Nachtblindheit: Retinitis Pigmentosa lässt Sehzellen absterben

16. November 2017 - 18:05 Uhr

Was ist Nachtblindheit?

Da sitzt man bei Dunkelheit am Steuer und ist völlig überfordert: Die Scheinwerfer entgegenkommender Autos blenden, man sieht die Straße kaum – und orientiert sich nur noch an den Rücklichtern des vorderen Autos. Situationen wie diese sind nicht nur Autofahrern bekannt. Doch was bedeuten solche Sehprobleme? Habe ich einfach nur eine Nachtsehschwäche oder bin ich richtig nachtblind?

Bei einer Retinitis Pigmentosa sterben die Sehzellen

Eines vorweg: Wer sich selbst lapidar als "nachtblind" bezeichnet, ist es in der Regel nicht. Denn Nachtblindheit ist eine klar diagnostizierbare Erkrankung der Sehsinneszellen. Durch das Zusammenspiel zwischen Sehstäbchen und Sehzäpfchen werden Farben erkannt und das Auge an die Lichtverhältnisse angepasst. Falls diese Funktion gestört ist, macht sich das zunächst bemerkbar, indem man Farben nicht mehr klar und deutlich unterscheiden kann. Dieses Problem setzt sich bei Dunkelheit fort: Nachtblinde können bei Dunkelheit höchstens Umrisse sehen, manchmal sogar gar nichts.

Hauptursache für Nachtblindheit sind degenerative Netzhauterkrankungen, die diese nach und nach zerstören. Sie sind in der Regel genetisch bedingt, seltener auch erworben. Vor allem Retinitis Pigmentosa (RP), mit der das Absterben der Sehzellen bezeichnet wird, ist die wohl bekannteste genetisch bedingte Erkrankung, die bisher nicht wirklich behandelbar ist. Sie führt erst zu einem eingeschränkten Sehfeld – und endet schlimmstenfalls mit Blindheit. Welche Symptome RP hat, zeigen wir Ihnen im Video anhand von Simulationen.

Je höher die Dioptrie, desto kleiner sollte das Brillenglas sein

In armen Ländern wird Nachtblindheit durch Vitamin-A-Mangel hervorgerufen. Der Bedarf an Vitamin A ist bei uns jedoch über die normale Nahrung gedeckt. Die Wahrscheinlichkeit, dass trotz Lebensmitteln wie Spinat, Karotten oder Grünkohl ein Mangel eintritt, der zur Nachtblindheit führt, ist in Deutschland also gering. In der Regel leiden Menschen, die sich nachts geblendet und unwohl fühlen, eher an einer Nachtsehschwäche, in Fachkreisen "Nachtmyopie" genannt.

Das bedeutet, dass einzelne Funktionen des Auges dauerhaft oder vorübergehend die Leistung schwächen. Zu den häufigsten Ursachen gehören eine trübe Linse, bedingt durch Grauen Star, und eine bis dahin unerkannte Fehlsichtigkeit. Beim Grauen Star streut die getrübte Linse das Licht so stark, dass man sich selbst von kleinen Lichtquellen geblendet fühlt. Mit einer Augen-OP, die mittlerweile Standard ist, kann das behoben werden.

Auch falsche Brillengläser könnten die Ursache sein. Mittlerweile gibt es Brillengläser, die speziell auf Nacht- und Tagsehen abgestimmt sind. Sie haben die Eigenschaft, dass die mittleren drei Millimeter der Brille für das Sehen bei Tag bestimmt sind, die Peripherie des Glases entspricht den Anforderungen für das Nachtsehen. Diese Gläser sind allerdings nicht ganz billig – sie kosten etwa das Doppelte eines normalen Glases. Ärzte sagen aber auch, dass Menschen mit starker Kurzsichtigkeit generell möglichst Brillen mit kleinen Gläsern wählen sollten. Denn moderne Nerdbrillen verstärken die Sehschwäche bei Nacht sogar.

Wer Schwierigkeiten hat, nachts richtig zu sehen, sollte immer zum Augenarzt gehen. Denn in den meisten Fällen steckt keine schwerwiegende Nachtblindheit dahinter, sondern Sehschwierigkeiten, die man beheben oder zumindest reduzieren kann. Auch, wenn der Volksmund wohl noch lange pauschal von "Nachtblindheit" sprechen dürfte.

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