Traurige Nachrichten vom Paralympics-Star

Elena Semechin: "Tumor doch nicht so ganz gutartig"

Elena Semechin
Elena Semechin
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28. November 2021 - 12:34 Uhr

Semechins wilde Achterbahnfahrt in nur einem halben Jahr

Ihr Schicksal berührt Millionen: Elena Semechin, geborene Krawzow, erlebte ein unfassbar krasses halbes Jahr. Wenige Wochen nachdem die sehbehinderte Schwimmerin im Sommer Gold bei den Paralympics in Tokio gewonnen hatte, kam für sie die Schock-Diagnose: Hirntumor. Es folgten Operationen. Noch im Krankenhaus heiratete sie Trainer Philip Semechin. Von Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt – was Semechin seit ihrer Goldmedaille passierte, gleicht einer Achterbahnfahrt. Wie es der 28-Jährigen heute geht, verriet sie im RTL-Interview.

Semechin gibt nicht auf: "Man muss alles so annehmen, wie es kommt"

Es ist ein Hoch, eines von vielen in diesem Jahr. Ein Hoch nach krassem Tiefschlag: Elena Semechin wird zur Parasportlerin des Jahres gewählt und damit belohnt für ihre Goldmedaille im Schwimmen bei den Paralympics. "Das ist eine tolle Auszeichnung", freut sich Semechin. Sie wird wohl auch geehrt für ihr Durchhaltevermögen, ihren unerschütterlichen Optimismus. Denn es ist kaum zu glauben, dass die Erlebnisse der Semechin in ein knappes halbes Jahr passen.

"Ich wollte die ganze Zeit positiv bleiben, das Beste daraus machen. Natürlich hätte ich fragen können: Warum ich? Warum habe ich die Sehbehinderung? Warum hab ich jetzt den Tumor bekommen? Aber das bringt mich nicht weiter. Man muss alles so annehmen, wie es kommt, und es gibt ja auch immer etwas Positives bei all dem. Und das muss man dabei sehen", sagte Semechin im exklusiven RTL-Interview.

Positiv war in jedem Fall ihre absolut spontane Hochzeit im Krankenhaus vor der Tumor-OP. "Vor der großen OP wollte ich heiraten, weil keiner wusste, wie ich anschließend aufwachen werde. Es waren wichtige Zentren neben dem Tumor wie zum Beispiel das Persönlichkeitszentrum. Und deswegen war mir das so wichtig, dass ich meinen Liebsten noch davor heirate." Der Wunsch wurde real und ihre Fans feierten bei Social Media mit ihr.

Leider gibt es aber auch wieder schlechte Nachrichten: Die 28-Jährige muss sich weiteren Behandlungen unterziehen. "Am Mittwoch habe ich leider erfahren, dass der Tumor doch nicht so ganz gutartig zu sein scheint und dass ich nun doch Bestrahlung und Chemotherapie machen muss", sagte sie. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich beide Therapien machen muss, aber die Ärzte wollen sicher gehen, dass der Tumor nicht nochmal kommt."

Para-Star Semechin: Ihr Phillip ist ein "toller Mensch"

Berliner Behinderten und Rehabilitations Sportverband Berlin 26.01.2016 Besuch des Musicals Hinter dem Horizont Trainer Philipp SEMECHIN und Elena KRAWZOW SchwimmenBerlin People with disabilities and Rehabilitation Sports Association Berlin 26 01 201
Elena Semechin und ihr Mann Phillip.
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Offen spricht sie im Interview über ihre Krankheit: "Die Zellen verbreiten sich leider sehr schnell", erklärt Semechin. Die anstehende Therapie also notwendig, "damit eben ganz sicher ist, dass da nichts drin bleibt im Gehirn, was da nicht hingehört."

Wichtigste Stütze im Kampf um die Gesundheit ist Ehemann Phillip. "Mein Ehemann ist schon streng als Trainer, aber zu Hause ein ganz liebevoller Mann, der sich rührend um mich kümmert. Und er ist auch eine ganze große Stütze in dieser schwierigen Zeit mit der Tumor-OP. Es gibt mir ganz viel Kraft, dass ich da jemanden an meiner Seite habe", schwärmt Elena. "Er ist ein toller Mensch, eine treue Seele, er hat ein weiches Herz, und ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann und das ist mir sehr wichtig."

Ihrer Leidenschaft, dem Schwimmsport, kann sie leider noch nicht wieder nachgehen. Zu frisch sind die Wunden nach der OP. "Ins Wasser darf ich noch nicht, wegen der Wunde am Kopf. Aber ich mache täglich leichtes Krafttraining. So kann ich meinen Körper auch auf die bevorstehende Behandlung vorbereiten. Auch für den Geist ist es gut - das Training gibt mir einfach ein gutes Gefühl." Eine wahre Kämpferin. (tme/ntv.de)