Organspendeskandal in Leipzig: Klinik verspricht lückenlose Aufklärung

Ärztepräsident fordert schärferes Berufsrecht

Das Leipziger Universitätsklinikum (UKL) verspricht eine lückenlose Aufklärung der Manipulationen an seinem Transplantationszentrum. Die drei suspendierten Mediziner hätten ihre Kooperationsbereitschaft erklärt, sagte der medizinische Vorstand des UKL, Prof. Wolfgang Fleig. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery fordert unterdessen ein schärferes Berufsrecht für Ärzte.

Organspende Skandal Leipzig
Laut Ärztepräsident Montgomery könnten noch mehr Ungereimtheiten ans Licht kommen.
dpa, Bodo Marks

Anfang nächster Woche werden Sonderprüfer der Bundesärztekammer am Klinikum erwartet, die die unlauteren Machenschaften rund um Lebertransplantationen weiter untersuchen sollen. Auch die personell verstärkte Innenrevision der Klinik werde die Manipulationen der Krankendaten mit aufrollen.

Montgomery sagte der 'Passauer Neuen Presse': "Wer als Transplantationsmediziner immer noch nicht begreift, dass er sein eigenes Fach durch Schummeln und Manipulieren kaputt macht, der hat in diesem Fach nichts mehr zu suchen." Er regte eine Verschärfung des Berufsrechts an. "Die Ärzteschaft benötigt zum Beispiel Ermittlungskompetenzen, um selbst gegen schwarze Schafe vorgehen zu können und relevante Dokumente und Beweise sicherstellen zu können." Eine weitere Möglichkeit könne sein, in Korruptionsfällen schneller die Kassenzulassung anzuerkennen.

Staatsanwaltschaft prüft Strafverdacht

Montgomery erwartet, dass noch weitere Unregelmäßigkeiten entdeckt werden. "Die Prüfkommission untersucht etwa 140 Transplantations-Programme, was etwa drei Jahre dauern wird. Deshalb rechnen wir damit, dass noch mehr ans Licht kommt", sagte er der 'Bild'-Zeitung.

Am Transplantationszentrum des UKL sind nach dem bisherigen Ergebnis einer Prüfung 38 Patienten fälschlicherweise zu Dialyse-Fällen erklärt worden. Dadurch stieg ihre Dringlichkeit für eine Lebertransplantation.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat sich in die Affäre eingeschaltet und will Hinweise auf einen Straftatverdacht prüfen. Fleig sagte, man werde sich mit den Sonderprüfern abstimmen, um abzuwägen, ob das Klinikum selbst Anzeige erstattet. Das Motiv der Ärzte für die Falschangaben in den Krankenakten liegt noch im Dunkeln. Klinikvorstand Feig zufolge könne nicht ausgeschlossen werden, dass Geld geflossen ist.