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Neue Gewalt in Kairo – Mursi-Berater treten zurück

Neue Gewalt in Kairo – Mursi-Berater treten zurück

Drei Menschen bei Zusammenstößen getötet

Im ägyptischen Machtkampf will niemand nachgeben: Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mohammed Mursi sind in Kairo mindestens drei Menschen getötet worden. Mehr als 60 wurden verletzt. Gleich drei Berater Mursis sind derweil wegen der Gewalt auf der Straße zurückgetreten.

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Vor dem Präsidentenpalast in Kairo drohen die Auseinandersetzungen zu eskalieren.
REUTERS, MOHAMED ABD EL GHANY

Vor dem Präsidentenpalast brach die Gewalt zwischen rund 10.000 Ägyptern aus, als Anhänger der Muslimbruderschaft mit liberalen Demonstranten aneinandergerieten, die bereits seit Dienstag auf dem Platz campieren. Die Islamisten, die in Sprechchören ihre Unterstützung für Mursi bekundeten, feierten nach der Massenschlägerei ihren "Sieg" über die liberalen Demonstranten. Sie überpinselten Anti-Mursi-Graffiti, die Demonstranten am Vortag auf der Mauer vor dem Präsidentenpalast aufgemalt hatten. Die Mursi-Gegner befürchten, dass der Präsident und die Muslimbrüder aus dem Land einen islamischen Gottesstaat machen.

Drei Berater Mursis traten aus Protest gegen die Gewalt auf der Straße zurück. Der Politologe Seif Abdel Fatah verkündete seinen Rücktritt in einem tränenreichen Interview mit dem TV-Sender Al-Dschasira live. Er erklärte, die komplette Elite des Landes sei eigennützig und habe nicht die Interessen der Bevölkerung im Blick. Die Website des Kairoer Tageszeitung 'Al-Shorouk' meldete, auch Eiman al-Sajed und der Fernsehmoderator Amr al-Laithi hätten sich aus dem Beratergremium zurückgezogen.

Vize-Präsident schlägt Kompromiss vor

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte unterdessen die Machthaber in Kairo auf, das "demokratische Versprechen der ägyptischen Revolution" einzulösen. Die Opposition forderte Mursi auf, sein Dekret zurückzunehmen. Außerdem fordert sie einen Dialog mit dem Ziel, einen neuen Verfassungsentwurf zu formulieren.

Vize-Präsident Mahmud Mekki hat sich eingeschaltet und der Opposition einen Kompromiss vorgeschlagen. Vor dem geplanten Referendum könne eine Übereinkunft über Änderungen erzielt und diese Punkte schriftlich festgehalten werden, sagte der Stellvertreter von Mursi. Alle Beteiligten sollten das Dokument respektieren bis zur ersten Parlamentswahl im kommenden Jahr. Die Abgeordneten könnten dann formell über die Änderungsvorschläge abstimmen. Er fügte hinzu, der Vorschlag sei seine persönliche Idee. Die Opposition zeigte sich offen für Verhandlungen, forderte aber eine offizielle Einladung von Mursi.

Der schon seit Monaten schwelende Konflikt zwischen den regierenden Islamisten und der säkularen Opposition war in den vergangenen zwei Wochen eskaliert, nachdem der islamistische Staatschef seine Machtbefugnisse auf Kosten der Justiz ausgeweitet hatte.