Mineralöl unter der Haut: Die traurige Geschichte hinter seinen Muskelbergen

"Ich werde gesehen. Und das ist das Wichtigste"

Valdir Segato aus Brasilien hat einen so unförmigen Körper, dass ihn jeder entsetzt anstarrt. Welche traurige Geschichte hinter den Muskelbergen steckt und warum er mit seinem Körper trotz allem glücklich ist

Mineralöl unter der Haut: Die traurige Geschichte hinter seinen Muskelbergen
Den Preis, den Valdir für seinen aufgepumpten Körper bezahlt, ist hoch. Sein Körper wird das Öl nie wieder abbauen können.

Die Muskeln des 47-Jährigen sind künstlich - von Valdir selbst aufgespritzt mit Mineralöl für 2 Euro aus der Apotheke. "Man erfährt, dass es das gibt und will es ausprobieren", erzählt er. "Ich war fasziniert davon, doch ich würde es niemandem empfehlen - es kann schließlich sehr gefährlich sein, manchmal sogar tödlich."

Der Preis, den Valdir bezahlt, ist hoch. Sein Körper wird das Öl nie wieder abbauen können. Schwere Entzündungen und Organversagen nimmt er in Kauf. Hauptsache, er wird gesehen. "Wenn ich über die Straße gehe guckt jeder. Ich weiß, dass es Leute gibt, denen das gefällt und andere, denen es nicht gefällt. Aber ich werde gesehen. Und das ist das Wichtigste."

Wahrgenommen werden als künstlicher Muskelprotz, warum will jemand so etwas? Der Grund dafür liegt in Valdirs Kindheit. Valdir wurde früher verspottet und gedemütigt. Die anderen Jugendlichen nannten ihn "Magrinho" - also "den Dünnen". "Die Leute haben mich verspottet. Nur man selbst weiß, wie sich das anfühlt im Herzen", erzählt der Brasilianer. "Es tut weh, wenn die anderen das sagen. Deswegen habe ich angefangen. Ich hab gesagt: 'Mal sehen, ob es klappt.' Es hat geklappt und jetzt bin ich so und so mag ich mich."

Zuspruch und Aufmerksamkeit, das ist es, was Valdir seit Jahren fehlt. Nur weil er als dünnes Hemdchen wahrgenommen wurde, sieht er heute so aus. Für ihn gibt es keine größere Anerkennung, als wenn wildfremde Menschen, ihn einfach ungeniert anstarren. Ihm scheint das zu reichen. Ihm gefällt das. Bekannte, Freunde und auch seine Familie finden es abschreckend, haben den Kontakt zu ihm abgebrochen.

Doch sein bester Kumpel und Arbeitskollege hält zu ihm. "Er ist nicht so wie es aussieht", sagt Fernando Carvalho da Silva. "Er ist komplett anders. Er sieht groß und stark aus, aber das ist er nicht. Er ist sehr menschlich, ich schätze ihn sehr. Man muss ihn kennen lernen, um das zu sehen. Er ist ein guter Typ. Ich kenne ihn seit 25 Jahren. Aber damit, dass er diese Sachen nimmt, bin ich nicht einverstanden."

Zweimal die Woche geht Valdir immer noch ins Fitnesscenter, denn ohne Training würde sein Körper an Spannung verlieren. Seine Ölmuckis würden der Schwerkraft zum Opfer fallen. Außerdem bekommt er hier die Anerkennung, die ihm als Kind immer gefehlt hat...