Paare geben nicht mehr so schnell auf: Ehen in Deutschland halten wieder länger

12. Juli 2017 - 16:15 Uhr

Zahlen, die Mut machen

Im Frühling und im Sommer wird traditionell viel geheiratet. Und mitten in der Hochsaison hat das Statistische Bundesamt ein paar Zahlen veröffentlicht, die den vielen frisch Vermählten gefallen dürften: Das Amt hat ermittelt, dass Ehen in Deutschland wieder länger halten – zumindest ein bisschen: 2016 wurden etwa 1000 Paare weniger geschieden als im Vorjahr, das entspricht 0,6 Prozent. Und es bestätigt einen Trend, der sich in den vergangenen Jahren etabliert hat.

Paare geben nicht mehr so schnell auf

Die genaue Zahl lautet 162.397, so viele Ehen wurden 2016 geschieden, es ist der niedrigste Wert seit 1994. Zudem halten die Ehen wieder länger. Ihre durchschnittliche Dauer betrug 15 Jahre, das ist zwar weit entfernt von "bis dass der Tod euch scheidet" – es sind aber ungefähr drei Jahre mehr als noch 15 Jahre zuvor. Das Durchschnittsalter der Scheidungs-Männer lag 2016 bei 46,6 Jahren, die Frauen waren 43,6 alt. Vor 15 Jahren waren die Geschiedenen circa fünf Jahre jünger.

Was sagen uns diese Zahlen? Zunächst dies: Wer sich entscheidet zu heiraten, der gibt nicht mehr so schnell auf. Wenn eine Ehe nicht gut läuft, wenn das Glück vom Alltag erdrückt wird, wenn man sich nicht mehr viel zu sagen hat, geht man inzwischen zum Paartherapeuten, anstatt das Handtuch zu werfen. Paartherapie boomt, es ist wie immer ein Trend, der aus den USA zu uns hinübergeschwappt ist. Auch bockige Männer haben keine Chance, sich dem zu entziehen. Man spricht über alles, man versucht, wieder zusammenzufinden. Manchmal wird alles wieder gut, meistens nicht. Verlängert wird durch die Sitzungen beim Therapeuten aber auf jeden Fall die Dauer der Ehe. Und man hat es probiert.

Hinzu kommt, dass man nicht mehr heiraten muss. Wer mit seinem Partner zusammen leben und eine Familie gründen will, der kann es auch ohne Trauschein tun. Das war in früheren Zeiten undenkbar. In diesem Zusammenhang gibt es eine weitere interessante Zahl: 1950 kamen auf 1000 Einwohner noch elf Ehen, 2015 nur 4,9, ungefähr seit dem Jahr 2000 hat sich letzterer Wert kaum geändert. Und man heiratet heute später, im Schnitt zum ersten Mal mit Anfang 30, früher einmal mit Anfang 20. Oder anders ausgedrückt: Da Ehen später und in der Regel ohne sozialen Druck geschlossen werden, haben sich die Eheleute überlegt, was sie da tun. Zumindest im Idealfall.

Die Liebe bleibt das Wichtigste

Unabhängig von allen Statistiken bleibt jede Ehe aber natürlich ein Abenteuer. Man kann wie verrückt an der Beziehung arbeiten – und trotzdem Schiffbruch erleiden. Zum Beispiel, weil man sich unsterblich in jemand anderen verliebt, auch wenn man es nicht geplant hatte. Niemand kann so etwas kategorisch ausschließen.

Die sinkenden Scheidungszahlen sind immerhin aber ein Mutmacher für Menschen, die es wagen wollen. Und in diesen Tagen überall im Land vor den Standesämtern weiße Tauben in den Himmel fliegen lassen