Abschied mit Olympiasieg

Ronald Rauhe - ein Held, der nur alle vier Jahre in Erscheinung trat

Diese Freudentränen von Ronald Rauhe (rechts) lassen einen geradezu mitheulen. Es sind Geschichten wie diese, die Olympia so einzigartig machen.
Diese Freudentränen von Ronald Rauhe (rechts) lassen einen geradezu mitheulen. Es sind Geschichten wie diese, die Olympia so einzigartig machen.
© dpa, Jan Woitas, nic

07. August 2021 - 17:35 Uhr

Auf "Ronny" ist Verlass

Von Ludwig Degmayr

Ein wahrer Maestro des Kanurennsports tritt ab – und wie! Mit der Goldmedaille im Kajak-Vierer bei Olympia erfüllt sich Ronald Rauhe den letzten Traum seiner unglaublichen Karriere. Eine Karriere, die leider nur im Vier-Jahres-Takt der Spiele ausreichend gewürdigt wird.

Von Rauhe inspirierte Generation sitzt jetzt mit ihm im Boot

Was Rauhe hinterlässt, sind auf der einen Seite natürlich Zahlen und Rekorde, die ihm keiner mehr nehmen kann. So etwa die Teilnahme an unglaublichen sechs Olympischen Spielen in einer Sportart, in der das "Verfallsdatum" von Athleten oftmals schon in den frühen 30ern eintritt. Aber nicht bei Rauhe, denn er holt mit knackigen 39 noch mal Gold. Zwei Olympiasiege, einmal Silber und zweimal Bronze. Tolle Errungenschaften, doch das definiert Ronald Rauhe nicht.

Der gebürtige West-Berliner darf stattdessen auf ein Vermächtnis zurückblicken, das weit über die sportlichen Erfolge herausgeht. Seine Passion für den Sport hat in den über 20 Jahren eine ganze Generation an Kanuten für den Sport begeistert. Mit Max Rendschmidt, Tom Liebscher und Max Lemke (alle 28 oder jünger) saßen drei von ihnen übrigens mit ihm im selben Boot, und das nicht nur sprichwörtlich.

Germany's Ronald Rauhe and Jonas Ems compete in the men's kayak double (K2) 200m semifinal at the Eton Dorney during the London 2012 Olympic Games August 10, 2012. REUTERS/Darren Whiteside (BRITAIN  - Tags: OLYMPICS SPORT CANOEING)
Rauhes Karriere hatte nicht nur Höhepunkte. In einem für den Deutschen Kanuverband insgesamt enttäuschendem Olympia in London 2012 ging auch Vorzeige-Sprinter leer aus. Doch solche Rückschläge hielten Rauhe nie auf seinem Weg auf.
© REUTERS, DARREN WHITESIDE

Rauhe verpasst Einschulung seines Sohnes

Der Erfolg zum Abschluss in Tokio stand für Rauhe lange auf wackeligen Füßen. Denn die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr warfen sämtliche Planungen des Sprinters über den Haufen. Alles war auf 2020 ausgerichtet – und dann kam Corona. Der zweifache Familienvater musste also noch ein weiteres Jahr Zeit mit der Familie opfern und stattdessen mehrere Tausend Trainingskilometer mit seinem Boot abspulen. In einem Alter, in dem zumindest für Kanuten die Uhr gnadenlos herunterläuft.

Auch am Tag des Sieges spiegelte sich das wieder. Denn während Rauhe auf dem Regattasee Tokios zu Gold paddelte, wurde sein Sohn ohne ihn eingeschult – wenn er denn nicht verschlafen hat, nach dem Zugucken beim Sieg des Papas um 4:30 deutscher Zeit.

Jetzt kann Rauhe sich zurücklehnen und sehen, ob seine von ihm geförderten Nachfolger einen ähnlichen Fußabdruck hinterlassen. Könnte schwierig werden. Für den Deutschen Kanuverband (DKV) bleibt derweil nur zu hoffen, den 39-Jährigen als Funktionär oder zumindest als Botschafter des Sports für sich zu gewinnen. Denn insbesondere im Sprintbereich hapert es bei den deutschen Kanuten gewaltig. Nach dem Karriereende eines Ronald Rauhes mehr denn je. Deswegen schon einmal von dieser Stelle: Danke, Ronny!

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Update: Rauhe wird Fahnenträger bei Abschlussfeier!

Mittlerweile steht sogar fest, dass Ronald Rauhe auch noch sein allerletzter Traum verwirklicht wird: Bei der Abschlussfeier in Tokio darf der Kanute die Deutsche Fahne tragen. Bereits für die Eröffnungszeremonie hatte sich Rauhe die Hoffnung gemacht, die Landesflagge ins Stadion zu tragen. Doch er schaffte es nicht in die Endauswahl.

Die Abschlussfeier findet am 8. August um 13 Uhr deutsche Zeit statt.