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Oleksandras deutsch-ukrainische Kolumne: Reise in ein neues Leben - Besuch in Dortmund

Fünfte Station: Dortmund - Alte Zeche und Fußball

Oleksandras Kolumne: Nach Ukraine-Flucht - Wie bist du, Deutschland? Reise in ein neues Leben

Oleksandra Khala in Dortmund
Oleksandra Khala in Dortmund
privat / O. Khala

von Oleksandra Khala

Hallo, mein Name ist Oleksandra. Ich bin 28, Ukrainerin und habe in den letzten 10 Jahren in Kiew gelebt, studiert und als TV-Moderatorin gearbeitet. Der Krieg hat mich jedoch gezwungen, diese Stadt zu verlassen und in ein für mich völlig neues Land zu ziehen. Seit Anfang März lebe ich in Deutschland, entdecke seine wunderbare Kultur und lerne neue Orte kennen. Auf diese Reise möchte ich euch Deutsche mitnehmen – um zu beschreiben, wie ich dieses Land erlebe. Aber auch meine ukrainischen Landsleute hier in Deutschland sowie die in meiner Heimat, die Deutschland nicht kennen. Es gibt viele Klischees über dieses Land. Aber ich glaube, dass Deutschland nicht nur Pünktlichkeit, leckeres Bier und Bratwürste bedeutet.

Dortmund - ehemalige Bergwerk-Stadt mit neuem Charme

Industriegebäude in Dortmund
Industriegebäude in Dortmund
privat / O. Khala

Nach dem Rheinland , Hamburg, München und Bacharach bin ich jetzt ins Ruhrgebiet gereist –nach Dortmund. Ich bin gespannt, wie sich Stadt verändert hat, nachdem sie jahrzehntelang für die florierende Kohle- und Bergbauindustrie stand. Das moderne Dortmund hat sich für eine nachhaltige, ökologische Entwicklung entschieden mit innovativen Technologien. Dennoch merke ich, dass die industrielle Vergangenheit hier nicht vergessen wird. Nahezu alle Industriegebiete sind inzwischen in Parks umgewandelt worden und aus ehemaligen Bergwerks- und Industriegeländen sind interessante Museen geworden.

Zeche Zollern - Zeitreise in die Bergbau-Ära Deutschlands

Zeche Zollern ist gut erhalten und zeigt die alten Maschinen.
Zeche Zollern ist gut erhalten.
privat / O. Khala

Eine der interessantesten ehemaligen Industrieanlagen Dortmunds ist die Zeche Zollern. Sie vermittelt lebhaft den Geist der Stadt und versetzt mich zurück in eine Zeit, als Tausende von Arbeitern Tag und Nacht im Kohlebergbau gearbeitet haben. Im Moment herrscht Stille. Besucher wandern durch das grüne Gelände des Museums und fotografieren begeistert die beeindruckenden Industriebauten. Und hier gibt es wirklich etwas zu bestaunen – die Zeche Zollern ist eines der schönsten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit Dortmunds. Einst hat sie den Wohlstand des Ruhrgebiets dargestellt. Die neugotischen Gebäude, die zur Zeche Zollern gehören, sind aus rotem Backstein und Metall gebaut. Aufgrund ihres außergewöhnlichen Aussehens wurde sie auch „Palast der Arbeit“ genannt. Nach ihrer Stilllegung in den 60er Jahren sollte die Zeche Zollern eigentlich abgerissen werden. Dank des anhaltenden Widerstands der Einheimischen hat sie glücklicherweise überlebt.

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Das Leben der Bergarbeiter

Zeche Zollern zeigt das Leben der Bergarbeiter
Zeche Zollern zeigt das Leben der Bergarbeiter
privat / O. Khala

Doch nicht nur von außen beeindruckt das Museum. In einer seiner Hallen lerne ich das Leben der Bergarbeiter kennen - es gibt viele persönliche Gegenstände, Kleider, Werkzeuge, Bücher, die den Bergleuten der "Werkstatt Zollern" gehört haben. Und es ist, als wäre ich in der Vergangenheit – all diese Haushaltsgegenstände zeigen, wie die Arbeitstage der Bergleute verliefen, was sie in ihrer Freizeit getan haben und wovon sie träumten. Es ist, als ob ich durch die Seiten der Geschichte blättere. Deshalb liebe ich Museen.

Dortmunder sind stolz auf ihre Fußball-Mannschaft

Blick auf das Fußballmuseum in Dortmund
Blick auf das Fußballmuseum in Dortmund. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Schon vor meinem Besuch in Dortmund habe ich diese Stadt mit seiner berühmten Fußballmannschaft Borussia Dortmund verbunden, die wiederholt Landesmeister war und sogar die Champions League gewonnen hat. Als ich in Dortmund bin, merke ich sofort, dass die Dortmunder Fußball wirklich lieben und stolz auf ihre berühmte Mannschaft sind. 2015 wurde in der Stadt ein großes Museum des deutschen Fußballs eröffnet.

Phoenix-See: Idylle, wo früher Bergbauindustrie war

Dunkle Wolken über dem Hafen Hörde in Dortmund
Phoenix-See und Hafen Hörde in Dortmund. Foto: Caroline Seidel/Archiv
deutsche presse agentur

Ein weiteres städtebauliches Großprojekt in Dortmund ist der Phoenix-See, ein künstlich angelegter See auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerks. Jetzt gibt es ein echtes Erholungsgebiet zum Spazieren gehen, Laufen oder Fahrradfahren. Der See ist umgeben von luxuriösen Wohngebieten, Büros und einer Promenade mit Restaurants. Ehrlich gesagt ist es ein wenig schwer zu glauben, dass es hier früher keinen See gab und dieser ganze Raum von einem Stahlwerk von unglaublicher Größe eingenommen wurde. Diese mutige, weitsichtige Idee hat das Stadtbild radikal verändert und das industrielle Dortmund in ein Erholungsgebiet verwandelt.

Auf dem Heimweg hat mich der Gedanke nicht losgelassen, wie beeindruckend es gelungen ist, diese Region zu verändern und zu modernisieren – und gleichzeitig eine Hommage an ihre industrielle Vergangenheit zu machen. Also bis bald, Dortmund!