Auf der Jagd nach "König Otto"

Wie Werner Werder wieder stark machte

Ole Werner hat Werder Bremen wieder Beine gemacht
Ole Werner hat Werder Bremen wieder Beine gemacht
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21. Januar 2022 - 15:24 Uhr

von Julian Danker

In Bremen wird in diesen Tagen wieder über Otto Rehhagel und Thomas Schaaf gesprochen. Und das liegt an Ole Werner. Der neue Trainer von Werder Bremen wird nämlich aktuell mit den Legenden des Klubs in Verbindung gebracht. Weil er einen verdammt erfolgreichen Start hingelegt hat. In den ersten vier Spielen führte er seine Mannschaft zu vier Siegen. Damit hat der 33-Jährige Schaaf überholt und ist nun auf der "Jagd" nach "König Otto". Dessen Bestmarke ist allerdings noch ein gutes Stück weg, Rehhagel startete mit acht Siegen. Aber für Werner scheint das nicht unmöglich.

Werder fegt wieder über Gegner hinweg

Die Geschichte des neuen Mannes an der Seitenlinie ist durchaus skurril. Denn Werner ist nur im Amt, weil sein Vorgänger Markus Anfang wegen des Skandals um einen gefälschten Impfpass in Bremen rausgeflogen war. Wie einst "König Otto" hat Werner die Mannschaft in der 2. Bundesliga übernommen. Und auch Rehhagel kam eher zufällig ins Amt. Vorgänger Kuno Klötzer konnte nach einem Autounfall aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen.

Das war es aber vorerst mit den Gemeinsamkeiten. Während Rehhagel die Mannschaft nach der Übernahme am 27. Spieltag "nur" noch auf dem Spitzenplatz halten musste, startete Werner mitten in der Saison auf Rang zehn. Der Absteiger war eher weit vom Traum des direkten Wiederaufstiegs. Doch dann kam Werner – und startete brillant. Er sammelte nicht nur das Maximum an Punkte, das Team fegte mit einem Torverhältnis von 14:3 über die Gegner hinweg.

Die Bremer haben sich unter der neuen Führung auf vielen Ebenen enorm verbessert. Da wäre etwa die Effizienz. Rund fünf Schüsse braucht das Team nur noch für ein Tor, unter Anfang waren es noch zwölf (!). Das Sturmduo Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug harmoniert plötzlich prächtig. Beide haben jeweils sechs Scorerpunkte in den vergangenen vier Spielen gesammelt. Das ist herausragend. Das Duo profitiert auch von der neuen taktischen Ausrichten. Das 3-5-2-System ist voll auf das Duo ausgerichtet. Aber im Rausch der Offensive hat Werner auch die wackelige Defensive stabilisiert.

Ömer Toprak als wichtige Säule

Die Mannschaft lässt kaum noch gefährliche Aktionen aus dem Spiel heraus zu. Nur eines der drei Gegentore lief aus der laufenden Partie. Dem neuen Trainer kommt dabei entgegen, dass der so erfahrene Ömer Toprak wieder fit und in Form ist. Der 32-Jährige strahlt eine immense Ruhe aus, die sich auf seine in der Hinrunde häufiger mal patzenden Nebenleute Marco Friedl und Milos Veljkovic überträgt. Der Kapitän geht voran und die Mannschaft folgt ihm, dem ehemaligen Bundesliga-Profi.

Einem ersten echten Härtetest wird die Mannschaft von Werner an diesem Samstag unterzogen. Denn dann geht es unter seiner Anleitung erstmals gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg, den SC Paderborn. Sollte Werder gewinnen, wären es "nur" drei Spiele zu "König Otto". Viel wichtiger aber: Es wäre der nächste wichtige Schritt zum Ziel Rückkehr in die erste Bundesliga.