Tanja Szewczenkos Zwillinge sind da

Gynäkologe erklärt: Wie geht es für Frühchen nach der Geburt weiter?

Tanja Szewczenko hat ihre Zwillinge in der 34. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht.
Tanja Szewczenko hat ihre Zwillinge in der 34. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht.
© imago/Future Image, Christoph Hardt, imago stock&people

29. April 2021 - 19:01 Uhr

Müssen sich die Eltern jetzt Sorgen um die Frühchen machen?

Auf einen großen Schreckmoment folgt eine riesengroße Freude. Nachdem bei Tanja Szewczenko "ohne Vorwarnung" eine der Fruchtblasen geplatzt ist, hat die 43-Jährige jetzt Zwillinge zur Welt gebracht. Leo und Luis heißen die beiden und sind rund sechs Wochen zu früh geboren. Tanja war gerade in der 34. Schwangerschaftswoche. Wie geht es jetzt für die Frühchen weiter? Gynäkologe Markos Botsaris erklärt, wie die Babys jetzt versorgt werden und ob Tanja und ihr Mann Norman Jescke (42) sich Sorgen um die Entwicklung ihrer Neugeborenen machen müssen.

Lese-Tipp: Blasensprung – Worauf Sie achten sollten und wann Sie zum Arzt müssen

Eine zu frühe Geburt ist kein seltenes Ereignis

Normalerweise dauert eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen. Als Frühchen gelten Babys, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Das ist keine Seltenheit: Laut dem Bundesverband "Das frühgeborene Kind" werden in Deutschland jedes Jahr etwa 50.000 Kinder zu früh geboren, was etwa sieben Prozent jedes Geburtsjahrgangs entspricht.

Je nach Geburtsgewicht und Schwangerschaftswoche gibt es folgende Unterscheidungen bei Frühchen:

  • Späte Frühgeborene: Kinder, die zwischen der 34. und der 37. SSW zur Welt kommen. Bezüglich Gewicht und Körpergröße unterscheiden sie sich kaum von reifgeborenen Kindern.
  • Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht: Babies, die weniger als 1.500 Gramm wiegen. Sie kommen meist vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt.
  • Frühgeborene mit extrem niedrigem Geburtsgewicht: Sie wiegen anfangs weniger als 1.000 Gramm und werden in der Regel vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren.

Lesen Sie hier: Frühgeburt – Welche Probleme können bei Frühchen auftreten?

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Tanjas Zwillinge wiegen deutlich weniger als Reifgeborene

Eine Schwangerschaft ist in drei Trimester aufgeteilt: In den ersten drei Monaten werden die Organe angelegt. In den darauffolgenden drei Monaten werden diese vervollständigt. Und im letzten Trimester der Schwangerschaft reifen die Organe heran, das Kind legt an Gewicht zu.

Im Durchschnitt wiegt ein Neugeborenes 3.500 Gramm – Tanjas Zwillinge Leo und Luis wiegen nur 1.840 und 1.940 Gramm – also nur knapp die Hälfte des Normalgewichtes. Das schreibt die frischgebackene Mama auf Instagram.

Den Frühchen fehlt eine wertvolle Entwicklungszeit

Szewczenkos Zwillinge seien "zwar nur sechs Wochen zu früh auf die Welt gekommen", so Gynäkologe Markos Botsaris im Gespräch mit RTL. Dennoch fehle ihnen dadurch eine wertvolle Entwicklungszeit. "Es sind alle Organe da, aber es gibt keine Garantie, dass alles funktioniert." Es sei nicht auszuschließen, dass Stoffwechselerkrankungen entstehen, dass der Darm Probleme macht oder die Kinder Probleme mit der Atmung haben werden. Denn die Lunge funktioniert erst ab der 36. Schwangerschaftswoche richtig. Aber: Nach ihrem Blasensprung hat die schwangere Szewczenko eine Lungenreifebehandlung bekommen, die dafür sorgen sollte, dass die Lunge der Babies reift und besser funktioniert.

Die Zwillinge sind auf der Intensivstation

Tanja schreibt in ihrem Post, dass die Zwillinge gerade noch auf der Intensivstation seien, aber eigenständig atmen würden und nur ein Wärmebett und keinen Brutkasten bräuchten. Ein sehr gutes Zeichen, bestätigt Botsaris im Gespräch mit RTL. Dass die Zwillinge auf der Intensivstation sind, "klingt dramatischer, als es ist", so Botsaris. Das sei total normal – denn Neugeborene brauchen rund um die Uhr Betreuung. Und im Wärmebett sei es genauso "kuschelig, wie im Bauch der Mama." Wenn möglich, bekommen die Frühchen jetzt Muttermilch und müssen an Gewicht zulegen, bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen werden können, so der Gynäkologe.

"Ab der 35. Schwangerschaftswoche versucht man aber gar nicht mehr, sie aufzuhalten.“

Je früher Babies geboren werden, desto größer ist die Gefahr, dass Folgeschäden entstehen. Die Geburt von Tanjas Zwillingen sollte aber "eigentlich folgenlos vonstatten gehen", ist sich Botsaris sicher. "Wenn Babies vor der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, wird's schwierig", so Botsaris. "Ab der 35. Schwangerschaftswoche versucht man aber gar nicht mehr, sie aufzuhalten." Bei Zwillingen sei es zudem nicht ungewöhnlich, dass sie vor der 40. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Und wenn es zu einem Blasensprung wie bei Tanja kommt, seien sie vielleicht sogar besser im Krankenhaus aufgehoben, wo Ärzte auf sie aufpassen können – als im Bauch der Mutter, wo es noch zu Infektionen kommen könnte.

Können die Frühchen die Entwicklung aufholen?

Natürlich könne man Frühchen nicht mit Kindern im selben Alter vergleichen. "Es werden immer ein paar Wochen fehlen", sagt Botsaris. "Am Anfang werden sie vielleicht zurückhinken mit der Entwicklung, werden kleiner sein." Diese langsamere Entwicklung würde man bis zum Grundschulalter erkennen, schätzt der Gynäkologe. Dann aber würden sie die Entwicklung aufholen. "Irgendwann werden sie normale Kinder sein." Und, so Botsaris, wahrscheinlich gar keine Schäden davontragen.