Landwirte vs. Landesregierung

Natur- und Artenschutz: „Grünes Band“ spaltet nicht nur das Land, sondern auch die Gemüter

Landwirte vs. Landesregierung "Grünes Band" spaltet Gemüter
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"Grünes Band" spaltet Gemüter
Landwirte vs. Landesregierung

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Rote Karte fürs „grüne Band“! Das zumindest ist die Reaktion einiger Landwirte auf den Plan der Landesregierung. Der ehemalige Grenzstreifen zwischen Hessen und Thüringen soll nämlich zur Natur- und Artenschutz-Zone erklärt werden. Das bedeutet jedoch für viele Landwirte Existenzbedrohung. Ein Streit, der es mittlerweile bis in den hessischen Landtag geschafft hat – mehr Infos im Video.

Land- und Forstwirte: Naturschutz-Gebiet behindert Arbeitsprozesse

Forstwirt Michael von der Tann fühlt sich übergangen. Die Landesregierung will Teile seiner Waldflächen zum Naturschutz-Gebiet erklären. Durch die damit verbundenen neuen Regeln könne er nicht mehr so arbeiten wie bislang: "Ich habe es mit sehr vielen Fichten zu tun. Und wenn diese geschlagen sind und auf dem Polter liegen, müssen sie mit Chemie bespritzt werden, damit nicht sofort der Käfer hineinfliegt. Wenn ich das nicht mache, kann ich zusehen, wie das Holz durch Käferflug entwertet wird", klagt der Forstwirt im RTL Hessen-Interview. Denn das hier bisher eingesetzte Insektenschutzmittel wäre im Rahmen der neuen Verordnung künftig verboten.

Zukunft der Land- und Forstberufe steht auf dem Spiel

Mit dem „grünen Band“ will sich die Landesregierung einer allgemein europäischen Initiative anschließen: Rund um die die damalige Grenze zur Sowjetunion soll sowohl eine Erinnerungskultur anstehen, als auch ein Band für Natur- und Artenschutz. Zwischen Ehrenberg in der Rhön und Witzenhausen will Hessen seinen Beitrag leisten. Alleine bei Michael von der Tann wären rund 20 Prozent seiner Waldflächen betroffen. Für die Region ein Einschnitt mit Folgen: "Noch haben wir einige Menschen, die in der Forstwirtschaft arbeiten. Wenn das immer unattraktiver wird, wandern die nach Fulda ab oder sehen hier keine Zukunft mehr in Berufen in Land und Forst", so von der Tann.

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Die Meinungen sind gespalten

Das Umweltministerium versucht hier zu beruhigen. Forst- und Landwirte sollen trotz neuem Naturschutz-Etikett ihrer Arbeit weiter nachgehen können. "Einschränkungen der Bewirtschaftung gibt es darüber hinaus einfach nicht, die sind auch nicht vorhanden. Wenn es Maßnahmen für den Naturschutz geben soll, dann soll das über den Vertragsnaturschutz laufen. Das heißt: Der Vorwurf der Enteignung ist schlicht falsch", so Vanessa Gronemann (Grüne).

Lese-Tipp: Minister: Grünes Band an Ex-Grenze soll Weltnaturerbe werden

Doch der Ärger bei den Landbesitzern sitzt tief. Sie starten eine Demo direkt vor dem Landtag in Wiesbaden, um endlich gehört zu werden. Unterstützung erhalten sie dabei von den freien Demokraten: " Es gab hier bloß einen Brief der Ministerin zu einer Einladung, einer Wanderung. Diejenigen, die jetzt im Prinzip auch enteignet werden, sind darüber nicht informiert worden. Das kann einfach nicht sein", sagt uns Wiebke Knell (FDP) im Gespräch. Von dem Begriff 'Enteignung' sei laut Landesregierung jedoch nie die Rede gewesen.

Landtagsdebatte "Grünes Band".
Das "Grüne Band" spaltet Meinungen und wird zum Diskussionsthema im Landtag in Wiesbaden.
rtl.de

Entscheidung bleibt abzuwarten

Forst- und Landwirte wie Michael von der Tann zeigen sich unter bestimmten Bedingungen gesprächsbereit. Im Landtag wurde das Thema am Dienstag im Rahmen einer Plenarsitzung diskutiert. Mit einer finalen Entscheidung ist wohl Ende der Woche zu rechnen. (ven/ora/naw)