Mysteriöser Tod von Ahmed Jouider in Italien

15-Jähriger schickt Sprachnachricht: "Ich werde sterben oder verletzt" - am nächsten Tag ist er tot!

Padua: 15-Jähriger tot in Fluss Brenta (Italien) gefunden.
Was geschah mit Ahmed Jouider?
Privat

von Marisa Caligiuri

Ahmed Jouider verschwindet am 21. April spurlos. Der 15-Jährige aus Padua (Italien) habe sich an dem Abend von seiner Mutter und seiner Schwester mit einem Kuss verabschiedet. Wenig später schickte der Teenie seiner Ex-Freundin eine mysteriöse Sprachnachricht, in der er sagte: „Sie werden mich entweder umbringen oder mir sehr weh tun.“ Die Jugendliche hält das zunächst für einen Scherz, doch als es am nächsten Tag kein Lebenszeichen mehr von Ahmed gibt, wendet sie sich an die Polizei.

Die Suche nach dem Teenager beginnt. Fünf Tage später findet die Feuerwehr die Leiche des Jungen im Fluss Brenta. Auf den ersten Blick sieht es aus wie Selbstmord. Gäbe es da nicht die Sprachnachricht und einen weiteren Todesfall, der darauf schließen lässt, dass sich Schlimmeres dahinter verbergen könnte. Was passierte also wirklich am Abend des 21. April?

Mutter des Toten ist überzeugt: "Er hätte sich nie umgebracht. Jemand seiner Freunde weiß etwas!"

Ahmed Jouider war 15 Jahre alt, lebte mit seiner marokkanischen Familie in Padua. Der 1.70m große Teenie soll gut in der Schule gewesen sein, sich dort auch als Schulsprecher engagiert haben.

Die Mutter, Latifa Benijane, glaubt nicht daran, dass ihr Sohn Selbstmord begangen haben könnte. Sagt im Interview mit „Il Messaggero“: „Jemand seiner Freunde weiß etwas über den Tod meines Sohnes.“ Und bittet verzweifelt: „Sprecht mit uns, schreibt uns, helft uns!“

Weiter sagt die Mutter unter Tränen: „Ahmed war ein lieber Junge. Er hatte auch nichts mit Drogen oder so zu tun.“ Das Polizeipräsidium Padua verhört derweil die Freunde des Jugendlichen. Steckt etwa eine „Baby Gang“ hinter diesem mysteriösen Tod? Die letzte Sprachnachricht des 15-Jährigen wirft diese Frage auf.

Die Sprachnachricht von Ahmed Jouider kurz vor seinem Tod: "Ich denke, ich werde sterben."

Brücke am Fluss Brenta in Padua.
Von dieser Brücke muss Ahmed Jouider gesprungen, geschubst worden oder gestürzt sein.
ENEX

Am 21. April verließ Ahmed Jouider um kurz vor 22 Uhr sein Zuhause. Er wollte sich angeblich noch mit Freunden treffen. Verabschiedete sich, laut der Schwester, mit einem innigen Kuss von ihr und sagte, dass er sie lieb habe. Danach soll er auf sein rotes Fahrrad gestiegen und davon gefahren sein. So die 17-Jährige gegenüber „Il Messaggero“.

Dann habe der 15-Jährige seiner Ex-Freundin eine beunruhigende Nachricht geschickt: „Ich muss jetzt raus. Ich habe noch eine Rechnung mit ein paar Leuten offen. Ich denke, ich werde sterben. Ja, das denke ich. Und wenn nicht, werden sie mir sehr schlimme Verletzungen zufügen.“

Wen genau er meint, sagt er nicht. Die Ex-Freundin habe die Nachricht nicht ernst genommen, heißt es seitens der Polizei. Erst am nächsten Tag habe die Jugendliche sich auf der Wache gemeldet, aber da war es zu spät. Schon da war Ahmed nicht mehr erreichbar.

Der 15-Jährige sagte in der Nachricht weiter: „Ich liebe dich sehr. Du verstehst es glaube ich nicht. Ich möchte jetzt auch nicht kitschig werden, aber was soll´s, es ändert eh nichts mehr. Ich sage nur noch das. Mehr nicht.“

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Um 0 Uhr wurde das Handy des Jungen laut Polizei ausgeschaltet. Ein Fußgänger habe das Gerät am gleichen Abend gefunden. Die Beamten untersuchen derzeit die Daten des Mobiltelefons.

Fünf Tage nach seinem Verschwinden dann die traurige Gewissheit, Ahmed Jouider ist tot. Die Leiche des Teenies wurde im Fluss Brenta in Padua gefunden. Die erste Untersuchung an dem Leichnam führte Dr. Andrea Porzionato durch. Er habe keine Spuren eines Kampfes finden können. Am Körper waren auch keine Merkmale von Gewalteinwirkung, so der Mediziner zu RTL. Auf den ersten Blick sieht es also aus wie Selbstmord. Die noch andauernde Autopsie soll weitere Fragen klären.

Über dem Fluss ist eine Brücke. Von dort aus muss Ahmed Jouider selbst in das Gewässer gesprungen, gestürzt oder geschubst worden sein. Doch in was war der Teenie verwickelt? Was war das für eine offene Rechnung, die so hoch bezahlt werden musste? Warum sagte der 15-Jährige in seiner letzten Sprachnachricht „Ich werde entweder sterben oder sie werden mir sehr große Verletzungen zufügen“? Wen meinte der Teenager damit?

Weiterer Jugendlicher, Henry Amadasun, im September an selber Stelle unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen

Das Befremdliche: an genau derselben Stelle soll sich im September vergangenen Jahres ein weiterer Jugendlicher das Leben genommen haben. Henry Amadasun. Wie „Il Messaggero“ berichtet, glauben die Eltern des 17-Jährigen wohl bis heute nicht an die Theorie des Selbstmordes.

Der Vater des 17-Jährigen sagte gegenüber dem italienischen Blatt: „Hier stimmt etwas gewaltig nicht. Das ist kein Zufall. Es kann nicht sein, dass zwei so junge Menschen, fast selben Alters, an genau der gleichen Stelle auf diese mysteriöse Weise ums Leben kommen.“ Die Ermittler in Padua untersuchen jetzt, ob möglicherweise eine „Baby Gang“ dahinter stecken könnte. Handelt es sich in beiden Fällen etwa um Bandenkriminalität? Italienische Medien berichten von Jugendbanden, die ihr Unwesen in Padua treiben sollen. Auch Mobbing soll hier eine große Rolle spielen. Doch genaueres wisse man noch nicht.

Die Mutter, Latifa Benijane, beschreibt gegenüber dem italienischen Nachrichtenmagazin, dass ihr Sohn sich seit einiger Zeit verändert hatte. Im Freundeskreis gäbe es, laut dem Bericht, Vermutungen über Schulden, die Ahmed nicht abbezahlt hätte. Doch das bleiben bisher nur Theorien. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wegen der bisherigen Beweislage, in Richtung Suizid. So lange, bis nicht andere Details ans Licht kommen.