Im Podcast "heute wichtig"

Messerangriff in Würzburg: Journalistin Düzen Tekkal über das Medienversagen nach der Attacke

Nach Messerattacke in Würzburg
Nach Messerattacke in Würzburg
© dpa, Nicolas Armer, nar sab

29. Juni 2021 - 6:00 Uhr

Düzen Tekkal im Gespräch mit Michel Abdollahi

Wenn man den islamistischen Hintergrund der Tat von Würzburg nicht benennt, wird das Problem nur noch größer. Da ist sich Journalistin, Aktivistin und Kriegsberichterstatterin Düzen Tekkal sicher. Aber: Wie berichtet man über extremistische Feindseligkeit, ohne sie auf der anderen Seite zu schüren?

Düzen Tekkal fragt: “Welche Geschichten bleiben unsichtbar?“ 

Der Messerangriff eines 24-jährigen Asylbewerbers in Würzburg, bei dem drei Frauen starben und sieben Menschen verletzt worden sind, hat auch ein mediales und politisches Problem offengelegt. Trotz eindeutiger Hinweise auf eine möglicherweise islamistisch motivierte Tat hielten sich viele Medien und Politiker auffällig bedeckt.

Bereits am Tag der Tat war bekannt geworden, dass der mutmaßliche Mörder Abdirahman J. seinen Angriff als "Dschihad" bezeichnet hatte. Trotzdem twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert, die entsetzliche Tat habe sich "gegen jede Menschlichkeit und jede Religion gerichtet". In der "Tagesschau" wurde zwar erwähnt, dass die Behörden "islamistische Einstellungen" des Täters prüfen würden, jedoch nicht, dass es sich beim sichergestellten "Schriftmaterial mit Hassbotschaften" um islamistischen Hass handelte. Und die "Süddeutsche Zeitung" hat gestern getitelt: "Schwierige Suche nach Tatmotiv". Es gebe "keine überzeugenden Beweise für Islamismus", stattdessen spreche "einiges für eine psychische Vorbelastung".

Düzen Tekkal
Düzen Tekkal (42) ist Fernsehjournalistin, Autorin, Filmemacherin und Kriegsberichterstatterin.
© Sebastian Schramm

Schweigen Politik und Medien aus falscher Vorsicht?

Ist das die gebotene Vorsicht, die wir bei mutmaßlich islamistisch geprägten Straftaten brauchen? Oder sind Politik und Medien übervorsichtig und spielen damit am Ende nur den Rechtsextremen in die Karten? Moderator Michel Abdollahi spricht dazu in der aktuellen "heute wichtig"-Podcastfolge mit Journalistin, Aktivistin und Kriegsberichterstatterin Düzen Tekkal.

Zum einen, weil sie öffentlich bemängelte, viele Medien würden aus Angst davor, Fremdenfeindlichkeit zu schüren, relevante Informationen zurückhalten – was am Ende nur den Rechtsextremen in die Karten spiele. Zum anderen, weil Tekkal Gründerin der Bildungsinitiative "German Dream" ist, für die Politiker, Prominente und auch weniger bekannte Menschen vor Schulklassen von ihrem Lebenslauf erzählen und Jugendliche so inspirieren sollen. Sie weiß also sehr genau, wie bedeutend und folgenschwer das richtige Narrativ sein kann – in beide Richtungen.

"Wir müssen die Fakten benennen, egal, wer der Absender und wer der Täter ist. Ob das ein Rechtsextremist ist, der Menschen umbringt in Hanau. Oder ob das islamistisch motivierte Taten sind", meint sie.

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