Impfung trotz Babybauch?

Lea (27) ist ratlos: Kurz vor Impftermin wird sie schwanger

22. September 2021 - 11:21 Uhr

Stiko sagt "Ja" - aber Bedenken für schwangere Lea bleiben

Nach langem Hin und Her empfiehlt die Ständige Impfkommision nun auch Schwangeren, sich gegen Covid 19 impfen zu lassen. Laut der Stiko sei eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und für Stillende mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs sinnvoll. Doch wie sehen das die Betroffenen selbst? Warum die Entscheidung für die 27-jährige schwangere Lea trotzdem schwierig ist und was ein Frauenarzt rät – im Video!

Nach dem Schwangerschaftstest steigt Leas Angst vor dem Virus: "Das erste Gefühl war Panik"

Lea Stranz wollte sich impfen lassen – zwei Tage vor ihrem Impftermin erfährt sie, dass sie schwanger ist. Damals gab es die Stiko-Empfehlung für die Impfung während der Schwangerschaft noch nicht. Daher ist für Lea klar: Sie sagt den Termin ab. "Das erste Gefühl war Panik", sagt sie im RTL-Interview auf die Frage, ob sie Angst hatte, sich anzustecken. Sie reduziert die Kontakte ihrer kleinen Tochter auf ein Minimum, meidet öffentliche Verkehrsmittel und trägt immer FFP2-Maske. Außerdem ist sie dankbar, dass die meisten Menschen in ihrem näheren Umfeld geimpft sind.

Dilemma: Gleichzeitige Angst vor Impffolgen UND vor dem Virus

Jetzt ist es amtlich: Die Stiko empfiehlt Schwangeren wie Lea die Impfung, nun muss sie für sich selbst eine Entscheidung treffen: "Ich trage Verantwortung für das Baby, meine Tochter und mich selbst", sagt Lea im Interview. Langzeit- und Spätfolgen der Impfung für sie selbst und ihr Ungeborenes seien für sie nicht ausgeschlossen, was gegen einen Pieks sprechen würde.

Angst vor einer Infektion habe sie trotzdem, gerade bei Schwangeren sei die Sterberate und die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus zu landen, ja relativ hoch. Sie tendiert eher zu dieser Angst vor der Erkrankung als vor den möglichen Folgen einer Impfung. Gerade beim nahenden Winter verstärkt sich dieses Gefühl noch zusätzlich. Lea möchte auf den Rat von ihrer Frauenärztin und Hebamme hören und hofft, dass diese ihr bei der Entscheidung helfen.

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Frauenarzt: Ein schwerer Verlauf ist bei Schwangeren wahrscheinlicher

Frauenarzt und Geburtshelfer Konstantin Wagner:  Die Impfung wird Schwangeren erst im 2. Trimester empfohlen, damit schicksalhafte Fehlgeburten nicht mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden.
Frauenarzt und Geburtshelfer Konstantin Wagner: Die Impfung wird Schwangeren erst im 2. Trimester empfohlen, damit schicksalhafte Fehlgeburten nicht mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden.
© RTL

"Das Interessante an allen Impfungen ist ja, dass Langzeitfolgen nie bekannt sind", sagt uns Gynäkologe und Geburtshelfer Konstantin Wagner. Das sei natürlich zu beachten – und auch Fieber als Impfreaktion ist natürlich eine "unschöne Komplikation" in der Schwangerschaft. Bei einem gesunden Verlauf der Schwangerschaft sei es aber unbedenklich und löse keine Wehen aus.

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Die Gefahr eines schweren Verlaufs bei einer Infektion durch das Coronavirus schätzt der Frauenarzt als relativ hoch ein. "Schwangere können auf spezielle Infektionen extremer reagieren." So kann Wagner die Empfehlung der Stiko durchaus nachvollziehen. Denn auch ein Schaden für das ungeborene Kind sei bei einer Infektion nicht auszuschließen. Impfkomplikationen und -nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Abgeschlagenheit seien bei Schwangeren nicht ausgeprägter als bei anderen und stellen auch keine Gefahr für die werdende Mutter und ihr Kind dar, erklärt Konstantin Wagner im Interview.

Antikörper gehen bei Schwangeren und Stillenden auf Kind über

Bei einer Impfung von Schwangeren und Stillenden hat man festgestellt, dass die Antikörper auch auf das Baby übergehen. Ob das Kind allerdings über längere Zeit vor dem Virus geschützt ist, könne man noch nicht sagen, so Wagner. Für den Gynäkologen ist die Klärung dieser Frage durch die Forschung in der Zukunft ganz besonders interessant. (gmö)