstattung auf dem Polizeirevier möglich. Hier können sich Opfer an jedes Revier in Deutschland wenden."

Darf ich solche Bilder online stellen, um den User zu entlarven und andere vor ihm zu warnen?

Christian Solmecke: "Zunächst dürfte der Abgebildete, der wohl meist auch Urheber des Fotos ist, zivilrechtliche Ansprüche gegen die Betroffenen haben, wenn diese die Bilder weiterschicken. Das wären einerseits Schadensersatz- und Geldentschädigungsansprüche wegen Verletzung seines Allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Andererseits kämen zudem Ansprüche wegen Urheberrechtsverletzungen in Frage.

Außerdem können sich Betroffene, die erhaltene Bilder online veröffentlichen, selbst nach § 184 StGB wegen Verbreitung pornografischer Schriften strafbar machen. Auch eine Strafbarkeit nach §201a StGB - Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen - kommt in Betracht: Wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Betroffenen ist also dringend zu raten, die Bilder nicht zu verbreiten. Ansonsten werden aus Opfern schnell Täter."