Papa-Kolumne

Wirbel um Edekas Muttertags-Spot(t): Ist das fieses Papa-Bashing oder einfach witzig?

8. Mai 2019 - 7:35 Uhr

von Sebastian Priggemeier

Vorweg: Dass mich ein Werbespot zum Lachen bringt, kommt echt selten vor. Und wenn, dann ist es eher ein Schmunzeln. Mundwinkel hoch, höhö, fertig. Aber bei diesem Muttertags-Filmchen von Edeka musste ich laut prusten – und zwar mehrmals. Ganz ehrlich, ich hätte fast meinen Kaffee auf die Tastatur gespuckt vor Lachen! Vielleicht, weil ich komplett andere Erwartungen hatte. Ich dachte nämlich eigentlich, dass das Video kalte Wut in mir auslöst. Schließlich regt sich gerade das halbe Internet über den Muttertags-Spot(t) von Edeka auf. Wegen Papa-Bashing. Kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Ja, Männer mit Kindern machen Fehler ohne Ende - na und?

Väter als tollpatschige, überforderte Aushilfs-Babysitter? 50 Sekunden sexistischer Slapstick und am Ende der ultimative Tiefschlag von der Kinderstimme aus dem Off: "Danke Mama, dass du nicht Papa bist." Moment mal, sollte ich jetzt nicht eigentlich empört sein?!!!!? Klar, der Gedanke kam auch bei mir auf – für ungefähr eine halbe Millisekunde. Dann grinste ich schon wieder über die nächste Szene, die sich GENAU SO auch bei mir zuhause hätte abspielen können. Ach, was sage ich: Genau so läuft es wirklich bei mir – an jedem verdammten Tag seit ich Papa bin.

Und ist das schlimm? Nein, im Gegenteil. Denn das Video zeigt doch, dass wir Männer endlich ganz oben mitspielen in der Babybetreuungs-Bundesliga. Wir hauen uns rein – mindestens so krass wie Mama, wenn nicht sogar mehr. Wir putzen Kleinkind-Popos, halten auf dem Spielplatz kleine Mädchen mit Druck auf der Blase ab, stopfen hungrige Mäuler mit selbstgekochten Spaghetti a la Papa (Nudeln mit feinstem Ketchup). Klar, dabei geht ständig was daneben. Patsch! Tomaten-Nudel-Pampe auf dem (von Mutti) frisch gewischten Fliesenboden. Schwamm drüber und weiter. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, oder?

Seid stolz auf euren Einsatz

Und noch was: Ja, abends schlafen Männer beim Vorlesen ein. Warum? Weil wir so viel Gas geben, als wäre dieses Spiel des Lebens, das wir uns Väter da ausgesucht haben, das Champions-League-Finale. Viele von uns können einfach nur 100 Prozent, deshalb gibt es leider wohl auch mehr männliche Herzinfarkt-Tote. ABER wir trauen uns, Fehler zu machen. Und am nächsten Tag stehen wir wieder an der Wickelkommode und lassen uns auslachen – ist mir so passiert, als ich meine Tochter zum ersten Mal gewickelt habe. Vor fünf Hebammen auf der Geburtsstation. War nicht schön, aber auch kein Beinbruch. Und ich bin mir sicher, dass genau diese Frauen später ihren Freundinnen von dem Anfänger-Papi erzählt haben, der immerhin selbst gewickelt hat. So funktioniert Eman(n)zipation.

"Danke Mama, dass du nicht Papa bist" – genau so ist es. Papas sind anders. Nicht so perfekt. Ich jedenfalls habe noch nie von Über-Vatis gehört und hoffe inständig, dass das so bleibt. Seid stolz auf euren Einsatz und eure Fehler, Männer. Und lacht gerne auch mal über euch selbst. Das hilft.