Freundin des Mörders vor Gericht, weil sie ihm ein falsches Alibi gab

Keira (†14) von Mitschüler ermordet - Mutter: "Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben"

15. April 2021 - 10:16 Uhr

Mutter Karin G. beim Prozessauftakt gegen Mord-Komplizin

Für Keiras Mutter Karin hat sich das Leben "von Grund auf geändert" seit ihr einziges Kind im März 2018 von einem Mitschüler grausam in ihrem eigenen Zuhause ermordet wurde. Aus purer Mordlust stach der damals 15-jährige Steffen F. (Name geändert) 23 Mal mit einem Messer auf die 14-jährige Keira ein und wurde dafür zu einer Jugendstrafe von neun Jahren Gefängnis verurteilt. Was den Verlust für Keiras Mutter noch tragischer macht: Der Mord hätte verhindert werden können, denn Steffen F. hatte eine Komplizin eingeweiht. Die heute 17-jährige Sara B. (Name geändert) steht deshalb seit Dienstag vor Gericht. Keiras Mutter Karin ist auch im Saal: "Ich halte es für meine Pflicht. Ich werde immer Keiras Mutter bleiben."

Was der neue Prozess mit Keiras Mutter Karin macht und wie es ihr drei Jahre nach dem Mord an ihrer Tochter geht, sehen Sie im Video.

Sara B. gibt Mörder Alibi per Whatsapp-Chat

Mehrere Tage vor dem Mord soll Steffen F. seine Freundin Sara B. in seine Mordfantasien eingeweiht haben. Zwei geplante Mordversuche scheiterten, bis Steffen F. sein grausames Vorhaben am 7. März 2018 in die Tat umsetzte. Der Täter und Sara B. gingen mit dem Mordopfer zur Schule, waren eine Jahrgangsstufe über ihr. Die beiden verabredeten, zum vereinbarten Tatzeitpunkt Whatsapp-Nachrichten hin- und herzuschreiben. Darin gaukelten die beiden vor, sich in einem Einkaufscenter in Berlin Hohenschönhausen aufzuhalten. In Wahrheit war Steffen F. während er diese Nachrichten verschickte auf dem Weg in die Wohnung von Keira G.. Wenige Minuten später stach er dort 23 Mal auf sie ein, ein Stich davon traf direkt ins Herz.

Warum die zum Tatzeitpunkt 14-jährige Sara B. bei diesem grausamen Komplott mitmacht und sie niemandem davon erzählt, dazu hat sie zu Prozessauftakt am Dienstag umfassend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Erschienen war sie in Begleitung ihres Vaters und ihres Anwalts. In ihrer schwarz-grauen Kleidung wirkte sie unscheinbar, so als wolle sie nicht wahrgenommen werden.

Keiras Mutter Karin kümmert sich liebevoll um das Grab ihrer ermordeten Tochter.
Keiras Mutter Karin kümmert sich liebevoll um das Grab ihrer ermordeten Tochter (†14).
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Mutter Karin G.: "Meine Fragen kann nur der Mörder beantworten"

Alibi-Mädchen Sara B. (links) posiert mit Freunden für ihr Social-Media-Profil
Alibi-Mädchen Sara B. (links) posiert mit Freunden für ihr Social-Media-Profil
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Obwohl der Prozess für Mutter Karin G. "extrem belastend" ist und sie am Morgen mit Kopfschmerzen aufgestanden war, sitzt sie als Nebenklägerin im Gerichtssaal und schaut dem Mädchen in die Augen, das den gewaltsamen Tod ihrer Tochter hätte verhindern können. Für sie ist jeder Tag "ein Kampf ums Überleben. Man muss versuchen zu schwimmen, obwohl man nach unten gezogen wird."

Antworten erhofft sie sich nicht, die könne ihr "nur der Mörder selbst geben." Aber sie will verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass ihre geliebte Tochter Opfer eines geplanten Mordkomplotts werden konnte.

Anfang Mai soll das Urteil gegen Sara B. gesprochen werden. Bis dahin will das Gericht klären, inwieweit sich die damals 14-Jährige ihrer Tat bewusst war. Mutter Karin G. will bei allen vier geplanten Prozesstagen anwesend sein: "Das ist wichtig für mich. Ich möchte von A bis Z alles wissen."

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