RTL hat John und Crystal besucht

Crystal Tiedjen (45) heiratet den mutmaßlichen Mörder ihres Bruders

25. Oktober 2021 - 14:11 Uhr

John Tiedjen saß 32 Jahre im Gefängnis - doch es Zweifel an seiner Schuld

Anfang August hat Crystal Tiedjen (geb. Straus) aus Ohio den verurteilten Mörder ihres Bruders geheiratet. Eine Ehe, die bei vielen Menschen auf Unverständnis stößt. RTL hat das Paar in Cleveland besucht und mit Crystal und John darüber gesprochen, was hinter dieser ungewöhnlichen Liebe steckt – und weshalb die 45-Jährige von der Unschuld ihres Ehemannes überzeugt ist.

Crystal Straus verliebte sich in Mörder ihres Bruders

Als Crystal ihren Mann kennenlernte, war sie gerade neun Jahre alt und John der beste Freund ihres älteren Bruders Brian McGary. Am 01. April 1989 kam es zur Katastrophe: Der 18-Jährige wurde nach einer durchzechten Nacht erschossen in seinem Apartment in Cleveland aufgefunden. Schnell geriet John Tiedjen, damals 25 Jahre alt, ins Visier der Ermittler und wurde vier Tage nach Brians Tod festgenommen. "Die ganze Zeit dachte ich, es muss doch jemand anderes gewesen sein, weil ich es nicht war", sagt er im RTL-Interview.

Nach Brians Tod hatte Tiedjen zunächst ausgesagt, er sei zu betrunken und bekifft gewesen, um sich an irgendetwas zu erinnern. Die Ermittler, so schildert es der 57-Jährige heute, hätten daraufhin das Verhör verschärft, ihn unter Druck gesetzt, behauptet, es seien DNA-Spuren von ihm an der Waffe gefunden worden und es könne sich strafmildernd auswirken, wenn er vor Gericht aussagt, dass er Brian in Notwehr erschossen habe. Ein Polizist habe ihm damit gedroht, seinen Kopf auf den Tisch zu schlagen. Schließlich sei Tiedjen zusammengebrochen und habe den Mord gestanden, für den er lebenslänglich hinter Gitter wanderte. Er saß bereits 28 Jahre im Knast, als Crystal ihm einen Brief ins Gefängnis schickte. Das ist vier Jahre her. "Ich habe ihm einen Brief geschrieben, in dem stand, dass ich ihm vergebe." Tiedjen bedankte sich für die Zeilen, antwortete ihr jedoch, die Tat nicht begangen zu haben.

Hielten die Ankläger Polizeiberichte und Fotos zurück?

Ein Briefwechsel folgte und ein erster Besuch im Gefängnis. Als die 45-Jährige John gegenüber gesessen habe, sei sie sich plötzlich sicher gewesen, dass er unschuldig sei. Sie machte sich sogar dafür stark, dass sein Verfahren neu aufgerollt wird. Und allmählich entwickelte sich aus dem Kontakt mehr. "Wir haben uns Briefe geschrieben, nichts Romantisches, rein freundschaftlich. Aber nach zwei Jahren gab es ein besonders Telefonat. Und da sagte ich ihm, dass ich ihn liebe."

Crystal glaubt fest an die Unschuld ihres Mannes und tatsächlich haben seine neuen Verteidiger angeblich Hinweise dafür entdeckt, dass sich Brian das Leben genommen haben könnte. Wegen dieser berechtigten Zweifel und auch, weil die Ankläger angeblich relevante Tatortfotos und Polizeiberichte zurückgehalten und Ermittler Beweise manipuliert und nicht katalogisiert haben sollen, wurde der Fall im Juni 2021 tatsächlich noch einmal aufgemacht. "Das Gericht hat entschieden, dass der Prozess anders ausgegangen wäre, wenn die Beweise damals vorgelegen hätten", sagt seine Anwältin Kimberly Kendall-Corral. Im Interview mit der "abc" beteuerte John Tiedjen zudem, es seien weder Schmauchspuren, noch Blut oder Kratzer an seinem Körper und der Kleidung sichergestellt worden.

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John Tiedjen ist fast blind - einer OP darf er sich angeblich nicht unterziehen

Bis zur Verhandlung wurde John entlassen. Der der erste Termin für den neuen Prozess ist für den 31.Januar 22 angesetzt. Bis dahin darf sich der 57-Jährige nicht frei bewegen. Er trägt eine Fußfessel und steht unter Hausarrest. Nicht einmal einer Operation dürfe er sich unterziehen, um sein Augenlicht zu retten. Wegen eines schweren Falls von grünem Star sei John Tiedjen fast blind. Dennoch haben sich er und Crystal Anfang August das Ja-Wort gegeben – Anwältin Kendall-Corral traute das Paar. Sollte er freigesprochen werden, wollen die beiden nach Deutschland auswandern. Seine Eltern stammen aus Hamburg.

Der Weg dahin dürfte trotz der neuen Entwicklungen steinig werden. Denn die Ankläger halten weiter an ihrer Mordtheorie fest. Laut WEWS-TV gebe es angeblich Beweise dafür, wonach John nach der Tat einen Freund gebeten habe, eine Pistole verschwinden zu lassen, die bei Brians Tod zum Einsatz gekommen sei. (cwa)