Studie macht Hoffnung auf eine neue Behandlungsmethode

Volker (57) spritzt sich seine Neurodermitis weg

Seit eineinhalb Jahren nimmt Volker Bittkau an einer Studie teil, in der ein neues Medikament gegen Neurodermitis getestet wird.
Seit eineinhalb Jahren nimmt Volker Bittkau an einer Studie teil, in der ein neues Medikament gegen Neurodermitis getestet wird.
RTL Nord

von Jule Jänsch und Lynn Michel

Ständiges Kratzen und brennende Haut gehören für Volker Bittkau zum Alltag. Seit sechs Jahren leidet der 57-Jährige an Hautproblemen, seit zwei Jahren an Neurodermitis. Jedes Jahr erkranken 2,5 Millionen Erwachsene und 2 Millionen Kinder an der Hautkrankheit, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränkt. Am Dermatologikum Hamburg gibt es jetzt eine neue Studie, die vieles für die Erkrankten verändern kann.

Neurodermitis ist für die Patienten eine echte Belastungsprobe

Für Volker Bittkau ist Neurodermitis eine Krankheit, die Körper und Seele belastet. „Die Neurodermitis oder eben diese Hautkrankheit hat mein Leben, ich will nicht sagen beeinflusst, aber sie war mehr oder weniger in irgendeiner Form immer präsent“, sagt Volker Bittkau im Gespräch mit RTL. Und das geht nicht nur dem 57-Jährigen so. Neurodermitis macht den Alltag von Patienten zu einer echten Belastungsprobe. "In den Schüben haben sie Schlafmangel, weil sie sich nachts blutig kratzen, sind immer nur am cremen, versuchen Termine bei Ärzten und Ärztinnen zu bekommen. Sie haben einen hohen Leidensdruck. Meistens ist die ganze Familie noch mit eingebunden, wenn der Partner nebenan liegt und ständig wird gekratzt und nicht geschlafen", erklärt der Dermatologe Dr. Peter Weisenseel gegenüber RTL.

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Das neue Medikament wird per Spritze verabreicht

Weltweit nehmen an der Studie 1000 Erkrankte teil. Das Medikament befindet sich bereits in der Zulassungsphase.
Weltweit nehmen an der Studie 1000 Erkrankte teil. Das Medikament befindet sich bereits in der Zulassungsphase.
RTL Nord

Die anfängliche Kortisontherapie wollte bei Volker Bittkau nicht so richtig anschlagen und der Leidensdruck blieb. Deshalb ist der 57-Jährige seit eineinhalb Jahren Teil einer Studie, bei der ein neues Medikament gegen Neurodermitis getestet wird. Anders als bei Kortison, wird dieses Medikament per Spritze verabreicht. „Zu Anfang war es so, dass ich alle 14 Tage hier hergekommen bin und eine Spritze bekommen habe. Zwischendurch wurde ich mit Blutabnahmen und auch anderen Vitalfunktionen überprüft. Und seit Mitte 2022 spritze ich einen Großteil der Spritzen selbst", erklärt Bittkau.

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Bereits nach 4 Wochen in der Therapie konnte der Hamburger erste Besserungen sehen. Kaum Aufwand und eine schnelle Wirkung - klingt vielversprechend, aber leider nicht für jeden. „Nachteil ist, dass diese Präparate sehr hochpreisig sind. Die kosten zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro pro Jahr und Patient. Das ist viel Geld. Ist aber für die Patienten, die einen hohen Leidensdruck haben und bei denen keine andere Therapie hilft, zugelassen und wird von den Krankenkassen übernommen."

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Das Medikament befindet sich bereits in der Zulassungsphase

Das Medikament der Studie mit weltweit 1.000 Teilnehmern befindet sich bereits in der Zulassungsphase. Die Ärzte rechnen damit, das Medikament im nächsten Jahr noch auf den Markt bringen zu können. Volker Bittkau ist begeistert. „Von Nebenwirkungen merke ich gar nichts. Zumindest keine negativen. Eine positive ist, dass sich die Lebensqualität definitiv verbessert hat. Zum einen, weil man nicht so viel Aufwand mit dem Cremen hat und zum anderen, weil die Haut in einem wesentlich besseren Zustand ist als vorher“, sagt der 57-jährige Hamburger. Auch bei vielen anderen Patienten im Hamburger Dermatologikum schlägt die Behandlungsmethode gut an und zeigt wenig Nebenwirkungen. Möglicherweise also ein echter Meilenstein bei der Bekämpfung von Neurodermitis. Und für Volker Bittkau eine ganz neue Lebensqualität.