Kritik an Winterspielen in China

Riesige Diskussion um möglichen Olympia-Boykott: Rodlerin Geisenberger schließt das nicht aus

Rennrodlerin Natalie Geisenberger denkt über Olympia-Boykott nach.
Rennrodlerin Natalie Geisenberger denkt über Olympia-Boykott nach.
© dpa, Ekaterina Lyzlova, nwi

08. Dezember 2021 - 13:39 Uhr

Was bringt ein Olympia-Boykott?

Die USA hat einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking angekündigt. Das bedeutet, dass keine wichtigen Regierungsvertreter nach China reisen werden. Australien hat nachgezogen. Einer der wichtigsten Gründe: Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik. Jetzt haben sich auch Sportler zu Wort gemeldet, die die Lage in China kritisch sehen. Rodlerin Natalie Geisenberger schließe für sich selbst auch einen Boykott der Spiele nicht aus.

"Überlege, ob ich mir das noch einmal antun würde"

"Die Bedingungen, die wir da vor Ort erlebt haben, die sprechen dafür, da nicht unbedingt noch einmal hinzufahren. Ich überlege jetzt selbst für die Olympischen Spiele - mit den Erfahrungen von jetzt -, ob ich mir das noch einmal antun würde", sagte die 33 Jahre alte Rennrodlerin dem Bayerischen Rundfunk nach der Erfahrung ihres dreiwöchigen Aufenthalts in China vor dem Saisonauftakt.

Einen weiteren Weltcup würde sie auf der neuen Rodelbahn in Yanqing nicht mehr absolvieren. "Nein, auf gar keinen Fall. Mit den Erfahrungen definitiv nicht für einen Weltcup oder eine Weltmeisterschaft", sagte Geisenberger. "Es wäre ein sehr, sehr harter Schritt, weil die Olympischen Spiele für einen Sportler das Größte sind." Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. "Aber einfach wird's nicht.", sagte Geisenberger. Das Team für Olympia wird nach dem Winterberg-Weltcup am 2. Januar nominiert.

Sportlerlager geteilt: "Über die politische und nicht die sportliche Schiene klären"

Rennrodler Felix Loch hält nichts von einem Boykott. "Wir als Sportler können nur die Hand heben, generell gehört da einiges verändert. Wenn Natalie oder das ganze deutsche Rodelteam sagt, sie fährt da nicht, dann würde Olympia trotzdem stattfinden", sagte der Olympiasieger von 2010 und 2014. "Es ist die richtige Entscheidung, es über die politische und nicht sportliche Schiene zu klären", sagte Loch.

Auch Cheftrainer Norbert Loch kritisiert die Lage in China. "Meine Forderung ist, dass das IOC in seiner Führung reguliert, wie mit den Athleten umgegangen wird", sagte Loch, der Verständnis für die Kritik seiner Sportler hat. "Es sind mündige Athleten, sie dürfen alles sagen, auch Natalie hat ihre Position dargelegt, ich habe da nicht widersprochen", sagte der Bundestrainer.

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Steinmeier fliegt auch nicht nach Peking

Ein sportlicher Boykott ist noch weit weg. Ein politischer dafür bereits im Gange. Die USA und Australien haben angekündigt, keine Regierungsvertreter nach Peking zu schicken.

Die Spitze der künftigen Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hat bisher offen gelassen, ob sie sich dem anschließt. Man werde sich sorgfältig und im internationalen Zusammenhang beraten und Entscheidungen treffen, hatte der am Mittwoch zum neuen Bundeskanzler gewählte Olaf Scholz (SPD) tags zuvor gesagt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt nicht zu den Winterspielen. "Es gibt keine Pläne des Bundespräsidenten, nach Peking zu reisen", sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten der ARD-"Sportschau". "Diese Pläne gab es aber auch nicht, bevor die USA ihre Entscheidung bekannt gaben."

Die USA hatten am Montag aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in China einen diplomatischen Boykott der Spiele in Peking (4. bis 22. Februar 2022) angekündigt. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte, die Regierung von Präsident Joe Biden werde keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter nach Peking schicken. (dpa/lgr)