Im RTL-Interview

Mobbing und Vetternwirtschaft: Eine Awo-Insiderin packt aus

18. Dezember 2019 - 16:44 Uhr

Skandal um Arbeiterwohlfahrt breitet sich aus

Seit Wochen steht der Awo-Kreisverband in Frankfurt in der Kritik, überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen haben für Aufsehen gesorgt. Der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter trat zurück. Im Video spricht RTL mit einer ehemaligen Awo-Mitarbeiterin, die ihrem früheren Arbeitgeber sogar Mobbing vorwirft.

Awo-Insiderin Angela Braun: "Mobbing im großen Stil"

Angela Braun arbeitete viele Jahre bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt. Offiziell ist das ein gemeinnütziges Unternehmen, aber intern herrsche ein raues Arbeitsklima, erzählt sie uns.

"Es war Mobbing im großen Stil. Unter anderem wurde behauptet, Kollegen hätten etwas geklaut – nur, um sie loszuwerden", sagt Angela Braun. Einige Mitarbeiter seien traumatisiert und deswegen in Therapie.

Als Unregelmäßigkeiten in der Awo angezeigt wurden, seien Ermittler bei einem Kollegen von Angela Braun aufgetaucht: "Er wurde gefragt, ob seine Frau anonym Briefe an die Stadt schreibe." Nicht nur wegen solcher Vorfälle hat Braun den Arbeitgeber gewechselt. Sie wünscht sich nun Aufklärung – gerade, weil sie findet, dass die Awo eine wichtige Aufgabe hat.

Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann in der Kritik

Auch im Frankfurter Stadtparlament steht die Awo im Mittelpunkt der Diskussion. Oberbürgermeister Peter Feldmann ist in der Kritik, weil seine Ehefrau in einer Awo-Kita ein ungewöhnlich hohes Gehalt und einen Dienstwagen bekam. Nach zahlreichen abgeblockten Presse-Anfragen gab es ein schriftliches Statement, in dem er betonte, dass seine Frau Zübeyde Feldmann ihren Job nicht aus Gefälligkeit bekommen habe.

"Gehaltszettel oder Verträge meiner Frau habe ich nicht kontrolliert. Meine Ehefrau schuldet mir keine Rechenschaft, was sie im Monat verdient", erklärt Feldmann. Seine Ehefrau habe eine Berufsausbildung gemacht und ein Doppelstudium draufgesetzt. "Das alles hat sie sich auf einen Hauptschulabschluss aufgebaut. Darauf ist sie stolz, und ich auf sie", so Frankfurts Oberbürgermeister weiter.

Präsident Wilhelm Schmidt: "Das schadet der Awo in ganz Deutschland"

Im Frankfurter Kreisverband der Awo hat die Gehaltsaffäre bereits Konsequenzen: Der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter trat vergangene Woche zurück. Die "ständigen personalisierten Angriffe in den Medien" hätten ihn schwer getroffen, und er wolle sich dem nicht länger aussetzen, erklärte Richter. Mit seinem Schritt sei kein Schuldanerkenntnis verbunden, er räume aber ein, dass "es in verschiedenen Phasen der laufenden Auseinandersetzung Fehler unsererseits gegeben hat".

Vertreter des Awo-Bundesverbands zeigten sich entsetzt über das Treiben in der Frankfurter Führungsspitze. "Das schadet der Awo in ganz Deutschland", sagt Präsident Wilhelm Schmidt zu den Berichten über überhöhte Gehälter und luxuriöse Dienstwagen bei einzelnen Mitarbeitern. Er sprach von "Verfehlungen, die wir nicht hinnehmen können". Geld, das womöglich veruntreut worden sei, wolle der Bundesverband "bis zum letzten Cent" zurückholen.

Anfang Dezember kündigte der Verband erste Konsequenzen an, etwa eine Überarbeitung der Dienstwagenrichtlinie. Auch das Gehaltsgefüge und Eingruppierungen sollen überprüft werden.