Alltagsmomente einfach mit der Brille festhalten

Neue Smart-Brille mit Kameras: Kooperation von Ray-Ban & Facebook

Boutique des Brillenherstellers Ray - Ban auf dem Abbot Kinne / Venice Beach, Los Angeles.
Boutique des Brillenherstellers Ray - Ban auf dem Abbot Kinne / Venice Beach, Los Angeles.
© Imago Entertainment

13. September 2021 - 15:37 Uhr

Ray-Ban Sonnenbrille mit integrierter Kamera

Von Malte Mansholt

Erinnerungen aus der eigenen Sicht sofort einfangen können – das ist das Versprechen der neuen smarten Sonnenbrillen von Ray Ban. Dass sie in Kooperation mit Facebook entstanden, dürfte viele potenzielle Käufer aber eher abschrecken.

Das neue Modell nennt sich Ray-Ban Stories

Wieso hatte ich gerade keine Kamera zur Hand? Diese Frage stellt sich immer wieder, wenn man aus einer Situation heraus gerne einen schönen, spannenden oder witzigen Moment festgehalten hätte. In Zeiten des Smartphones passiert das zwar seltener, doch nicht immer ist man schnell genug. Ray-Ban will nun die Lösung anbieten: Zwei Kameras, die direkt im Gesicht sitzen.

Und zwar in den Ray-Ban Stories genannten neuen Sonnenbrillen, die der Traditionshersteller gerade vorgestellt hat. Der Name erinnert nicht zufällig an die Stories bei Instagram und Co.: Als Partner hat man sich Facebook ins Boot geholt. Den Brillen ist das aber zunächst nicht anzusehen. Die Modelle Wayfarer, Meteor und Round entsprechen weitgehend den gleichnamigen klassischen Ray-Ban-Gestellen. Die sichtbarsten Unterschiede sind das etwas dickere Gestell, das auch den Akku enthält, ein Knopf auf der rechten Seite und natürlich die beiden nach vorne gerichteten Kamera-Öffnungen.

Wie smart ist Ray Ban Stories wirklich?

Facebook bringt smarte Brille mit Ray-Ban auf den Markt
Facebook bringt smarte Brille mit Ray-Ban auf den Markt
© dpa, -, wst

Um eine echte smarte Brille handelt es sich indes nicht. Die Brillengläser sind normale getönte Gläser, sie zeigen den Nutzer nicht wie bei einer Augmented-Reality-Brille wie Hololens zusätzliche Daten an. Stattdessen fokussiert sich Ray-Ban darauf, die kurzen Momente im Alltag als Erinnerung aus Sicht des Trägers einzufangen. So, wie es eben auch Stories bei Instagram oder Facebook tun. Nur eben mit einem noch persönlicheren Blickwinkel.

Technisch ist das durchaus interessant umgesetzt. Die Brillen nehmen jeweils in 5 Megapixeln auf, der interne Speicher reicht entweder für knapp 40 30-Sekunden-Clips oder 500 Fotos. Starten lassen sich die Aufnahmen entweder über den Button oder per Zuruf des Signalwortes "Hey Facebook". Der Konzern betont, dass der verbaute Sprachassistent nur auf diese Phrase reagiert und auch keine Funktion neben der Aufzeichnung hat.

Im Innern gibt eine Signalleuchte mit verschiedenen Farben Hinweise, grün bedeutet etwa voll geladen, bei rot ist der Saft leer. Wird aufgezeichnet, weist ein weißes Licht darauf hin. Genauso wird das Gegenüber mit einer weiteren Leuchte direkt neben der Kamera darüber informiert, dass gefilmt wird. Heimliche Aufnahmen sind also nicht möglich.

Einmal gespeichert, werden die Aufnahmen über eine spezielle Facebook-App auf das Smartphone übertragen. Von der aus lassen sie sich dann in weiteren Diensten hochladen. Überraschend: Nicht die hauseigenen Angebote wie Whatsapp oder Instagram werden unterstützt. Theoretisch könnte man die Brille auch ausschließlich für Privataufnahmen oder einen Konkurrenten wie Tiktok verwenden.

Dank zweier Lautsprecher in den Bügeln lässt sich die Brille zudem als Ersatz für Kopfhörer nutzen. Geheime Telefonate oder zu laute Musik sollte man aber nicht darüber laufen lassen: Laut erster Tests sollen die Boxen für Nebenstehende gut hörbar sein.

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Partnerschaft mit Facebook könnte auf Käufer abschreckend wirken

Dass die Kooperation mit Facebook nicht auf der Brille selbst mit einem Logo oder ähnlichen gezeigt wird, ist durchaus bemerkenswert. Der Social-Media-Gigant wird nur auf der Packung genannt. Vielleicht will Ray-Ban aber auch nur nicht ein anderes Label auf seinen Brillen sehen. Allerdings braucht man einen Facebook-Account, um die Brille nutzen zu können. Tatsächlich könnte das Facebook-Logo für manche Kunden abschreckend wirken. Schließlich holt man sich mit der Brille ohnehin schon eine Kamera direkt ins Gesicht. Dann noch das Logo des für seine Datensammelei bekannten Konzerns einzubauen, könnte in manchem Gegenüber ein noch unangenehmeres Gefühl auslösen. Der Konzern verspricht bisher, die Aufnahmen nicht für gezielte Werbeanzeigen auszuwerten. Ähnliches hatte man aber einst für den Messenger Whatsapp versprochen, bevor die Daten einige Jahre später doch gesammelt wurden.

Die Idee für die Kamera-Brille ist nicht ganz neu. Schon 2016 hatte Konkurrent Snapchap eine Spectacles genannte eigene Version auf den Markt gebracht, bei der die Kameras sogar noch mit einem gelben Rand hervorgehoben waren. Obwohl die Kamerabrille durchaus durchdacht war – die aufgenommenen Videos waren kreisrund und ermöglichten es so, durch das Drehen des zum Ansehen benutzten Geräts auch andere Ausschnitte zu sehen –, blieb der Mainstream-Erfolg aus. Ein wichtiger Grund dürfte dabei sein, dass die Videos sich nur auf Snapchat direkt teilen lassen.

Zunächst erscheint die Facebook-Brille nicht in Deutschland – was hierzulande eher für Aufatmen als für Enttäuschung sorgen dürfte. In sechs ausgewählten Ländern kommt sie aber bereits heute in den Handel. In den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Italien und Australien soll sie in jedem Ray-Ban-Laden und online zu bekommen sein. Der Preis beginnt bei 299 Dollar (etwa 250 Euro) für das Basismodell, polarisierte oder geschliffene Gläser kosten extra.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.

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