Moayed (5) ertrinkt in tunesischem Hotelpool – wo waren die Retter, warum unternahm die Hotelleitung nichts?

8. August 2018 - 18:23 Uhr

Reiseveranstalter nimmt Hotel aus dem Programm

Es sollte ein Traumurlaub werden, doch es wurde der Horror für eine fünfköpfige Familie aus Wolfsburg: Ihr fünfjähriger Sohn Moayed ertrinkt in einem Hotelpool in Tunesien, der offenbar ungesichert war und die Hotelleitung trägt nichts zur Rettung des Kindes bei, im Gegenteil. So stirbt der Kleine und vieles deutet darauf hin, dass der tragische Tod des Jungen hätte verhindert werden können.

Hotelmanager: "Warum dieses Theater vor den Touristen?"

Hotel-Pool in Tunesien
Der flache Bereich geht langsam abfallend, aber ohne Kennzeichnung oder Vorwarnung, in den tieferen Schwimmerbereich über. (Foto: privat)

Das Unglück passierte am Ankunftstag, die Familie war erst wenige Stunden in der Hotelanlage in Hammamet. Die beiden Jungen (5 und 8) spielten vergnügt, waren auch schon im Pool. Später trafen sich die beiden mit ihren Eltern und der kleinen Schwester zum Essen. Immer wieder sprangen die Kinder auf, tollten umher. Dann stellte Mutter Monia Lamloumi fest, dass sie ihre Zimmerkarte verloren hatte und ihre Tochter eine frische Windel brauchte. Zwei Probleme, die keinen Aufschub duldeten. Während sie das Kind wickelte, ging der Vater zur Rezeption, weil dort die Zimmerkarte abgegeben wurde.

Wenige Augenblicke, die ausreichten, um das Leben von Familie Lamloumi für immer zu verändern. Als Monia und ihr Mann wieder ins Freie kamen, bemerkten sie große Aufregung. Auslöser: ihr kleiner Junge. Denn der war plötzlich in den Erwachsenenbereich des Schwimmbeckens geraten und dort untergegangen. Der Übergang zwischen Kinderbecken und Erwachsenenbecken war nicht durch ein Gitter, sondern nur durch eine schmale Kette gesichert – ein Kind kann dort also leicht durchrutschen.

Vieles deutet darauf hin, dass Moayed noch leben könnte

Moayed
Die Familie aus Wolfsburg trauert um ihren fünfjähriger Sohn Moayed (Foto: privat).

Ein Urlauber sprang in den Pool, brachte den leblosen Jungen an Land. Anstatt Wiederbelebungsversuche zu initiieren oder Erstversorgung zu organisieren, wollte der Hotelmanager den Jungen wegschaffen lassen, den Vorfall herunterspielen. "Warum dieses Theater vor den Touristen", soll der Mann gesagt haben, klagt die Mutter.

Die Feuerwehr wurde gerufen, es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ein Rettungswagen eintraf. Doch es waren keine Geräte an Bord, das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, in einem anderen Ort. Als es dort eintraf, war es längst zu spät.

Der Junge ist tot. Ertrunken, das steht fest. Die Ärzte seien sich sicher, dass eine andere Todesart nicht infrage komme, so Monia Lamloumi, zudem sei der Junge schon tot gewesen, als er im Krankenhaus eintraf.

In die Trauer, die Verzweiflung der Eltern mischen sich Unverständnis und Wut. Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Sie haben ihre Jungen nur kurz aus den Augen gelassen – warum gab es zum Unglückszeitpunkt in dem Hotel kein Aufsichtspersonal für den Pool? Warum wird der flache Nichtschwimmerbereich nur durch eine schmale Kette und nicht durch eine auffällige Markierung oder Absperrung vom Schwimmerbereich getrennt? Das Schwimmbecken ist zudem sehr verwinkelt, nach Ansicht einer Rettungsschwimmerin wären mindestens fünf Bademeister nötig, um die gesamte Anklage im Auge behalten zu können. Es soll aber keinen einzigen gegeben haben, sagen Zeugen.

Zeugen bestätigen Unregelmäßigkeiten und Fehlverhalten von Hotel-Mitarbeitern

Hotel-Pool in Tunesien
Die Poolanlage ist an vielen Stellen nur schwer zu überblicken.

Zudem hätten sich die Hotelangestellten regelrecht vor der Hilfe gedrückt, nachdem der Junge aus dem Wasser geholt worden war, sagen sie. Hinzu kommt der Versuch des Hotelmanagers, den Vorfall kleinzureden.

Ein Skandal, finden nicht nur die Eltern des toten Kindes und die Zeugen. RTL-Urlaubsexperte Ralf Benkö hat mit dem Reiseveranstalter ITS gesprochen und erfahren, dass das Hotel aus dem Programm genommen wurde.

Der Veranstalter geht aufgrund von Aussagen von Gästen davon aus, dass kein Bademeister im Einsatz gewesen sei, was zwingend vorgeschrieben ist. Zudem hätten sich die potentiellen Hotel-Helfer nach dem Unglück regelrecht verdrückt. Der Reiseveranstalter nimmt diese Hinweise ernst – für Familie Lamloumi sicherlich kein Trost. Denn vieles deutet darauf hin, dass ihr kleiner Moayed noch leben könnte. Sie will den Hotelbetreiber nun verklagen.